Die Urdorfer Viertklässler bestritten letzte Woche das traditionelle Fussballturnier auf dem Sportplatz Chlösterli. Am Turnierende erhielt jedes Kind eine vergoldete Medaille. Eigentlich eine schöne Geste. Doch die Auszeichnung sorgte vor allem bei einigen Urdorfer Eltern nicht nur für Freude. Dies, weil die Medaillen aus dem Jahr 2015 stammen. Die Gravur wurde mit einem runden, grünen Kleber, auf dem 2018 steht, abgedeckt.

Auf Facebook tat eine Mutter ihren Unmut darüber kund und veröffentlichte ein Bild, das die Medaille zeigt. «Schule Urdorf, das ist echt traurig. Wenn ihr schon ein Turnier macht, dann solltet ihr solche Sachen nicht verteilen», schrieb sie dazu und forderte die Community auf, den Post zu teilen. Zehn ihrer Facebook-Freunde kamen der Anweisung nach.

Es folgte ein Shitstorm. Facebook-Nutzer pflichteten der Mutter bei. «Das ist ja unterste Schublade», schrieb etwa eine Person. Eine andere Nutzerin wollte es nicht glauben. «Das ist doch ein Fake, oder? Wenn nicht, frage ich mich, wohin das Schulgeld fliesst.»

Eine andere Person fordert die Kinder dazu auf, die «Undinger» in die Schule zurückzubringen. «Ihr habt eine richtige Medaille verdient.» Eine andere Nutzerin nimmt es mit Humor: «Die Schule spart eben an allen Ecken», schreibt sie neben ein paar Smileys.

Verantwortung klären

Der mediale Aufruhr um die Medaillen ist der Schule Urdorf nicht entgangen. Sie hat deshalb nun einen Brief verfasst, der an die Eltern aller beteiligten Viertklässler geht. Darin stellt sie die Sache richtig. «Wir machen darauf aufmerksam, dass dieser Sportanlass in der Verantwortung des Schulsportes Limmattal liegt», steht im Brief.

Die Endverantwortung übernehme der kantonalzürcherische Schulsportverband. «Im Facebook-Post wird die Schule Urdorf verantwortlich gemacht. Das ist falsch. Es ist uns wichtig, dass die Eltern das wissen», sagt Hans Karrer, Leiter der Urdorfer Schulverwaltung.

Auch wenn der Spar- oder Wiederverwertungsgedanke grundsätzlich etwas Positives habe, sei der Vorfall ein No-Go, sagt er. Der verantwortliche Sportlehrer, der an der Primarschule Urdorf unterrichtet, sei gerügt worden und habe sich schriftlich für sein Vorgehen entschuldigt. Dem Elternbrief liegt das Schreiben des Lehrers bei.

Die Schülerinnen und Schüler werden künftig keine beklebten Medaillen mehr zu erwarten haben. «Der Schulsport Limmattal wird ab sofort jahresgerechte Medaillen abgeben», versichert Karrer. Zudem werde der Schulsport Limmattal die Mutter, die das Bild auf Facebook postete, kontaktieren und sie bitten, den Eintrag zu löschen, schreibt die Schule Urdorf im Brief. «Wir hoffen, dass wir mit dem Schreiben die Eltern etwas beruhigen können», sagt Karrer.

«Nicht böse gemeint»

Karin Mattmann, die Präsidentin des Schulsports Limmattal, überrascht die Aktion der Mutter. «Ich bin etwas erschrocken, dass sie nicht auf mich direkt oder auf den Schulsport Limmattal zugekommen ist», sagt sie. So hätte man das Problem besprechen und eine gute Lösung finden können. «Ich hätte zum Beispiel ohne weiteres mehr Medaillen bestellen und diese nachliefern können.»

Durch diese Facebook-Geschichte sei aus einer Mücke ein Elefant gemacht worden. Das sei schade. Mattmann nimmt den Sportlehrer in Schutz. «Es ist nicht üblich, die Medaillen zu bekleben. Davon höre ich das erste Mal. Der Lehrer hat es aber bestimmt nicht böse gemeint.»

Vermutlich habe es zu wenige Medaillen gehabt und er sei auf die Idee gekommen, die alten zu beschriften, damit kein Kind leer ausgehe. «Man muss bedenken, dass die Sportlehrkräfte das alles freiwillig und mit viel Herzblut machen, damit die Kinder an einem Turnier teilnehmen können.»

An der freiwilligen Schulsportsitzung des Bezirks Dietikon im Herbst will Mattmann das Thema mit den Mitgliedern besprechen. Wichtig sei ihr, mit der Mutter persönlich zu reden und die Sache aus der Welt zu schaffen. «Ich möchte den Kindern eine Medaille mit dem richtigen Jahr geben.»