Aesch
Sie wollen die moderne Infrastruktur der Primarschule Nassenmatt noch besser nutzen – trotz Containern auf der Wiese

Schulpflegepräsident Dominik Egli und Schulleiter Roberto Rodriguez haben beide im Sommer ihre Arbeit aufgenommen. Der «Limmattaler Zeitung» erzählen sie, wie sie gestartet sind und wo sie in den kommenden Jahren Schwerpunkte setzen wollen.

Florian Schmitz Jetzt kommentieren
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Schulpflegepräsident Dominik Egli (parteilos) und Schulleiter Roberto Rodriguez im Primarschulhaus Nassenmatt in Aesch.

Schulpflegepräsident Dominik Egli (parteilos) und Schulleiter Roberto Rodriguez im Primarschulhaus Nassenmatt in Aesch.

Severin Bigler

Im Sommer hat die Schule Aesch hinter den Kulissen grosse Veränderungen erlebt. Schulpflegepräsidentin Petra Mörgeli (SVP) trat nach 16 Jahren im Amt dieses Jahr nicht mehr zu den Wahlen an und wurde auf dem Schulareal mit einer ihr gewidmeten Bank geehrt. Von dort aus kann sie die Aussicht auf den Hof ihrer Familie geniessen. Auch Schulleiter Bernhard Schmidt verliess Aesch, um sich auf seine Privatschule in Dietikon zu konzentrieren. Mörgelis Nachfolger Dominik Egli (parteilos) ist neu in der fünfköpfigen Schulpflege. Weil gleich drei Schulpflegemitglieder wiedergewählt wurden, habe das Schulpflegeteam auf viele Erfahrungswerte zurückgreifen können, sagt der neue Schulpflegepräsident bei einem Treffen im Primarschulhaus Nassenmatt.

Obwohl er neu im Amt ist, kennt er die Primarschule bereits. In den vergangenen zwei Jahren engagierte er sich im Elternrat, dem sogenannten E-Team. «Das war auch meine Motivation, mich für die Schulpflege aufstellen zu lassen», sagt er. Der frisch gestartete Schulleiter Roberto Rodriguez ist hingegen neu in Aesch. Beide sind sich einig, dass bei der Primarschule vieles gut läuft. Egli lobt das gute Arbeitsklima und Teamgefüge. «Der Selbstorganisationsgrad und Unterstützungswillen sind im Team ausserordentlich stark ausgeprägt», ergänzt Rodriguez. Auch die moderne Infrastruktur sei super. «Es ist wichtig, die grosse Qualität der Schule zu erhalten», sagt er weiter.

Am Rande des Schulareals wurde eine Bank zu Ehren von Petra Mörgeli errichtet. Sie ist nach 20 Jahren in der Schulpflege, davon 16 als Präsidentin, dieses Jahr nicht mehr zur Wahl angetreten.

Am Rande des Schulareals wurde eine Bank zu Ehren von Petra Mörgeli errichtet. Sie ist nach 20 Jahren in der Schulpflege, davon 16 als Präsidentin, dieses Jahr nicht mehr zur Wahl angetreten.

Florian Schmitz

Optimierungsmöglichkeiten sieht Egli noch bei der Digitalisierung – sowohl im Unterricht als auch in der Verwaltung und bei der Schulpflege. «Da setzen wir einen Fokus im ersten Jahr», sagt er. Im Unterricht gehe es darum, nicht einfach Papier durch einen Bildschirm zu ersetzen, sondern die technologischen Möglichkeiten auch methodisch und didaktisch zu nutzen, sagt Rodriguez. Um das Thema zu bearbeiten und zu kanalisieren, soll eine Steuergruppe aufgebaut werden. Auch Weiterbildungstage mit dem Team seien geplant.

Beide sind vertraut mit digitalen Themen

Mit Informatik kennen sich Egli und Rodriguez gut aus. Beide sind in der Wirtschaftsinformatik verankert. «Als Business-Analyst bin ich auch im Alltag vertraut mit Digitalthemen», sagt Egli. Rodriguez betont aber auch, dass ein guter IT-Einsatz immer nur Mittel zum Zweck sei: «Letztlich stehen immer die Kinder im Zentrum. Für sie wollen wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den Unterricht bestmöglich gestalten.»

