Die Schweizer Frauenfussballnationalmannschaft spielt erstmals an einer Europameisterschaft und jeder bekommt es mit. Das Fernsehen überträgt die Spiele der Nati und auch die grossen Tageszeitungen berichten über das Abschneiden des Teams von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Frauenfussball erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Rund 22 000 Spielerinnen sind beim Schweizerischen Fussballverband gemeldet. Damit sind etwa acht Prozent der in der Schweiz lizenzierten Fussballer weiblich – Tendenz steigend.

Als der Frauenfussball im Limmattal Fuss fasste, war man von solchen Zahlen und solcher Aufmerksamkeit meilenweit entfernt. In Spreitenbach wurde bereits 1973 ein Damenfussballclub gegründet, der dem bestehenden Männerverein beitrat. In Schlieren tat sich 1979 eine Gruppe Mädchen zusammen, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Der Anfang war harzig. Die ersten Spiele gingen oft zweistellig verloren. Entmutigen liessen sich die jungen dennoch Frauen nicht.

«Bettelbrief» für ein Dress

Ähnlich erging es der Gruppe von Oberstufenschülerinnen, die 1980 in Dietikon Gleichgesinnte suchte, um eine Fussballmannschaft zu gründen. Ende 1981 war es soweit. Auf Initiative von Daniel Baer wurde am Chlausabend des FC Dietikon die erste Frauenmannschaft aus der Taufe gehoben. Ein Teil der Männer in der damaligen Vereinsführung stand dem neuen Team allerdings mehr als skeptisch gegenüber. Wenig Freude hatten die Herren auch am von den jungen Frauen in Eigenregie verschickten «Bettelbrief» an Dietiker Firmen. «Zur Gründung unserer Damenmannschaft ‹Fussball› benötigen wir unbedingt ein Tenue. Leider ist der FC Dietikon nicht gewillt, uns das notwendige Dress zu spenden», hiess es in dem Schreiben. Und weiter unten: «Schliesslich haben wir doch auch ein Anrecht auf Gleichberechtigung und hoffen nun, diese Gleichberechtigung von ihnen zu spüren.»

Obwohl der Ärger in Teilen des Vorstandes gross war, stimmte die Mehrheit einer Aufnahme der Damenmannschaft zu – allerdings mit einer Probezeit von einem Jahr. Anfang 1982 wurde ein entsprechender Zusammenarbeitsvertrag aufgesetzt. Unter anderem war darin geregelt, dass die Garderoben auf der Dornau «nur mit der Bewilligung des Vorstandes benützt werden dürfen». Vereinbart wurde überdies, dass der Damenfussballclub zwar dem FC Dietikon als Untersektion angeschlossen sei, die Kosten für den Trainings- und Spielbetrieb sowie Tenues und Trainingsmaterial jedoch selber tragen müsse. Und so konnten die Damen in der 3. Liga, der damals tiefsten Spielklasse, in ihr Abenteuer starten.

Frauen war das Spielen untersagt

Zu jener Zeit als sich in Spreitenbach erstmals auch Frauen die Fussballschuhe im Limmattal schnürten, um am Meisterschaftsbetrieb teilzunehmen, war der institutionalisierte Frauenfussball in der Schweiz noch keine fünf Jahre alt. Obschon laut Zeitungsberichten bereits in den 1920er-Jahren in Genf eine Damenfussballmannschaft gegründet wurde, gab es lange Zeit keinen organisierten Meisterschaftbetrieb für weibliche Fussballerinnen. Dies hatte unter anderem damit zu tun, dass in verschiedenen europäischen Ländern, etwa in England, den Frauen das Fussballspielen lange Zeit untersagt war.

Erst in den 1960er-Jahren begann sich in der Schweiz mit dem Aufkommen der beliebten Grümpelturniere etwas an diesem Zustand zu ändern. 1963 gründeten die beiden Schwestern Monika und Silvia Stahel aus Murgenthal den FC Goitschel, mit dem sie an verschiedenen Dorfturnieren teilnahmen. Vier Jahre nach der Gründung absolvierte das Team um die Stahel-Schwestern ein erstes Freundschaftsspiel gegen eine kombinierte Elf aus Wohlen und Zürich. Der Antrag des FC Goitschel beim Schweizer Fussballverband (SFV), künftig offizielle Spiele bestreiten zu dürfen, wurde abgelehnt. Stattdessen bot ihnen der SFV an, sich zu Schiedsrichterinnen ausbilden zu lassen. 14 Frauen nahmen das Angebot an.

