Urdorf
«Alle finden meine Berufswahl voll cool»: Diese Urdorfer Steinbildhauerin kickt auch in der NLB

Die Urdorferin Adriana Bösiger absolviert bei ihrem Vater eine Lehre als Steinbildhauerin und spielt für die NLB-Frauen des FC Schlieren.

Christian Murer
Merken
Drucken
Teilen

Die 17-jährige Adriana Bösiger startete im Herbst als jüngste Spielerin mit dem FC Schlieren in die Nationalliga-B-Saison. Ein Jahr zuvor war sie aus dem Nachwuchs des FC Zürich zurück nach Schlieren gekehrt. Aber seit Mitte Oktober ruht der Ball wegen der geltenden Coronaschutzbestimmungen. Die Schlieremerinnen, die mit sechs Punkten aus sieben Spielen zwei Punkte über dem Strich klassiert sind, müssen sich bis mindestens Anfang Februar auf die Fortsetzung der Mission Nichtabstieg gedulden.

Adriana Bösiger absolviert eine Steinbildhauer-Lehre. «Ich will einmal selbstständig werden und sein Atelier übernehmen. Doch ich möchte etwas Neues, etwas Kleineres und Feineres aufbauen», sagt sie.
3 Bilder
Vater Beat meint, dass Adriana viel ordentlicher sei als er. Deswegen ergänzen sich die zwei gut.
Edles Handwerk: Adrianas Zwillingsbruder Colin lernt Zimmermann.

Adriana Bösiger absolviert eine Steinbildhauer-Lehre. «Ich will einmal selbstständig werden und sein Atelier übernehmen. Doch ich möchte etwas Neues, etwas Kleineres und Feineres aufbauen», sagt sie.

Christian Murer

Bösiger hat aber auch ohne Fussball alle Hände voll zu tun. Seit Herbst 2020 absolviert die Urdorferin die Lehre als Steinbildhauerin im Atelier ihres Vaters Beat Bösiger. «Es ist schon recht speziell, aber total spannend. Zudem werden wir beide recht herausgefordert», offenbart Adriana Bösiger bei einem Besuch in der «Bösiger World» an der Birmensdorferstrasse 32 in Urdorf. Im Werkraum-Atelier fertigt sie ein bildschönes Rosenrelief aus Carrara-­Marmor an. Ihr Zwillingsbruder Colin, der eine Lehre als Zimmermann absolviert, aber gerade noch Ferien geniesst, steht ihr moralisch bei. Man spürt förmlich, dass er stolz auf seine Schwester ist.

Sie bevorzugt das Filigrane im Gegensatz zum Vater

Das väterliche Vorbild Beat kehrt bei seinen Stein- und Bronze-Skulpturen immer wieder zur Kugel als beherrschende Form zurück. Der 60-Jährige fräst, bohrt, meisselt aus härtestem Granit am liebsten die weichste aller Formen. Adriana Bösiger jedoch bevorzugt feingliedrige Dekorationsarbeit. «Am liebsten mache ich Inschriften und filigrane Reliefs, Versetzarbeiten von Grabmälern auf dem Friedhof, aber auch auswärtige Arbeiten», sagt sie. Und woher nimmt sie all die Ideen für ihre Kreationen? «Aus dem Internet», kommt es wie aus dem Rohr geschossen.

Inzwischen hat Bösiger sich in einem separaten Raum ein Büro eingerichtet. «Dies ist mein Refugium», sagt sie, «dort erledige ich alles Administrative.» Über Mittag werde in der hauseigenen Küche meist gekocht. «Wir geniessen das», sagt Vater Beat, «und ergänzen uns gut. Vor allem, weil sie viel ordentlicher als ich ist.»

Ihre ehemaligen Schulkolleginnen und -kollegen hätten positiv auf ihre für ein Mädchen ungewohnte Berufswahl reagiert, erzählt Bösiger. Sie fänden ihre Wahl «voll cool» und würden sie auch ein wenig bewundern. Ursprünglich schwebte ihr ein Beruf mit Kindern vor und sie sammelte Erfahrungen bei einem Praktikum «Fachfrau Betreuung» in Birmensdorf. Mittlerweile kann sie sich gut eine Zukunft auf dem Berufsweg ihres Vaters vorstellen. «Ich will einmal selbstständig werden und sein Atelier übernehmen. Doch ich möchte etwas Neues, etwas Kleineres und Feineres aufbauen», sagt Bösiger, welche die Kunstgewerbeschule in St.Gallen besucht. Dort belegt sie die Fächer Materialkunde, Arbeitstechnik, Kunstgeschichte, Zeichnen und Sport. Kommende Woche startet die junge Urdorferin mit Autofahrstunden. Sie ist überzeugt: «Ich möchte möglichst schnell mobil sein, denn dies ist ein grosser Vorteil in einem Kleinbetrieb.»