Rodriguez war zuvor als Schulkreispräsident in Zürich tätig. Im Sommer 2021 löste er einen medialen und politischen Wirbel aus, nachdem die eigene Schulkreisbehörde ihn zum Schulleiter einer Sekundarschule gewählt hatte. Durch den Wechsel erhielt er eine Abfindung von fast 690’000 Franken. Nach öffentlichem Druck verzichtete er auf die Schulleiterstelle und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

«Ich wusste, dass ich wieder bei einer Schule einsteigen will, um näher am Team zu sein als zuvor in Zürich», sagt Rodriguez. Beim Bewerbungsprozess in Aesch, der noch unter Eglis Vorgängerin Petra Mörgeli durchgeführt wurde, habe er mit viel Know-how und einem grossen Erfahrungsrucksack überzeugt, sagt Egli. «Die Schulpflege hat sich nach Gesprächen mit allen Lehrpersonen für Roberto Rodriguez entschieden.» Bei der Bewerbung sei die Geschichte aus dem Vorjahr stets offen und transparent kommuniziert worden, sagt Egli. Rodriguez betont:

«Bei der medialen Berichterstattung standen meine schulpolitischen Dienste und mein Engagement nie in Frage.»

Dass er selbst kaum über Lehrerfahrung verfügt, sieht er in seiner neuen Position nicht als Nachteil. Natürlich dürfe das pädagogische Rüstzeug nicht vernachlässigt werden. Er habe sich im letzten Jahr stark mit pädagogischer Unterrichtsentwicklung befasst. Aber als Leiter sei auch Managementerfahrung wertvoll, um die Strukturen zu professionalisieren und ein Team zu führen, sagt Rodriguez. Früher seien immer wieder gute Lehrpersonen als Schulleiter eingesetzt worden, die beim Wechsel in die Chefposition nicht reüssierten.

Als Schulleiter näher am Alltag dran

Als Schulkreispräsident habe er sich in Zürich viel mit dem Thema beschäftigt. Um Jüngere an die Rolle heranzuführen, seien in der Stadt etwa Juniorschulleitungen gebildet worden. Von der Arbeit her sieht er in Aesch viele Parallelen zu seiner vorherigen Tätigkeit als Schulkreispräsident, als er ein ähnlich grosses Team unter sich gehabt habe.

Als Schulleiter sei er nun viel näher am Schulalltag dran und könne mehr mitgestalten. Gerade in einer kleineren Schule wie Aesch werde schneller viel bewirkt, sagt Rodriguez. So habe das Schülerparlament etwa vor den Sommerferien den Wunsch nach einer neuen Schaukel geäussert. Nur vier Wochen später stand diese bereits auf dem Schulgelände.

Über den Sommer haben die Aescher Schulkinder eine neue Schaukel erhalten.

Über den Sommer haben die Aescher Schulkinder eine neue Schaukel erhalten.

Florian Schmitz

Eine kleine Schule bedeute aber nicht, dass die Organisation einfacher ist. Im Gegenteil: «Wir müssen bedachter umgehen mit den Ressourcen», sagt Rodriguez. Denn auch eine kleine Schule müsse den gesamten Schulbetrieb mit allen Zusatzangeboten sicherstellen. Und auch das Lehrpersonal müsse sehr flexibel sein, weil die Schülerfluktuation höher sei als in grossen Schulen und so etwa immer wieder Halbklassen entstünden. Das mache die Klassenplanung herausfordernder.

Bei der Betreuung sehen sie noch Potenzial

Auch die Raumfrage wird die Schule in den nächsten Jahren weiter beschäftigen, nachdem der Bau einer Doppelturnhalle und zusätzlicher Schulräume Ende November 2021 als Teil des Grossprojekts Nassenmatt an der Urne abgelehnt wurde. Für den reinen Unterricht werde die Schule mit der aktuellen Situation mit den Containern auf der Wiese, die nun auf unbestimmte Zeit stehen bleiben, wohl durchkommen, sagt Rodriguez. «Aber die Schule ist nicht nur Unterricht, sondern auch Betreuung.» Auch Egli bekräftigt, dass die Schulpflege sich weiterhin für mehr Schulraum einsetzen will.

Die Container werden länger als geplant im Einsatz bleiben, nachdem das Stimmvolk das Grossprojekt Nassenmatt, das auch zusätzlichen Schulraum enthielt, an der Urne abgelehnt hat.

Die Container werden länger als geplant im Einsatz bleiben, nachdem das Stimmvolk das Grossprojekt Nassenmatt, das auch zusätzlichen Schulraum enthielt, an der Urne abgelehnt hat.

Florian Schmitz

Bei der Betreuung sieht Rodriguez in Zukunft noch Potenzial. Längerfristig werde die Tagesschule zum Thema. Und aktuell seien etwa die vorschulische und die schulische Betreuung in Aesch noch nicht genug aufeinander abgestimmt. Der Elternrat beschäftige sich aktuell mit dem Thema. Der Schulleiter sieht auch eine mögliche Zusammenarbeit mit Birmensdorf als Option, um die Betreuungsangebote auszubauen und Synergien zu nutzen. Die Schulpflege setze sich damit auseinander, sagt Egli. Der Austausch mit der Nachbargemeinde sei gut.

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