Aesch
Die Gemeinde erneuert ihre Ortsplanung – jetzt ist die Bevölkerung gefragt

Bis Mitte August können Aescherinnen und Aescher ihre Einwendungen gegen die Planungsinstrumente für die künftige Dorfentwicklung bei der Gemeinde einreichen – dank digitaler Mitwirkung so einfach wie noch nie. Am meisten geändert hat sich bei der rundum erneuerten Ortssplanung im Dorfkern.

Florian Schmitz
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Einige Wohnhäuser im Gebiet Zwigarten am westlichen Dorfrand wurden eingezont, um sie besser von der nahen Landwirtschaft abzugrenzen.

Einige Wohnhäuser im Gebiet Zwigarten am westlichen Dorfrand wurden eingezont, um sie besser von der nahen Landwirtschaft abzugrenzen.

Florian Schmitz

Alleine in den letzten zehn Jahren ist die Aescher Bevölkerung um 65 Prozent auf knapp über 1700 Personen gewachsen. In den nächsten rund 20 Jahren wird die Zahl voraussichtlich auf etwa 2200 bis 2300 Einwohnerinnen und Einwohner steigen. Die Bau- und Zonenordnung (BZO) der Gemeinde wurde letztmals 2008 komplett revidiert, als noch knapp unter 1000 Menschen in Aesch wohnten. Weil die BZO vorgibt, was genau auf bestimmten Gebieten im Dorf gebaut und verändert werden darf, ist sie ein wichtiges Instrument, um die Siedlungsentwicklung zu lenken.

Nicht zuletzt deshalb hat der Gemeinderat mit Unterstützung der spezialisierten «Planar AG für Raumentwicklung» die Ortsplanung der Gemeinde von Grund auf erneuert. Dazu zählen neben der BZO unter anderem auch die entsprechenden Zonenpläne sowie der Verkehrsplan und der Plan öffentlicher Bauten und Anlagen. Mit der Gesamtrevision reagiert die Gemeinde auch auf rechtliche Entwicklungen auf Kantons- und Bundesebene.

Auch die Erkenntnisse des 2017 ausgearbeiteten Räumlichen Entwicklungskonzepts, einem Zielbild für das Dorf fürs Jahr 2040, seien in die Überarbeitung geflossen, wie Hochbau- und Liegenschaftenvorstand André Guyer (FDP) am Mittwochabend im Gemeindesaal sagte. Weil der Entwurf für die totalrevidierte Planung seit Kurzem öffentlich aufliegt und Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 17. August ihre Rückmeldungen und Änderungswünsche einreichen können, hatte die Gemeinde zum Infoabend eingeladen.

Was hat sich verändert?

Weil das idyllische Aescher Ortsbild von regionaler Bedeutung ist, gelten bereits jetzt im Dorfkern strenge Vorschriften für bauliche Veränderungen. Neben einigen kleineren Änderungen im neuen Zonenplan der Gemeinde soll das Zentrum nur noch als einzelne Kernzone gekennzeichnet werden. Die bisherige, zweite Kernzone um das Zentrum herum soll grösstenteils in eine neue Wohnzone umgewandelt werden, ein kleiner Teil wir im vorliegenden Entwurf der Kernzone zugeführt.

Auch einige Häuser im Gebiet Zwigarten im Westen des Dorfs sollen eingezont werden und neu Teil der Kernzone sein. Dabei gehe es unter anderem darum, die Wohnhäuser möglichst gut vor dem Lärm und den Gerüchen der angrenzenden Landwirtschaft zu schützen, wie Fanny Pietzner von Planar im Gemeindesaal erklärte. Ebenfalls neu soll die Gestaltung von Aussenräumen in der Kernzone stärker gewichtet werden. Behutsame Erneuerungen an Gebäuden sollen auch in der Kernzone möglich sein, wenn das Ortsbild gut erhalten wird. Um künftig Abgrabungen und Aufschüttungen begrenzen zu können, sieht der Entwurf vor, dass neu bei allen Ersatz- und Neubauten oder grösseren Umbauten im ganzen Dorf zusätzlich ein Umgebungsplan mit dem Baugesuch eingereicht werden muss.