1969 fand in der Westschweiz schliesslich die erste inoffizielle Meisterschaft statt. Gewonnen wurde sie vom DFC Sion. Ein Jahr später war es dann soweit. Im April 1970 erhielt die Schweiz ihre eigene, offizielle Damenfussballliga (SDFL). Sie wurde in Bern gegründet und bestand aus 18 Teams. Wobei nur 14 die Saison beenden konnten. Für die anderen kam das Aus schon während der Meisterschaft, meist aus finanziellen Gründen. Erster offizieller Schweizerischer Damenfussballmeister wurde der DFC Aarau. Die Aargauerinnen spielten auch im 1975/1976 erstmals ausgetragenen Frauen-Cup äusserst erfolgreich und zogen in den Final ein, unterlagen dort aber dem DFC Sion.

Im selben Jahr, in dem in der Schweiz der Ligabetrieb aufgenommen wurde, fand in Italien die erste inoffizielle Frauenfussball Weltmeisterschaft – der Martini-Rosso-Cup – statt. Neben Italien, Deutschland, England, Dänemark, Mexico und Frankreich war auch die Schweiz mit einem Team vertreten. Gewonnen wurde das Turnier von den Däninnen, die im Final die Gastgeberinnen mit 2:0 bezwangen.

Viele Erfolge in den letzten Jahren

Ein neues Kapitel wurde schliesslich 1993 mit der Auflösung der Damenfussballliga und der Integration des Frauenfussballs in den SFV begonnen. Seither hat sich einiges getan. 2004 wurde das Ausbildungszentrum für Mädchen in Huttwil eröffnet, das 2013 nach Biel umzog. Und auch international konnte der Schweizer Frauenfussball einige Erfolge feiern: So erreichte etwa die U-19 an der Europameisterschaft 2009 in Weissrussland den Halbfinal. 2014 qualifizierte sich das Frauen A-Team erstmals für eine Weltmeisterschaft und dies als souveräner Gruppensieger.

Auch die Limmattaler Fussballerinnen wurden für ihre Ausdauer belohnt. Die kontinuierliche Entwicklung der Frauen des FC Schlieren gipfelte 2008 im erstmaligen Aufstieg in die Nationalliga A und ein Jahr später in der Qualifikation für den Cupfinal. Dieser ging dann jedoch mit 0:8 gegen Rot-Schwarz Thun verloren. Zudem stiegen die Schlieremerinnen nach nur einer Saison wieder in die Nationalliga B ab. 2011 schafften sie noch einmal den Aufstieg in die höchste Spielklasse, stiegen aber erneut nach nur einem Jahr wieder ab.
Cupsieg als Höhepunkt

Beim FC Dietikon erlebte die Damenabteilung in der Saison 1991/92 unter Trainer Silvano Zese ihren Höhepunkt– nach dem Aufstieg in die 1. Liga waren die Dietikerinnen nicht zu halten und marschierten gleich durch in die Nationalliga B. Dort hielten sie sich zwei Saisons. Im Jahr 1995 klappte mit dem Trainerinnenduo Fiore Kretz/Gabi Widler erneut der Aufstieg in die zweithöchste Liga. 1997 der erneute Abstieg in die 1. Liga. Abslouter Höhepunkt der Spreitenbacher Fussballerinnen ist und bleibt bis heute der Cupsieg 1979.

In allen drei Clubs gehen bis heute Frauen und Mädchen ihrem Hobby nach. Auch beim FC Oetwil Geroldswil spielt mittlerweile eine Damen- und eine Juniorinnenmannschaft. In anderen Limmattaler Vereinen spielen vereinzelt Mädchen in Knabenmannschaften mit. Seit den Anfängen des Frauenfussballs im Limmattal hat sich einiges getan. Abgeschlossen ist die Entwicklung noch lange nicht.