Bezirksgericht Zürich
Allerletzte Chance für Birmensdorfer Kriminellen

Ein Lehrling aus Birmensdorf prügelte, raubte und betrog. Er wurde zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Das Gericht schlug damit einen Mittelweg ein und berücksichtigte beide Parteien.

Attila Szenogrady
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Keystone

Die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger sprach an der Urteilseröffnung von einer unsäglichen Unverfrorenheit des 21-jährigen Beschuldigten aus Birmensdorf. Fest steht, dass das Jugendgericht Dietikon den aus Tunesien stammenden Jugendlichen bereits 2010 wegen mehrfachen Raubes sowie Diebstahls nicht nur zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, sondern auch in eine geschlossene Unterbringung eingewiesen hatte. Offensichtlich ohne grossen Eindruck zu hinterlassen. Der Mann delinquierte weiter.

So zum Beispiel in einer Augustnacht 2011, als er beim Theater Schiffbau in Zürich einen Passanten grundlos attackierte und mit einem Faustschlag ins Gesicht erheblich verletzte. Das Opfer erlitt ein Schädelhirntrauma. «Ich habe noch keine Zeit gefunden, mich zu entschuldigen», sagte der Schläger gestern vor dem Bezirksgericht Zürich. Was Präsidentin Bretschger als faule Ausrede bewertete. Er habe heute ein neues Leben begonnen und wolle seine Lehre als Karosserie-Spengler beenden, versicherte er. Zudem habe er jetzt eine feste Freundin.

Als Dieb und Betrüger unterwegs

Die meisten Vorwürfe gestand der Lehrling unumwunden ein. Auch eine freche Betrugsserie, die er mit zwei Komplizen organisiert hatte. Zum Nachteil der Mobility-Genossenschaft, die dem Trio mehrere Wochen lang teure Mietfahrzeuge der Marken BMW, Ford oder Honda geliefert hatte. Der Dreh der Bande war einfach: So hackten sie zunächst die Daten von Mobility-Kunden und buchten in deren Namen die gewünschten Fahrzeuge.

Am Standort der Personenwagen gaben die Betrüger an, ihre Kundenkarten verloren zu haben. Worauf ihnen die Firma gutgläubig einen neuen Code zur Verfügung stellte. So konnten die Täter auf Kosten der ahnungslosen Kunden diverse Strolchenfahrten ausführen. Zum Schluss liessen sie die Autos verschmutzt oder demoliert in einem Graben zurück. Der gesamte Schaden betrug über 10 000 Franken.

Gericht wählt Mittelweg

Der Birmensdorfer beging auch auf eigene Faust Autodiebstähle. In einem Fall fuhr er mit einem entwendeten Vehikel wochenlang herum. Bis er im Herbst 2011 beim Rückwärtsfahren mit gleich drei parkierten Fahrzeugen kollidierte.

Die zuständige Staatsanwältin forderte wegen Angriffs, Körperverletzung, mehrfachen Betrugs, mehrfachen Diebstahls und neun weiteren Delikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Im Gegensatz zum Verteidiger, der die rechtliche Würdigung im Wesentlichen akzeptierte, jedoch mit 15 Monaten bedingt eine deutlich mildere Sanktion verlangte. Sein Mandant sei heute erwachsen geworden und habe sich seit bald zwei Jahren wohl verhalten. Es mache keinen Sinn, den jungen Menschen aus einer positiven Entwicklung zu reissen.

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein, indem es die Anträge beider Parteien berücksichtigte: Zwölf Monate auf Bewährung. Verbunden mit einer sehr langen Probezeit von fünf Jahren.

Das zweite Jahr soll der Jungkriminelle absitzen. Allerdings in Halbgefangenschaft, er muss nur die Nächte im Gefängnis verbringen. Tagsüber kann er weiter an seinem angestrebten Lehrabschluss arbeiten. Nach der Strafe wolle er in der Welt herumreisen. Nach Tunesien werde er aber nicht mehr zurückkehren. Höchstens für Ferien, malte er seine Zukunft aus.