Sommerserie
Als Urdorfs Ruf als Sportdorf geboren wurde

Vor 50 Jahren bewies die kleine Gemeinde Urdorf viel Mut bei der Planung der Sportanlagen in der Weihermatt. Alles begann mit einer Orientierungsversammlung im Jahr 1963.

Flavio Fuoli
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Das Freibad zieht nach wie vor Badende aus nah und fern an. Ende Saison wird es saniert.
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Spannung am Unterstufenschwimmfest 2012 der Schule
Spiele beim Unterstufenschwimmfest 2012
Kunstrasen für die Sommernutzung der Fussballer
Ein Urdorfer verfolgt einen Winterthurer anlässlich eines Meisterschaftsspiels
Urdorfer Eishockeyaner mit Torchance
Sommerserie Urdorf
Ein Arbeiter bei den letzten Verputzarbeiten der Kunsteisbahn
So sah die Kunsteisbahn Weihermatt bei der Eröffnung im November 1966 aus.

Das Freibad zieht nach wie vor Badende aus nah und fern an. Ende Saison wird es saniert.

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Elisabeth Lüchinger, die Urdorfer Dorfchronistin, erinnert sich noch gut daran, wie es in ihrer Jugend auf dem Gelände der heutigen Sportanlagen mit Eisbahn und Freibad in der Weihermatt aussah: «Oben lag ein Weiher. Darum herum wurde Landwirtschaft betrieben. Dort mussten wir in unserer Freizeit oft arbeiten auf Feld und Flur.»

Dass die heutige Jugend dort nicht mehr auf dem Feld arbeitet, sondern im Sommer badet und im Winter Schlittschuh läuft, verdankt sie einem weisen Entscheid ihrer Vorväter.

Wegweisende «Gmeind»

Es begann mit einer Orientierungsversammlung, die auf grosses Interesse stiess. Im Mai 1963 lag nämlich das fertige Projekt für Kunsteisbahn und Freibad vor. Die Urdorfer Turnhalle war sehr gut besucht. Der Gemeinderat teilte den zahlreichen Zuhörern mit, dass er in der ersten Etappe die Curlingbahn weglassen wolle und nur Schwimmbad und Kunsteisbahn an die Gemeindeversammlung bringen werde.

Es begann vor 50 Jahren...

In ihrer Sommerserie 2013 geht die Limmattaler Zeitung Geschichten auf den Grund, die vor 50 Jahren begannen - und erzählt, was aus ihnen geworden ist. Bisher erschienen: Schlieren plant ein Jugendhaus (1), ein Schweizer Rekord sorgt für das Oberengstringer Gemeindehaus (2), Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon (3), die Anfänge der Kaserne Birmensdorf (4). Die 6. Folge erscheint am Samstag: Erster katholischer Gottesdienst in Oetwil/Geroldswil seit der Reformation im Schulhaus Letten.. (AZ)

Das Bauprogramm sah bei der nicht überdachten Kunsteisbahn eine rampenartige Tribüne für 1500 Zuschauer, Parkplätze sowie Garderoben- und Dienstgebäude vor. Ferner war eine Hauswartswohnung geplant, die einen Überblick über die ganze Anlage ermöglichte. Das Freibad erhielt drei Becken, mit einem Schwimmbecken von 50 Metern Länge und 15 Metern Breite. Das Nichtschwimmerbecken umfasste rund 400 Quadratmeter. Für die Kleinkinder gabs ein Planschbecken.

Die «denkwürdige Gemeindeversammlung», so schrieb damals der Gemeinderat, fand am 10. Juli 1963 statt. Erstmals in der Geschichte Urdorfs fanden nicht alle Stimmberechtigten einen Sitzplatz. Dem Büro wurden 324 anwesende Stimmbürger gemeldet. Dazu hatten sich viele jugendliche Zuschauer eingefunden. Ein einziger Gegenvorschlag wurde abgeschmettert. Mit grosser Mehrheit und ohne Gegenstimme nahm die Versammlung den für damalige Verhältnisse hohen Kredit von rund 3,3 Millionen Franken an. Urdorf zählte schliesslich lediglich 4339 Einwohner.

Damit war Urdorfs Ruf als Sportdorf geboren. Gemeindepräsident Jakob Lips erwähnte die in Mode kommende Fünftagewoche und die daraus resultierenden Freizeitprobleme, die auf die Bevölkerung zukommen würden. So berichtete damals der «Limmattaler». Mit dem Bau der Sportanlagen ergäben sich vor allem für die Jugend sinnvolle Möglichkeiten, so Lips weiter.

