Mit einer lebendigen Dorfkultur und 297 Vereinsmitgliedern im Rücken bietet es sich geradezu an, einen Marktbetrieb zu führen. Immer wieder kommen an diesem Samstag Frauen zum Marktstand des Frauenvereins im Zentrum von Weiningen und bringen selbst gemachte Lebensmittel vorbei: gefärbte Eier, frisch gebackene Kuchen und Zöpfe oder Obst. Fast alles wurde in Weiningen hergestellt, aufgezogen oder gepflückt – nur die Bananen kommen aus Übersee, wahrscheinlich aus der Karibik.

Obwohl auf dem kleinen Platz gleich vis-à-vis der Linde nur ein Marktstand mit zwei Tischen steht, ist immer etwas los: Hier werden die letzten Neuigkeiten aus dem Dorf ausgetauscht und der Vorratsschrank wieder mit ein paar Weininger Spezialitäten nachgefüllt. Und von diesen gibt es hier mehr als genug im Angebot.

Verena Haug, Weiningen

«Als Weiningerin muss ich mir hier natürlich ein paar Spezialitäten kaufen», meint Verena Haug und öffnet ihren geflochtenen Einkaufskorb. Darin liegt eine Flasche «Verjus» – ein traditioneller Saft aus unreifen Trauben, der von Haug Weine hergestellt wird – und zwei Bauernschüblige. Haug blickt über den Tisch und sagt: «Aber eigentlich ist alles aus Weiningen eine Spezialität – auch die Frauen.» Die Frau hinter dem Marktstand pflichtet ihr bei und lacht.

«Es ist wirklich unglaublich, wie man sich auf die Frauen hier im Dorf verlassen kann», meint Marie-Thérèse Miller, die Präsidentin des Frauenvereins. «Egal, was wir organisieren, es machen alle mit. Ob jung oder alt, spielt dabei keine Rolle.» Doch Miller muss gleich wieder los in Richtung Fahrweid.

Beim Restaurant Föhrewäldli steht nämlich ein zweiter Stand – dort ist heute «Bring-und-Nimm-Tag». Miller fährt mit dem Autor hin und her und schaut, dass die Produkte gut verteilt sind.

Eben gab es in der Fahrweid einige Zöpfe zu viel, Miller hat sie daher ins Dorf hinaufgebracht. «In der Fahrweid kamen die Leute schon sehr früh am Morgen und brachten allerhand schöne Sachen – ich war überrascht.»

Jetzt stehen gerade vier Mitglieder des Frauenvereins hinter dem Marktstand, aber schon bald kommt wieder Kundschaft.

Erika Hintermann, Weiningen

«Die Sachen in meiner Tasche werde ich alle verschenken», sagt Erika Hintermann. «Ich mache bald Osternestchen für meine Enkel. Da hinein kommen diese gefärbten Eier, Schokolade und natürlich in jedes auch ein Ei aus Blech mit einem Nötchen drin – aber nur ein kleines, das grosse gibt es dann an Weihnachten.»

Neben dem Eierkarton mit den kunstvoll gefärbten Eiern – vier Mitglieder des Frauenvereins haben sie an einem Abend zusammen gefärbt – liegt auch ein frischer Zopf in ihrer Tasche.

«Man kann gut sehen, dass er selbst gemacht ist. Das lohnt sich, weil er viel besser ist als einer, den ich da hinten im Supermarkt kaufen könnte.» Zuunterst in der gut gefüllten Tasche liegt ein Sack mit Äpfeln. «Die sind für meinen Mann», meint Hintermann, «der braucht schliesslich auch etwas.» Nur für sich selbst hat sie nichts eingekauft.

Auffällig ist, dass nur Frauen am Stand einkaufen. Da fährt plötzlich ein jüngerer Mann auf einem Fahrrad vorbei, auf dem Rücksitz sitzt seine kleine Tochter. Ob er nicht einkaufen wolle, fragt eine der Frauen hinter dem Stand.

«Das habe ich bereits gemacht», sagt er und hält seinen Plastiksack vom Supermarkt in die Höhe. «Aber hier können Sie viel bessere Dinge kaufen», entgegnet ihm eine der Frauen lachend. Seine Frau hätte gar nicht Freude, wenn er jetzt noch mehr einkaufen würde, meint der Mann darauf, sie sei in dieser Minute zuhause am Backen.

Elisabeth Hintermann, Weiningen

Neben den Zöpfen liegen auch auf dem Tisch verschiedene Backwaren, unter anderem Muffins. Elisabeth Hintermann interessiert sich aber für den Weininger Honig und das Obst. Neben einem Bund Bananen kauft sie einen grossen Sack Birnen.

«Das sind die Birnen von Herrn Müller hier in Weiningen – die sind wunderbar. Ich habe zu Hause mehrere Apfelbäume, davon habe ich also mehr als genug», erzählt sie. Sie habe unter ihrem Haus einen sehr guten Keller, wo man Obst lange lagern könne.