«Heute geschlossen» steht in fetten Lettern auf der Tafel im Garten. Doch diese Botschaft ist sozusagen nur die halbe Wahrheit. Denn das Dietiker Restaurant Honeret wird für immer geschlossen bleiben. Am Freitag und Samstag öffnete das Wirte-paar Hans und Lilli Mair noch einmal die Pforten des altehrwürdigen Hauses für die Gäste. Aber nicht für kulinarische Freuden, sondern im Rahmen eines Inventar-Verkaufs.

Viel Geschirr, Dekorationsmaterial, Tischtücher und sogar eine Strassenputzmaschine standen zum Verkauf. Und eben auch diverse Tafeln, die etwa Spezialitäten angekündigt hatten.
«Wir wurden am Freitag fast überrannt», erzählte Lilli Mair. Knapp eine Stunde vor dem offiziellen Verkaufsbeginn seien die ersten Interessenten schon vor dem Lokal gestanden.

«Das ‹Honeret› bleibt in den Köpfen»

Auch am Samstag lief der Verkauf. Die «Wild»-Tafel hat dabei das Interesse von Michael Maier und Joel Mühletaler geweckt. «Ich habe jeden Herbst darauf gewartet, dass diese Tafel vor dem Restaurant steht», erklärte Maier ein wenig wehmütig. Beide seien schon am Freitag auf Schnäppchenjagd gewesen, hätten auch einige Stücke für das Ortsmuseum erstanden, wie eine Speisekarte und das Aushängeschild mit den Spezialangeboten. Denn das «Honeret» habe Dietiker Geschichte geschrieben.

Richtig ins Schwärmen kommen die beiden Stammgäste, wenn sie von Hans Mairs Kochkünsten sprechen. «Hans hat es fertig gebracht trotz der relativ kleinen Küche hervorragende Gerichte zu zaubern», schwelgte Mühletaler in Erinnerungen. Dabei sei das Cordon bleu Honeret sein Lieblingsgericht gewesen. Doch das «Honeret» sei viel mehr gewesen als ein Restaurant. «Für mich war das ‹Honeret› auch ein bisschen Heimat», sagte Mühletaler, «mit erstklassigem Service und einer wunderbaren Atmosphäre.» Diese Leidenschaft, mit der das Wirtepaar das Restaurant 33 Jahre geführt hat, wurde auch beim Rundgang durch das vielfältige Angebot fast spürbar.

Ganz einfach seien diese Tage nicht, meinte Lilli Mair, hängen doch auch viele Erinnerungen am Inventar. «Mich freut es aber, dass die Leute Freude am Erstandenen haben und so das ‹Honeret› auch weiterhin in den Köpfen bleibt», erklärte sie doch ein wenig gerührt.

Mit dem Smartphone mit ihrer Kollegin verbunden, streifte Heidi Brunner durch das Angebot. «Ich arbeite nebenbei in der Freizeitanlage Chrüzacher», erklärte sie, «ich suche hier Sachen, die wir in unseren Kursen gebrauchen können und spreche mich direkt mit meiner Kollegin ab.» Sie wurde fündig. Die kleinen Weck-Gläser haben ihr Interesse geweckt. «Wir sind angewiesen auf gute und günstige Schnäppchen», meinte Brunner weiter.

Währenddessen machten sich drei junge Dietiker daran, in der Küche das Edelstahlgestell von der Wand zu schrauben. «Wir wollten sowieso unsere Küche neu einrichten», meinten sie. Nebst dem Gestell hat so auch eine Arbeitsstation mit grossem Stauraum ein neues Zuhause gefunden. Über einen guten Preis sind sich die drei mit Hans Mair schnell einig geworden.

Die Filet-Müsli-Schürze behält das Wirtepaar selbst

Doch alles würde nicht zum Verkauf stehen, erklärten die beiden ehemaligen Wirtsleute. «Die Filet-Müsli-Schürze, einige Flaschenöffner oder das Flambierset habe ich behalten», erklärte Lilli Mair. Hans Mair hat derweil die Sammlung alter Bierhumpen in Sicherheit gebracht. «Die stammen noch von meinen Eltern», erzählte er. Auch wenn nun ein neuer Lebensabschnitt beginne, Angst vor Langeweile haben die beiden nicht.

Nebst dem Umbau des Wirtshauses sind schon weitere Projekte in Planung. «Ich möchte ein Rezeptbuch zusammenstellen», sagte Hans Mair, worin die Spezialitäten des «Honeret» gesammelt werden sollen. Damit wird sodann vielleicht dem Geist des Dietiker Traditionsrestaurants in verschiedenen Küchen neues Leben eingehaucht.