Zeitnot vor der Eröffnung

Um den Erfolg der Urdorfer Sportstättenplanung zu verstehen, muss man allerdings weiter zurückgehen, ins Jahr 1954. An der Gemeindeversammlung vom 6. November ging es damals um den Kaufvertrag von 91 067 Quadratmeter Land in der «Weihermatt». Der Kredit betrug 700 000 Franken, 7.69 Franken pro Quadratmeter. Der legendäre Urdorfer Gemeindepräsident Jakob Schälchli sprach damals erstmals öffentlich von Sportanlagen, für die dieses Land besonders geeignet schien. Urdorf zählte damals lediglich 2000 Einwohner bei einem Steuerfuss von 180 Prozent. Das zeigt, welch grosser Brocken da von den Stimmbürgern gebilligt worden war.

Die vor 50 Jahren bewilligten Sportanlagen eröffneten schliesslich 1966. Allerdings war das Wetter damals ungünstig, was die Bauherrschaft in arge Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Zeitplans brachte. Die Freibaderöffnung war auf den 1. Juli vorgesehen. Wegen eines Leitungsbruchs mussten die Urdorferinnen und Urdorfer aber bei schönstem Badewetter noch 14 Tage länger warten, bis es am 15. Juli endlich so weit war. Die Rasenflächen mussten allerdings noch geschont werden.

Sportanlagen als Magnet

Auch die Eisbahn eröffnete später als vorgesehen, nämlich am 26. November 1966. Bereits einen Tag danach fand auf der Eisfläche das erste Eishockeyspiel statt. Im Februar 1967 eröffnete dann auch das Restaurant Weihermatt seine Pforten. «Die Sportanlagen kamen bei den Leuten gut an», erinnert sich die Chronistin Elisabeth Lüchinger. Nicht zuletzt wegen ihnen seien auch viele Leute mit ihren Kindern nach Urdorf gezogen. Auch der Eishockeyclub habe davon profitiert.

Sie selber ging mit ihren Kindern nicht so oft ins Freibad, das übernahm eher ihr Mann Paul. Aber es sei wichtig für die Kinder gewesen, sich sportlich betätigen zu können. «Sie konnten Schlittschuhlaufkurse besuchen und schwimmen lernen. Das konnten nicht alle», resümiert sie zufrieden. Und ihr Mann Paul ergänzt: «Die Sportanlagen sind ein Markenzeichen von Urdorf. Sie kosten zwar etwas, aber unsere Vorfahren hatten mit ihrem Entscheid unglaublichen Mut bewiesen.» Damals, so Paul Lüchinger, habe man allerdings aufgrund der Kneschaurek-Studien erwartet, dass Urdorf einmal 30 000 Einwohner zählen werde. Heute sind es 9400.

Als die Sportanlagen in die Jahre kamen, mussten sie saniert werden. «Von Herbst 1994 bis Juni 1996 realisierte die politische Gemeinde eine umfassende Sanierung des Freibads Weihermatt», sagt Franz Wipfli, Bereichsleiter Liegenschaften und technische Betriebe auf der Gemeindeverwaltung. Nicht nur das: «Neben der Grundsanierung baute man einen Strömungskanal mit Rutsche sowie eine Solaranlage für die Badewassererwärmung ein. Seither wurde am Bad nichts Grösseres mehr gemacht.» Urdorf zahlte dafür fast sieben Millionen Franken.

Knatsch um die Eisbahn

Etwas spektakulärer verlief die Geschichte der Kunsteisbahn. Nachdem sie in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre ihren Betrieb aufnahm, wurden 1995 das Rückkühlsystem und im Jahr 2000 die Kälteverteilung angepasst. Aufgrund des umfassenden Sanierungsbedarfs legte der Gemeinderat dem Stimmvolk ein Sanierungs- projekt für 5,2 Millionen Franken vor. Vor allem wegen des Widerstands der Eissportvereine wurde es am 5. Juni 2005 jedoch abgelehnt. Die Eislaufvereine, also der Eishockey- und der Eislaufclub, stellten Ansprüche an eine modernere Anlage. Dabei stand ein zweites Eisfeld unterhalb des bestehenden im Fokus.

In der Folge reichte das Komitee «Weihermatt für alle», das sich aus den Eissportvereinen rekrutierte, eine Initiative für eine Überdachung der Eisbahn ein. Der Kredit betrug vier Millionen Franken. Er wurde am 21. Oktober 2007 angenommen. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Kredit um rund 2,1 Millionen Franken zu tief berechnet war.

Der Gemeinderat wollte deshalb die Eisbahn aus finanziellen Gründen schliessen. Allerdings machte er die Rechnung ohne die sportbegeisterten Urdorferinnen und Urdorfer. Sie nahmen den Kredit am 29. November 2009 an der Urne an, jedoch nur knapp. Die Eisbahn war gerettet. Mehr noch: Seit Herbst 2011 wird im Winter unter dem Dach Schlittschuh gelaufen.