Auf einen kommunalen Mehrwertausgleich, der bei Auf- und Umzonungen zur Anwendung kommt, will Aesch verzichten. Für so kleine Gemeinden lohne sich das aufwendige Prozedere nicht, weil es in keinem Verhältnis zum Ertrag stehe, sagte Guyer. Bei Einzonungen, wie bei den Häusern im Zwigarten, komme zudem automatisch das kantonale Mehrwertausgleichsgesetz zur Anwendung und der Kanton erhalte 20 Prozent des Wertsteigerung, erklärte Marsilio Passaglia von Planar.

Die Zone für öffentliche Bauten am westlichen Dorfrand bleibt bei der Revision auf dem Papier gleich. Dank dem 18,8 Millionen Franken schweren Generationenprojekt wird sich vor Ort voraussichtlich bis Frühling 2024 aber dennoch viel verändern.

Die Zone für öffentliche Bauten am westlichen Dorfrand bleibt bei der Revision auf dem Papier gleich. Dank dem 18,8 Millionen Franken schweren Generationenprojekt wird sich vor Ort voraussichtlich bis Frühling 2024 aber dennoch viel verändern.

Florian Schmitz

Nichts verändert hat sich bei der Zone für öffentliche Bauten am westlichen Dorfrand, wo sich Schule, Mehrzweckgebäude sowie das Feuerwehr- und Werkhofgebäude befinden. Mit dem 18,8 Millionen Franken schweren Generationenprojekt Nassenmatt, im Rahmen dessen ein neues Mehrzweckgebäude und eine Doppelturnhalle gebaut werden, sei die Gemeinde gut gerüstet für rund 2200 bis 2300 Einwohner, sagt Gemeindepräsident Johann Jahn (Forum Aesch). Zudem verfüge die Gemeinde hinter dem alten Feuerwehrgebäude noch über einen halben Hektar Landreserve, der sich auch für eine künftige öffentliche Nutzung eigne.

Wie kann ich mich einbringen?

Weil die Planungsdokumente komplett erneuert wurden, sind die Änderungen sehr zahlreich. So wurden etwa auch viele Baubegriffe in der BZO vereinheitlicht. Damit die Bewohnerinnen und Bewohner sich zu den Themenpunkten äussern können, die sie selbst betreffen, ist das Mitwirkungsverfahren so einfach wie noch nie.

Denn seit Mittwochmittag können alle Interessierten ihre Anmerkungen und Einwendungen über eine digitale Mitwirkungsplattform (https://mitwirken-aesch-zh.ch) direkt von zu Hause aus übers Internet erfassen. «Wir wollen die Interaktion mit Ihnen vereinfachen und stärken», sagte Guyer. Deshalb soll die Plattform künftig auch für weitere Projekte genutzt werden.

Für spezifische Fragen und Anliegen bietet die Gemeinde auch an drei Terminen im Juli separate Sprechstunden an, für die sich Interessierte beim Bauamt anmelden können.

Was sind die nächsten Schritte?

Ab Mitte August werden alle eingegangenen Einwendungen ausgewertet. Dabei empfiehlt der Gemeinderat, welche für die endgültige Überarbeitung berücksichtigt werden sollen. Die bereinigte Vorlage soll am 1. Dezember der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

Dann entscheiden die Stimmberechtigten auch über Vorschläge und Anregungen aus der öffentlichen Auflage, die nicht berücksichtigt wurden. Wann die erneuerte BZO und und die weiteren Planungsinstrumente im Falle einer Annahme genau in Kraft treten, ist anschliessend nur noch davon abhängig, wie viel Zeit der Kanton für die Genehmigung benötigt.