Dietikon

Als für Wehrmänner Vereinszwang galt

Der Schiessverein Dietikon vor dem Gasthof Herrenberg anno 1907.

Der Schiessverein Dietikon vor dem Gasthof Herrenberg anno 1907.

Bei seiner Gründung vor 150 Jahren machte der Schiessverein Wehrpflichtige zu «tüchtigen Feldschützen»

Gewehre, Pistolen, Munition und Zielscheiben sind längst nicht mehr das Einzige, was die Mitglieder des Schiessvereins Dietikon beschäftigt. Gerne trifft man sich heute auch zum netten Beisammensein und macht Ausflüge mit Familienangehörigen.

Dies war vor 150 Jahren anders. Es herrschten strenge Sitten im Feldschützenverein Dietikon und Umgebung. Wer sich an einer Schiessübung verspätete, zahlte 25 Rappen in die Vereinskasse. Beim Abfeuern eines Schusses nach dem Signal «Feuer einstellen» sogar das Doppelte, was heute dem Wert eines Fünflibers entspricht. Solche und andere Erinnerungen finden sich in der Festschrift zum 150-Jahr-Jubiläum des Vereins, das heute begangen wird.

Wehrpflicht und Unterhaltung

Schützenvereine gehören zu den ältesten Vereinen in der Schweiz und erfreuten sich mit der Bewaffnung Schweizer Staatsbürger wachsender Bedeutung. Wehrpflichtige Männer hatten seit 1874 eine ausserdienstliche Schiesspflicht, die neun Jahre später sogar durch einen Vereinszwang ergänzt wurde. Seither musste jeder schiesspflichtige Bürger auch Mitglied eines Schützenvereins sein. Die Wehrpflichtigen sollten so zu «tüchtigen Feldschützen» ausgebildet und ferner auch zu «geselliger Unterhaltung» versammelt werden, wie im Einladungsschreiben der Vereinsgründer zu lesen ist.

Von Beginn an nahm der Feldschützenverein Dietikon und Umgebung, der sich seit 1880 Schiessverein Dietikon nennt, nicht nur die Aufgabe wahr, den Wehrmännern das Training zu ermöglichen und den Schiesssport zu fördern. Er übernahm auch Verantwortung im gesellschaftlich-sozialen Bereich. So vermerkt der Dietiker Chronist Karl Heid in seinem Festschreiben zum 100-jährigen Bestehen des Vereins etliche Spenden, unter anderem an den hiesigen Männerchor, an Schulkinder oder zur Errichtung des Dufourdenkmals und einer Badanlage. Während der Krisenjahre um 1932 unterstützte der Verein arbeitslose Mitglieder.

Nach der Vereinsgründung 1865 zählte der Verein dreizehn Mitglieder. Fünfzig Jahre später waren es bereits dreihundert. Die beiden Weltkriege bescherten dem Verein aufgrund der Munitionssperre wieder ruhigere Zeiten. Auch in den Zwischenkriegsjahren wurde der Schiessbetrieb aufgrund finanzieller Nöte stark eingeschränkt. Erst um 1944 konnten wieder Schiessanlässe durchgeführt werden. Der Verein erholte sich langsam von der Flaute und trat dem kantonalen und eidgenössischen Schützenverein bei. Von dieser Zeit an erlebte der er hohen Zuwachs, sodass er um 1964 stolze 1196 Schützen zählte.

Unterschiedliche Schiessanlagen

Geschossen wurde im Lauf der 150 Jahre auf unterschiedlichen Anlagen. 1865, als die Stadt Dietikon noch ein Dorf mit 1500 Einwohnern war, traf man sich auf dem Schiessplatz im «Grien». Dieser musste aber wegen des Kanalbaus bald aufgegeben werden. In der Folge wich man ins Fahr Oetwil, Herrenberg, Niederurdorf oder ins Entenbad aus. Ab 1899 wurde der Schiessbetrieb im Schützenhaus Fondli aufgenommen. Die wachsende Stadt vertrieb die Schützen allerdings erneut. Um 1974 wurde schliesslich die Schiessanlage Reppischtal eingeweiht. Dort findet seither jedes Jahr das Reppischtalschiessen statt. Dieses Jahr schossen 727 Schützen am bedeutendsten Anlass des Vereins.

Mittlerweile gehört die Erfolgswelle der Vergangenheit an. Die Armee wurde laufend dezimiert, das Austrittsalter auf 34 herabgesetzt. Es gibt immer weniger Bürger mit ausserdienstlicher Schiesspflicht. Eine enorme Zunahme von Freizeitbeschäftigungen und mangelnde Verbundenheit der Jugend zur Gemeinde sind für Paul Schneider, den Aktuar des Vereins, weitere Gründe für sinkende Mitgliederzahlen. Trotz dieser Tendenz vermeldet Schneider seit einigen Jahren wieder vermehrt jüngere Mitglieder, die bereit seien, Verantwortung im Verein zu übernehmen und einen Teil ihrer Freizeit zu investieren.

Die Aktivitäten des Schiessvereins beschränken sich seit längerer Zeit nicht mehr nur auf das Schiessen. Wenn keine grossen Schützenfeste stattfinden, organisiert man Ausflüge mit den Familienangehörigen. Auch an Grossanlässen in Dietikon ist der Verein immer wieder mit der Schützenbeiz oder einem Luftgewehrstand vor Ort. Wie schon zu Gründungszeiten hat der Verein auch heute noch das Ziel, Geselligkeit und Freundschaft zu pflegen.

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