Geroldswil
Albert Räss zeigt immer noch grosses Engagement in der Region

Auch im Limmattal fühlt sich der Seebueb wohl: Der Beruf brachte Albert Räss nach Geroldswil. Im Limmattal wurde er schon bald darauf heimisch.

Margret Stöcklin
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Die Rückkehr an den Zürichsee blieb ein Wunschtraum, weil dort keine Stelle frei war.

Die Rückkehr an den Zürichsee blieb ein Wunschtraum, weil dort keine Stelle frei war.

Albert Räss erblickte im Sommer 1937 in Richterswil das Licht der Welt. In der Primar- und Sekundarschule kam er gut mit. Als umerzogener Linkshänder haperte es nur im Schönschreiben. Eigentlich wäre er am liebsten Lehrer geworden, doch der Besuch der Kantonsschule war ihm aus mehreren Gründen verwehrt. Stattdessen absolvierte er eine vierjährige, erfolgreiche Ausbildung als Elektro-Maschinenschlosser bei der Maschinenfabrik Oerlikon.

«Nachdem ich zwei Jahre in meinem Lehrberuf gearbeitet hatte, sah ich allerdings keine grosse Zukunft mehr in diesem Büro-Job und bewarb mich bei der Kantonspolizei Zürich. Ich bestand die Aufnahmeprüfung und arbeitete nach einjähriger, vielseitiger Ausbildung ab Oktober 1960 als Polizist», erzählt Räss. Weil zu dieser Zeit noch ein striktes Wohnortsprinzip galt, man also dort wohnen musste, wo man arbeitete, lebte er, zusammen mit seiner Ehefrau Edith, fünf Jahre lang in Zürich Schwamendingen.

Die Rückkehr an den See blieb ein Wunschtraum

In zweijährigem Rhythmus kamen drei Söhne zur Welt und Räss sah es an der Zeit, sich um eine Versetzung auf eine Polizeistation zu bemühen. Die Rückkehr an den Zürichsee blieb ein Wunschtraum, weil dort keine Stelle frei war. Hingegen bot sich die neu geschaffene Polizeistation Geroldswil, umfassend die Gemeinden Geroldswil, Weiningen und Oetwil an.

«Ins Limmattal zu ziehen, wo ich doch lieber am See gewohnt hätte, fiel mir schwer. Doch der Drang, endlich einen selbstständigen Posten zu übernehmen, überwog. Schon bald fand ich hier Freunde und gewann meine neue Heimat, mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft zwischen Limmat und Altberg, richtig lieb», erinnert sich Räss.

Da nach der damals üblichen Stationszeit von sechs Jahren der Wohnortszwang gelockert worden war, konnte er, trotz Rückkehr an den Arbeitsort Zürich, in Geroldswil wohnen bleiben und wurde zum Pendler. Dank der regelmässigeren Arbeitszeit konnte Räss auch in Vereinen aktiv werden wie in der Männerriege Weiningen und im Heimetchor Limmiggruess Oetwil-Geroldswil. 1982 fand er über einen Freund Platz in einer Segler-Gemeinschaft. Nach der Segelprüfung erwarb Räss zwei Jahre später das Hochsee-Segelpatent und verbrachte viele Ferien als Skipper auf Charter-Jachten im Mittelmeer.

Grosses Engagement in der Region

Mittlerweile ist Albert Räss seit 20 Jahren Rentner und lebt immer noch in Geroldswil, leider jedoch ohne seine Gattin, die 2007 plötzlich verstarb. «Angesichts der heutigen durchschnittlichen Lebenserwartung von über 80 Jahren, Gesundheit vorausgesetzt, wollte ich mich nutzbringend in die Gesellschaft einbringen. So war ich im freiwilligen Rotkreuzfahrdienst Geroldswil aktiv. Ausserdem betätigte ich mich einige Jahre als Wochenendhüttenwart in der Naturfreundehütte am Altberg, wo ich nebenbei mit der Motorsäge Figuren aus Baumstrünken gefällter Bäume gestaltete», sagt Räss, der zudem einige Jahre als Wümmer in den Weininger Rebbergen mithalf.

Ein besonders schönes Angebot machte ihm ein Bekannter im Herbst 2017: eine Sing- und Sprechrolle im neuen Musical Odeon. Der 82-Jährige sagte zu und erlebte eine spannende Zeit mit Proben und Auftritten. Im Herbst 2018 trat er 15-mal im Weissen Wind in Zürich auf und dreimal Anfang dieses Jahres in Andelfingen. «Aktuell halten mich Fussmärsche, Velotouren sowie regelmässige Besuche im Trainings-Center fit und ich freue mich jeden Tag auf gute Kontakte mit Freunden und Bekannten im Dorf», sagt Räss.