Ein Bayer stand am Anfang der Blütezeit des Zürcher Buchdrucks. Vor 500 Jahren legte Christoph Froschauer den Grundstein für das Unternehmen Orell Füssli. 1519 erhielt der Drucker das Bürgerrecht der Stadt Zürich und schuf in kurzer Zeit ein Druck- und Verlagszentrum mit europäischer Ausstrahlung.

Im Limmattal fasste die Kunst Gutenbergs erst einige Jahrhunderte später Fuss. 1897 eröffnete die in Altstetten ansässige Druckerei J. Kopp-Tanner in Dietikon eine Filiale. Es war die Zeit, als die Nordostbahn Pläne schmiedete, ihre Werkstätten in den heutigen Bezirkshauptort zu verlegen. Das damalige Bauerndorf wurde von einer Spekulationswelle erfasst und verzeichnete einen enormen Bevölkerungszuwachs.

Da wollte Kopp-Tanner nicht hinten anstehen und eröffnete seine Zweigstelle, «damit ihm kein anderer ins Gäu komme und Konkurrenz mache», notierte der 1968 verstorbene Dietiker Journalist und langjährige SP-Kantonsrat Jakob Grau in seinen Jugenderinnerungen. Mit der Druckereifiliale, dem «ersten Tempel der schwarzen Kunst» in Dietikon, verband ihn eine besondere Beziehung. Dort trat Grau kurz nach deren Eröffnung seine Schriftsetzerlehre an. In seinen Jugenderinnerungen hat der Betrieb deshalb einen speziellen Platz gefunden.

Drei Franken Wochenlohn

Als Geschäftsführer konnte Kopp-Tanner mit Jacques Schaufelberger – er wurde 1899 erster Präsident des neu gegründeten Handwerksmeister- und Gewerbevereins Dietikon – einen alten Bekannten gewinnen. Ihm griff Grau für einen Wochenlohn von drei Franken im ersten Lehrjahr tatkräftig unter die Arme – und dies bei prekären Verhältnissen.

Die Druckerei befand sich unterhalb des ehemaligen Restaurants Central im Erdgeschoss des Hauses von Schreiner Alois Baumann. Der Maschinensaal wurde in der Stube der ehemaligen Wohnung eingerichtet. In der Nebenstube fand der Setzersaal samt Stehpültchen für die Geschäftsleitung Unterschlupf. Als Papiermagazin diente die Küche.

Unter solchen Bedingungen gestaltete sich der Arbeitsalltag mühselig, wie sich Grau erinnerte: «In der Setzerei konnte man sich mit den grösseren Schriftkasten kaum kehren, geschweige denn die Satzbretter changieren, und die Schnellpresse musste von Hand angetrieben werden. Weil es anstrengend war, besorgten es der Geschäftsführer und der Lehrling abwechslungsweise; während der eine das Rad trieb, konnte der andere beim Einlegen verschnaufen.» Die rauchenden Petrolwandlampen sorgten überdies für stickige Luft in der Druckerei.

In besonderer Erinnerung blieb Grau der Druck einer «israelitischen Zeitung, die bis in die östlichen Gebiete verschickt wurde».

In besonderer Erinnerung blieb Grau der Druck einer «israelitischen Zeitung, die bis in die östlichen Gebiete verschickt wurde».

An diesen Umständen sollte sich zum Glück von Grau schon bald einiges ändern. Schreiner Baumann rüstete sein Haus auf elektrisches Licht um und installierte einen kleinen Elektromotor, der fortan die Schnellpresse antrieb. Damit liessen sich die mannigfaltigen Erzeugnisse der Druckerei wie Geschäftskuverts und Prospekte nun unter wesentlich besseren Konditionen verarbeiten.

Zeitung ging schnell wieder ein

In besonderer Erinnerung blieb Grau der Druck einer «israelitischen Zeitung, die bis in die östlichen Gebiete verschickt wurde». Dafür brachte Kopp-Tanner extra «einen Satz hebräischer Hieroglyphen, wunderlich verschnörkelte Schriftzeichen», vorbei. Auch eine neue Zeitung, die «Stimme aus der Heimat», sollten der Geschäftsführer und sein Lehrling drucken. «Das sollte ein Organ der Reichsdeutschen in der Schweiz abgeben und allerlei Neuigkeiten und Nachrichten aus dem grossen Kanton vermitteln», hielt Grau fest.

Der Publikation war allerdings wenig Erfolg beschieden. Schon nach drei Ausgaben wurde die Zeitung wieder eingestellt, da mit den Einnahmen aus ihrem Verkauf nicht einmal die Druckkosten gedeckt werden konnten.

1902 verliess Grau die Druckerei und ging als Geselle auf Wanderschaft. Sein ehemaliger Arbeitgeber seinerseits geriet in finanzielle Schwierigkeiten, wohl weil er sich mit einer weiteren Druckereifiliale in Aussersihl zu viel zumutete. Kopp-Tanner verkaufte deshalb seine Dietiker Niederlassung an seinen Geschäftsführer.

Als dann das Altstetter Geschäft in Konkurs ging, wurde Kopp-Tanner von Schaufelberger als Prokurist angestellt. Gemeinsam brachten sie die neu gegründete Zeitung «Der Limmattaler», die die 1861 ins Leben gerufene «Limmat» übernahm, heraus.

Das Blatt, das sich von Anfang an in einem Konkurrenzkampf mit dem «Anzeiger für das Limmattal» befand, wurde bald zum amtlichen Publikationsorgan Dietikons. Kurz darauf brach die Zusammenarbeit zwischen Schaufelberger und Kopp-Tanner allerdings auseinander. Wie sich zeigte, zum Nachteil des Druckereibesitzers. Denn 1905 musste er seine serbelnde Druckerei samt Zeitungsverlag an Johann Georg Hummel-Honer verkaufen. Damit begann ein neues Kapitel Dietiker Druckereigeschichte.