Geroldswil

«Alles, was an der Schule mit Musik zu tun hat, geht letztlich auf mich zurück»: Er hauchte der Kanti das musikalische Leben ein

Markus Jud hat die Serenade erfunden und organisiert sie seit 26 Jahren.

Markus Jud ist Lehrer an der Kantonsschule Limmattal in Urdorf – nun hat er seine letzte Serenade organisiert.

Als Markus Jud vor knapp 40 Jahren an der Kantonsschule Limmattal begonnen hat, zu unterrichten, traf er auf eine Schule mit wenig Musikleben: «Es war eine eher akademische Atmosphäre. Ich habe musikalisches Brachland angetroffen.» Das bereitete ihm als Musikbegeisterter Mühe. «Ich sagte mir, dass ich etwas verändern will», sagt Jud, der seit 25 Jahren in Geroldswil lebt.

Der Musikbegeisterte hat daraufhin mit seinen ersten drei Saxofonschülern ein Ensemble gegründet. Zusammen mit dem Chor sowie dem Flöten- und dem Gitarrenlehrer entstand die erste Serenade 1992. «Weil die Schule keine Aula hatte, hat das Konzert draussen im Freien stattgefunden», sagt der 64-Jährige. Bis der Anlass jedoch endlich Bekanntheit an der Schule erlangte, dauerte es fünf Jahre.

«Anfangs, nach meiner Anstellung, stiess ich oft auf Unverständnis. Ich setzte mich aber weiterhin für die Musik ein.» Es habe beispielsweise auch nicht ausreichend Räume gegeben, um zu proben. Das brachte er stets zur Sprache. Er führte auch mit dem Musical «Hair» das erste Grossprojekt durch, gründete eine Big Band und veranstaltete weitere neue Konzerte.

Selbstbewusst meint er: «Alles, was an der Schule mit Musik zu tun hat, geht letztlich auf mich zurück.» Im Verlauf der Jahre sei die Serenade immer mehr gewachsen. Der Chor habe so viele Mitglieder bekommen, dass er gar in zwei Chöre gespalten werden musste. Hinzu kamen mehr Bands und Ensembles, die sich beteiligten. «Während für die erste Serenade die Schüler die Plakate und Flyer noch selbst erstellt haben, übernahm von da an die Fachschaft Zeichnen diese Aufgabe.»

Sein musikalisches Erbe

Seit knapp 20 Jahren findet das Konzert nur noch in der Eingangshalle zu Kantonsschule statt. Dies hat mehrere Gründe: «Zum einen ist es draussen schwieriger wegen der Akustik und zum anderen hat es in den ersten paar Jahren jedes Mal geregnet oder es war zu kalt.» Jud findet den Eingang einen interessanten Ort für einen Anlass: «Der Sound ist schon beeindruckend.»

Nur einmal habe er das Konzert wieder draussen veranstaltet. Das werde er nicht vergessen. «Das Wetter war schön, aber die Temperaturen so hoch, dass die Geigen der Orchestermitglieder beschädigt wurden.» Erinnern werde er sich auch an jede Serenade. Es sei jedes Mal ein unglaubliches Erlebnis.

«Seit etwa zehn Jahren sind die Aufführer auf einem relativ hohen Niveau.» Er denkt, dass die musikalischen Anlässe den Schülerinnen und Schüler viel gegeben haben: «Durch das Musizieren kann man Freude schenken. Das grösste Kompliment ist der Applaus, den man am Konzert bekommt», sagt Jud.

Der Musiklehrer wird nur noch ein Jahr unterrichten, bevor er in Pension geht. Deshalb hat er schon vor Jahren damit begonnen, seine Aufgabenbereiche an die Arbeitskollegen weiterzugeben: «Ich musste schauen, dass die Musik an der Schule weitergeht. Ich wollte nicht, dass ein Vakuum entsteht.» Dass es weitergeht, sei nur möglich, weil er ausgezeichnete Kolleginnen und Kollegen habe und sie ein starkes Team seien.

Gleichzeitig findet er es wichtig, loszulassen. «Es läuft jetzt ohne mich.» Nach seiner Pensionierung werde er privat noch mehr musizieren. Er könne auf ein reiches musikalisches Leben zurückschauen. «Es macht mich auch ein bisschen stolz, zu wissen, dass ich die Serenade initiiert und somit den Grundstein dieser Tradition gesetzt habe.» Er wünscht sich, dass diese erhalten bleibt und aufblüht.

Nächstes Jahr werde er noch mit dem Ensemble am Konzert auftreten. «Ich komme auf jeden Fall auch nach meiner Pensionierung zu den Anlässen.» Bis dahin finden diese vielleicht in der geplanten Aula der Schule statt: An der Sitzung zum Bauplan habe er schon teilgenommen.

Die Serenade findet heute Mittwoch um 18.15 Uhr in der Eingangshalle der Kantonsschule Limmattal statt.

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