Die Gründerin der Hilfsorganisation «Borderfree Association» ist vor einer Woche vom serbischen Presevo, wo sie Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt, nach Idomeni gereist, nachdem die Situation zwischen den Flüchtenden und dem mazedonischem Grenzpersonal eskalierte.

Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, schätzen Hilfsorganisationen die Anzahl der Flüchtlinge, die im griechischen Grenzdorf auf Durchlass warten, auf 13 000. «Das Flüchtlingscamp bei Idomeni wurde für lediglich 1500 Menschen konzipiert, das Ganze ist längst aus dem Ruder gelaufen», erzählt Crnojevic.

Stündlich kommen mehrere hundert Flüchtende im 300-Seelen-Ort an. Wegen der verschärften Zollvorschriften dürfen täglich nur jeweils 500 die Grenze passieren. Beobachter vor Ort sprechen gar von lediglich 100 Personen pro Tag.

Vereinte Helfer

Der Schlieremerin war sofort klar: Sie musste mehr Helfer herbitten. «Wir haben mehr von unseren Leuten aus Presevo, aber auch andere Hilfsorganisationen wie die NGO Solidarite hergerufen, weil die humanitäre Situation täglich prekärer wurde», erzählt Crnojevic. Zusammen konnten sie nun ein erstes Zelt zur Essensausgabe aufbauen.

«Wir haben mehrere Essensausgabestellen errichtet und gehen mit Lebensmitteln zu den Leuten. Bei den vielen hungrigen Mäulern würde eine einzige Ausgabestelle überrannt werden», so Crnojevic. Mit Familien würde jeweils ein Ort vereinbart, an dem nur für sie Nahrung ausgegeben werde. Die Gefahr für die Kinder, in der Hektik verletzt zu werden, sei sonst zu gross.

Bei einer längeren Schliessung der Grenze sieht Crnojevic die Gesundheit der Menschen in ernster Gefahr: «In der Nacht wird es sehr kalt und nass. Die Kleider der Leute sind häufig durchnässt. Alle sind am husten, alle sind krank.»

Die Menschen würden Tag und Nacht frieren und stellen sich zu Hunderten vor den Gesundheitseinrichtungen von Médecines sans Frontières und dem Roten Kreuz an. Auch die hygienischen Voraussetzungen schätzt Crnojevic als krankheitsfördernd ein.

So werde die Notdurft eben irgendwo verrichtet. An denselben Orten spielten die Kinder am Boden. Viele Säuglinge hätten zudem Magenprobleme, da sie nicht an die europäischen Milchpulver gewöhnt seien.

Neben der Kälte macht den Gestrandeten vor allem Hunger zu schaffen. Die nächste Einkaufsmöglichkeit auf griechischer Seite ist 20 Kilometer entfernt. «Selbst diejenigen Flüchtenden, die noch Geld bei sich haben, könnten sich in Indomeni nichts kaufen», so Crnojevic.

Also fährt die «Borderfree»-Aktivistin mehrere Male über die mazedonische Grenze zum nächsten Supermarkt, kauft Lebensmittel und Vitaminspender wie Zitrusfrüchte sowie Windeln und Milchpulver: «Die Zollbeamten kennen uns Helfer bereits und sind sehr nett und kooperativ. Auch die lokale Bevölkerung beteiligt sich an der Versorgung der Notleidenden.»

Chaos und blaue Flecken

Der Einsatz im Krisengebiet ist nicht ungefährlich: «Ich wurde im Gedränge gegen die Autotür geschubst und habe mir das Bein verletzt, aber das bringt die Situation halt mit sich. Es ist das reinste Chaos hier.»