Bibliothek Geroldswil
Alle wollen Lotta - wie eine Puppe Kleinkinder und deren Eltern verzaubert

Sie singen Versli und Reime mit der Puppe Lotta. Wie Angela Piller die Sozialkompetenz fördert und den Kindern die Angst vor dem Chindsgi nimmt.

Clara dos Santos Buser
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Die Kinder und Mütter verdeutlichen die Geschichte "Die kleine Spinne spinnt und schweigt" mit einem Spinnennetz aus Faden.
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Bibliothek Geroldswil Lotta
Nadine Schlienger mit Mauro (2): "Ich mag es, dass Mauro hier auch singen kann. Wir kommen gerne hierher."
Simone Lienberger mit Sohn Noel (2): "Ich finde es wichtig, dass er früh einen Bezug zu Büchern hat. Für dieses Anliegen bietet die Bibliothek eine tolle Atmosphäre."
Es wird auch getanzt.
Spielgruppenleiterin Angela Piller und Puppe Lotta: "Die Kinder lieben es, wenn Lotta plötzlich zu reden beginnt."
Bibliotheksleiterin Marianna Portaluri: "Es ist wichtig, Kinder zu unterstützen. Sie sind unsere Zukunft."
Melanie Scherrer mit Sohn Lias (2) und Mutter Ruth Rosenberger: "Hier steht Lias im Mittelpunkt. Ich finde es auch super, dass die Kleinen unter sich sind."
Klein und Gross begeistern sich für Puppe Lotta: Wenn sie zu reden beginnt, hören alle aufmerksam zu. Anhand eines Buches erfindet Piller neue Geschichten. Sie singt und spielt mit den Kindern in der Bibliothek.

Die Kinder und Mütter verdeutlichen die Geschichte "Die kleine Spinne spinnt und schweigt" mit einem Spinnennetz aus Faden.

Clara dos Santos Buser

Plötzlich verwandelt sich ihre Stimme. Aus leisem Geplauder wird konzentrierter, sorgfältig ausgesprochener Gesang: «Eis, zwei, drü, Hand ufs Chnü, jetzt gahts los, für chli und gross!» Spielgruppenleiterin Angela Piller verzaubert die Kinder für die nächste halbe Stunde mit ihrer Gabe. Jeden Monat nimmt sie die Puppe Lotta in die Bibliothek Geroldswil mit, wo sie Reime und Verse mit Kindern und Eltern aus dem Limmattal übt.

Heute erfindet Piller mithilfe des Buches «Die kleine Spinne spinnt und schweigt» neue Geschichten. Diese werden mit Reimen, Versen und kleinen Figuren illustriert.
Bei der Gestaltung des Programms hat Piller viel Freiheit. Sie singt und macht Spiele mit den Kindern, statt einfach vorzulesen. «Mir war es wichtig, dass wir eine geeignete Person haben, die einen guten Zugang zu Kindern hat», sagt Bibliotheksleiterin Marianna Portaluri.

Durch singen und spielen zu Soziakompetenz

Der Vormittag in der Bibliothek ist Teil des Angebots Buchstart, das Bibliomedia Schweiz und das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien ins Leben gerufen haben. Mit Liedersingen und Bewegungsspielen soll das Erlernen von Sprache und Sozialkompetenzen gefördert werden. Ausserdem wird den Kindern im Alter von 12 bis 36 Monaten ermöglicht, sich vor dem Kindsgi-Antritt von Hemmungen zu verabschieden.
Seit acht Jahren finden «Buchstart»-Veranstaltungen in der Bibliothek Geroldswil statt. Das schweizweite Angebot besteht seit 2008 und feiert deshalb dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

Nicht nur ein Maskottchen

Im Laufe der Jahre erfreuten viele Maskottchen Kinder in der Bibliothek Geroldswil. Die Puppe Lotta ist bei den Kleinen allerdings besonders populär. «Ich darf die Lotta zu Hause gar nicht einfach so erwähnen, sonst wird mein Sohn frustriert, dass wir sie an diesem Tag nicht sehen», sagt Mauros Mutter Nadine Schlienger. Die Faszination für die Puppe wird vor allem am Ende des Anlasses bemerkbar. Lotta verabschiedet sich mit einem Handschlag und Küsschen auf alle kleinen Händchen. Mauro getraut sich zuerst nicht. Dann gibt er ihr einen scheuen Handschlag. Die Mütter lachen. «Du musst keine Angst haben», sagt Piller. Beim zweiten Versuch klappt es, und auch Mauro lacht. Danach wollen alle Kinder ein Küsschen von Lotta kriegen