Fechten
Das Aescher Fechttalent Nick Hatz kämpfte schon gegen Olympiasieger – nun will er in Russland den ersten Tag überstehen

Der Aescher wurde vom Schweizer Fechtverband aufgeboten und tritt am Wochenende an einem Weltcup-Turnier in Kazan an.

Cynthia Mira
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Fechter Nick Hatz in Aktion im Trainingsraum des Zürcher Fechtclubs.

Fechter Nick Hatz in Aktion im Trainingsraum des Zürcher Fechtclubs.

Fabio Baranzini

Den Fehler des Gegners bestrafen; so lautet eine Formel, um auf der Fechtbahn zu siegen. Nick Hatz beherrscht dies wie kein zweiter Limmattaler. Er ist in Aesch aufgewachsen und am Dienstag nach Russland in die Stadt Kazan gereist, um am Wochenende an einem Weltcup-Turnier teilzunehmen. Er gehört zu den sieben Fechtern, die vom Schweizer Fechtverband aufgeboten wurden. Antreten wird er bei den Senioren in der Kategorie Einzel Degen. Für den 22-Jährigen geht es zunächst darum, den ersten Tag zu überleben, wie er sagt. Insgesamt 250 Teilnehmer reisen an. Doch schon am zweiten Tag dürfen sich nur noch 64 Athleten untereinander messen.

Fechter Nick Hatz aus Aesch kennt seine Stärken.

Fechter Nick Hatz aus Aesch kennt seine Stärken.

Fabio Baranzini

Nur wer in der Weltrangliste unter den 16 Besten platziert ist, wird von dieser ersten Qualifikationsrunde an einem solchen Turnier verschont. Die Qualifikationsrunde am ersten Tag hat es in sich. «Ein Wettkampf kann manchmal von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends dauern», sagt Hatz. Nach den langen Pausen stets von neuem anzutreten, erfordere eine gute Grundfitness.

Einer seiner bedeutendsten Kämpfe absolvierte er im vergangenen März 2020 in Budapest. Er stellte sich dem Olympiasieger von 2012, Rubén Limardo aus Venezuela. Hatz verlor hauchdünn mit 13 zu 15, hatte aber phasenweise geführt. Er sagt rückblickend:

«Dieser Kampf zeigte mir, wozu ich fähig bin. Ich gewann an Selbstvertrauen.»

Das Selbstvertrauen sei wichtig und er mache weiter Fortschritte. Fechten habe viel mit Taktik zu tun. Die Kombination aus Kraft und mentaler Stärke sei für ihn das Faszinierende an der Sportart. «Es ist immer ein Kampf Mann gegen Mann und ich mag dieses Kämpferische», sagt er.

Fechter Nick Hatz liebt den Fechtsport genauso wie seine Schwester Fiona Hatz.

Fechter Nick Hatz liebt den Fechtsport genauso wie seine Schwester Fiona Hatz.

Fabio Baranzini

Rund 15 Stunden in der Woche trainiert er für seinen Erfolg in der Saalsporthalle in Zürich. 2019 gewann er am U23-Europacup in Österreich im Einzel die Silbermedaille. Weitere Podestplätze gewann er zudem in Mannschaftskämpfen. So etwa drei Goldmedaillen an den Schweizermeisterschaften: Diese holte er mit dem U20-Team von 2016 bis 2018 gleich drei Mal in Serie. Mit 20 Jahren wechselte er, wie beim Fechten üblich, zu den Senioren. Dieser Sprung von den Junioren zu den Senioren sei gewaltig, so Hatz. Das Taktische werde dann wichtiger. «Bei den Junioren gewinnt einfach der Bessere und der Schlechtere verliert.» Bei den Senioren sei dies anders. «Um jeden Punkt wird gefightet.»

Wettkämpfe, in denen er in der Kategorie U23 hätte starten können, verpasste er einige wegen der Coronapandemie. Zum Beispiel wurde die Europameisterschaft letztes Mai abgesagt. Auch dieses Jahr findet die EM nicht statt. «Wenn die Pandemie vorbei ist, dann bin ich nicht mehr unter 23», sagt Hatz.

Er nutzte die Zeit aber auch, um im Studium vorwärtszukommen. Er absolviert zurzeit an der Universität Zürich sein Masterstudium in den Rechtswissenschaften. Den Sport betrieb er stets neben der Ausbildung. Angefangen hat er als Zehnjähriger. «Ich liebe Fechten noch immer genauso wie am ersten Tag», sagt er. Kurz nach ihm begann auch seine Schwester Fiona Hatz; auch sie ist als erfolgreiche Fechterin unterwegs. «Nach uns begann zudem auch unser Vater in einem anderen Klub zu fechten», sagt er. Die Kosten, um den Sport auszuüben, liegen jährlich im fünfstelligen Bereich. Auch die Reisekosten werden von den Athleten bezahlt. Immerhin hat Hatz mit der Coop Rechtsschutz AG seit diesem Jahr einen Sponsor.

Fechter Nick Hatz setzt auf den Fechtsport. Nebenbei absolviert er ein Masterstudium in Rechtswissenschaften.

Fechter Nick Hatz setzt auf den Fechtsport. Nebenbei absolviert er ein Masterstudium in Rechtswissenschaften.

Fabio Baranzini

Es sei wichtig, Erfahrungen zu sammeln, sagt sein Trainer Guillaume Adam Le Gouare. «In einem Kampf muss man immer eine Balance finden.» Das Fechten habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher sei es einfacher gewesen, den Stil des Gegenübers zu erfassen. «Es gab die italienische Schule, die russische Schule und so weiter», sagt er. Heute sei das Fechten auf der ganzen Welt verbreitet. Beispielsweise treten Athleten aus Südamerika an, die plötzlich einen ganz anderen Stil oder einen Mix aus den verschiedenen Varianten des Fechtens zeigen. Diese neue Taktik müsse man schnell erfassen und in einem Kampf darauf reagieren können. Auch am kommenden Wochenende im russischen Kazan nimmt es Hatz mit Fechtern aus den unterschiedlichen Nationen auf. Sein Trainer sieht dem Wettkampf aber zuversichtlich entgegen: «Nick weiss genau, wo seine Stärken und Schwächen liegen.»