Dietikon
Alkoholverbot im öV – für BDWM zu viel des Guten

Betrunkene Fahrgäste in Zügen, Trams und Bussen sind mühsam, Bierlachen und leere Wodka-Flaschen auf dem Boden unappetitlich. Wenn es nach dem Obwaldner Nationalrat Karl Vogler (christlich-soziale Partei) geht, soll damit bald Schluss sein.

Merken
Drucken
Teilen
Jugendliche trinken Bier in der Bahn. Für die BDWM Transport AG ist das kein Problem. (Symbolbild)

Jugendliche trinken Bier in der Bahn. Für die BDWM Transport AG ist das kein Problem. (Symbolbild)

Keystone

Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt, reicht Vogler diese Woche im Nationalrat eine Motion ein, die den Alkoholkonsum in Zügen, Bussen und Trams, sowie an Bahnhöfen und Bushaltestellen zwischen 21 und 8 Uhr verbieten will.

Während Suchtexperten Beifall klatschen, bleiben andere skeptisch. So auch René Fasel, Leiter Bahnproduktion bei der BDWM Transport AG, die zwischen Wohlen, Bremgarten und Dietikon verkehrt.

Für Fasel ist die Motion für ein nächtliches Alkoholverbot zu unausgegoren: «Alkoholisierte Fahrgäste lassen sich so nicht verhindern; wer im Zug und am Bahnhof nicht mehr trinken darf, konsumiert an einem anderen Ort.»

Fasel relativiert aber: «Alkoholisierte Fahrgäste würde ich nicht als Problem bezeichnen, sie fallen höchstens in die Kategorie Ärgernis.» Alkoholgelage in der BDWM-Bahn seien ihm praktisch nicht bekannt. Und genau da steckt der Teufel im Detail:

«So ein Verbot straft auch alle gesitteten Zugfahrer, die sich auf dem Heimweg ein Feierabendbier gönnen», sagt Fasel und wirft die nächsten Fragen auf: «Wie sollen solche Verbote durchgesetzt werden? Wer bezahlt die zusätzlichen Begleitpersonen, die die Fahrgäste kontrollieren?»

Hausordnung genügt

Positiv wertet Fasel hingegen die Auswirkungen, die ein Konsumverbot in Zügen, Trams und Bussen auf die Sauberkeit haben würde. Halb ausgetrunkene, herumstehende Flaschen und Büchsen, die irgendwann umkippen und ausleeren, gäbe es nicht mehr.

Fasel glaubt aber, dass die Hausordnung der BDWM, die vor vier Jahren eingeführt wurde, ausreicht, um diesen Ärgernissen Herr zu werden: Übermässiger Alkoholgenuss sowie das Herumlungern am Bahnhof sind laut dieser nicht gestattet. Auch Abfall muss in den entsprechenden Entsorgungssystemen deponiert werden.

«Wer sich nicht an die Hausordnung hält, wird weggewiesen, verwarnt und registriert», so Fasel. Wer dann innert einer Frist von zwei Jahren nochmals negativ auffällt, wird angezeigt.

Bei minderjährigen Konsumenten würden die Eltern informiert. Der Effekt, den ein solcher Anruf bei den Eltern habe, sei enorm. Einem nächtlichen Alkoholverbot würde Fasel deshalb eine Lösung à la Genf vorziehen: Seit 2005 gilt im ganzen Kanton für Läden ab 21 Uhr ein Alkoholverkaufsverbot. (ksc)