Feuerwehr
Alarm! Die Limmattaler Katastropheneinheit testet ihre Schlagkraft

Mit einem simulierten Chemieunfall haben die Armee und Feuerwehr in Dietikon erfolgreich ihre Zusammenarbeit getestet. Weshalb der Test gelang, lesen Sie hier.

Fabian Korn
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Kanister mit giftigen Chemikalien fallen direkt in einen Bach in Dietikon. Gleich daneben hängt ein Auto mit drei verletzten Insassen in der Böschung. Ein weiterer Autounfall mit zwei Verletzten ereignet sich in unmittelbarer Nähe. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist die Feuerwehr nicht lange in der Lage, Wasser von den Hydranten zu beziehen. Was wie ein Horrorszenario klingt, war in Wahrheit eine Übung von Armee und der Dietiker Feuerwehr.

Armee als Unterstützung

Bereits am Nachmittag war die Armee, genauer gesagt das Katastrophenhilfebataillon 23, vorgestern mit rund 90 WK-Soldaten aus St. Gallen gekommen. «Wir agieren als Unterstützung der zivilen Rettungskräfte. Diese müssen jedoch selber entscheiden, ob und in welchem Umfang sie unsere Hilfe anfordern. Dieses Zusammenspiel soll heute hier geübt werden», erklärt Oberleutnant Marco Kunz, Leiter der Übung. Als Erstes habe die Armee in der Nähe ein Becken mit 50000 Liter Wasser aufgestellt, so Kunz.

Armee und Feuerwehr simulieren einen Chemieunfall im Limmattal
10 Bilder
Beim Kommandofahrzeug besprechen Feuerwehr und Armee das weitere Vorgehen
Wenige Minuten nach der Alarmierung sind mehrere Einsatzfahrzeuge vor Ort
Eine Wasserwand wird errichtet, um die Dämpfe zu stoppen
Damit das Auto nicht kippt, muss es als Erstes abgestützt werden
Viele Schaulustige begleiten das Geschehen in Dietikon
Ein Junge wurde aus dem Fahrzeug befreit und kann abtransportiert werden
Das Auto mit drei verletzten Insassen steht ungesichert in der steilen Böschung
Zwei Soldaten agieren als verletzte Personen im Unfallfahrzeug
Insgesamt vier Kilometer Schlauch wird von der Armee verlegt

Armee und Feuerwehr simulieren einen Chemieunfall im Limmattal

Limmattaler Zeitung

Nachdem alles vorbereitet ist und alle Armeeangehörigen – einige spielen die verletzen Personen – auf ihren Posten sind, geht es los. Es wird Alarm gegeben und im Feuerwehrdepot ertönen die Pieper. Zu diesem Zeitpunkt wissen die 45 Feuerwehrkräfte noch nicht, dass es sich um eine Übung handelt. Wenige Minuten später treffen die Männer in Gelb und Orange mit Kommando- und grossem Löschfahrzeug ein. Es werden Wasserleitungen gelegt und beim Kommandofahrzeug verschafft man sich zusammen mit dem Verantwortlichen der Armee einen ersten Überblick.

2500 Liter pro Minute

Anschliessend wird damit begonnen, die verletzten Personen aus den Fahrzeugen zu bergen. Da das eine Fahrzeug gekippt auf einer Mauer steht, muss es zuerst abgestützt werden. Danach wird begonnen, vorsichtig das Dach zu entfernen, um die Personen aus dem Fahrzeug bergen zu können. Beim zweiten Fahrzeug, das in einer steilen Böschung hängt, kommt ein weiteres Problem hinzu: die giftigen Dämpfe, simuliert durch eine Rauchmaschine.

Mit Wasser werden diese vom Fahrzeug weggelenkt, sodass die Feuerwehr mit schwerem Geschütz in Form von hydraulischen Rettungsgeräten wie Schere oder Spreizer auch hier die Personen befreien kann. Kurze Zeit später wird das rauchende Fass von Feuerwehrkräften mit Atemschutzmasken entfernt. Zusätzliche werden – wenn auch fiktiv – noch die Rettungssanität und das toxikologische Institut aufgeboten. Nach gut einer Stunde sind bereits sieben Fahrzeuge der Feuerwehr vor Ort.

Mit dem Wind breiten sich jedoch die Dämpfe aus und ziehen Richtung Westen. Mit einem Wasserwerfer erstellt die Armee von der gegenüberliegenden Seite eine Wasserwand, welche die Dämpfe zu Boden bringen soll. «Dieser Wasserwerfer hat eine Kapazität von 2500 Liter pro Minute und wird über Schläuche mit einem Durchmesser von 150 Millimetern versorgt. Die Feuerwehr hat kein Material in dieser Grösse», meint Major Josef Wiederkehr. Vier Kilometer Schlauch seien von der Armee verlegt worden.

Positives Fazit auf beiden Seiten

Rund zweieinhalb Stunden nach Eintreffen der Feuerwehr ist die Übung zu Ende und nun gilt es, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Für Übungsleiter Kunz heisst ein erstes Fazit: «Erfahrungsreich.» Auch die Feuerwehr Dietikon zieht eine sehr positive Bilanz aus der Übung, wie Stabsoffizier Paul Ruffiner sagt: «Die Zusammenarbeit mit der Armee verlief sehr gut, sobald man gemerkt hat, wo die Synergien sind.» Da die Feuerwehr lokal und ortskundig sei, könne man bei einem solchen Einsatz sehr schnell reagieren, während die Armee durch ihre landesweite Struktur mehr Zeit braucht, erklärt Ruffiner. «Dies kann in Zukunft von beiden Seiten besser berücksichtigt und einkalkuliert werden.»