Die Nachricht kommt einem Paukenschlag gleich: Der im September von seinem Amt freigestellte und im Dezember von der Justizdirektion fristlos entlassene Adrian Leimgrübler (FDP) will nun doch wieder Statthalter und Dietiker Bezirksratspräsident werden. «Nach reiflicher Überlegung» habe er sich entschlossen, auf seinen ursprünglichen Entscheid zurückzukommen und bei den kommenden Erneuerungswahlen doch anzutreten, schreibt Leimgrübler in einer Mitteilung, die er am späteren Nachmittag versandte.

Der Entscheid kommt aus verschiedenen Gründen überraschend. Im Juli hatte seine Partei bekannt gegeben, dass sie Leimgrübler nicht mehr für die Bezirksratswahlen im kommenden Februar aufstellen wird. Der Grund: Gegen den ehemaligen Statthalter und Bezirksratspräsident läuft ein Strafverfahren. Die Oberstaatsanwaltschaft wirft ihm Rechtspflegedelikte und Begünstigung vor. Da der Ausgang und der weitere Zeitplan des Verfahrens noch offen sind, war es der Bezirkspartei zu riskant, Leimgrübler wieder aufzustellen – obschon sie sich generell immer hinter ihn gestellt hatte. Stattdessen stellte die FDP letzte Woche ihren neuen Kandidaten vor: Der 36-jährige Stadtzürcher Jurist Simon Hofmann soll in die Fussstapfen Leimgrüblers treten. Dieser sagte noch vor zwei Monaten gegenüber der Limmattaler Zeitung, er verzichte – aus Loyalität zur FDP – auf eine erneute Kandidatur. Da das Strafverfahren noch nicht abgeschlossen sei, verstehe er, dass es für die Partei ein Problem darstelle, «eine Person in dieser Situation zu portieren», so Leimgrübler damals.

Verzicht «unter massivem Druck»

Mittlerweile hat er seine Meinung geändert. In der gestern verschickten Mitteilung schreibt Leimgrübler: «Ich habe meinen ursprünglichen Verzicht auf die Wiederwahl unter massivem Druck bekannt gegeben.» Auf Nachfrage präzisiert er: Der Druck sei von den beiden Präsidenten der Kantonalpartei und der Bezirkspartei gekommen. Seit er entlassen worden sei, habe er jedoch so viel Zuspruch aus der Bevölkerung und von Politikern von links bis rechts erhalten, dass er nun überzeugt sei, «dass es falsch war, diesem Druck nachzugeben», so Leimgrübler. Auch die starke Unterstützung des Gewerbes und dessen klare Aufforderung, wieder zu kandidieren, habe ihn in seinem Entscheid bestärkt. Zudem sei auch immer wieder der Wunsch geäussert worden, «dass weiterhin eine kompetente, erfahrene und bürgernahe Person dieses Amt bekleiden möge», schreibt Leimgrübler in der Medienmitteilung.

Auf Nachfrage dementiert er, dass dies eine Kritik am neuen FDP-Kandidaten Hofmann sei: «Ich kenne ihn nicht und kann daher nichts zu seiner Person sagen.» Was jedoch auffalle, sei, dass Hofmann kein Limmattaler sei, sondern in Zürich wohne, sagt Leimgrübler, der selber sein ganzes Leben im Limmattal verbracht hat. Hofmann, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen: Er weilt derzeit im Ausland.

Interessant ist: Dass er doch wieder antritt, hat Leimgrübler mit seiner Partei nicht abgesprochen. Dies bestätigt er auf Anfrage. Dies heisse aber nicht, dass es ihm egal sei, ob die Partei hinter ihm stehe, sagt Leimgrübler, der schon seit 30 Jahren in der FDP ist: «Ich wäre froh gewesen, ich hätte die Unterstützung des Vorstandes der Bezirkspartei gehabt.»

FDP hält an ihrem Kandidaten fest

Dass Leimgrübler diese nun wieder erhalten wird, dürfte schwierig werden. Der FDP-Bezirksparteipräsident Gerald Künzle erfuhr erst durch das Telefonat mit der Limmattaler Zeitung von der Nachricht. Künzle sagt, er sei erstaunt – insbesondere weil sich Leimgrübler in der Diskussion mit der Bezirks-FDP Anfang Sommer sehr klar gegen eine Kandidatur entschieden habe. «Wir als Partei müssen jetzt schauen, wie wir mit dieser neuen Situation umgehen», so Künzle. Er lässt durchblicken, dass Leimgrübler bei seiner Kandidatur nicht auf die Unterstützung der FDP zählen können wird. «Wir halten an unserem Kandidaten fest», so Künzle. Droht Leimgrübler jetzt sogar der Parteirauswurf? «Für solche Fragen ist es noch zu früh», sagt Künzle.

Offen ist auch, was geschieht, sollte Leimgrübler wieder gewählt werden. Die FDP stellt sich auf den Standpunkt, dass Leimgrübler das Amt nicht antreten kann, solange das Strafverfahren gegen ihn noch läuft. «Das stimmt so nicht», sagt Leimgrübler. «Wenn ich gewählt werde, kann ich das Amt auch wieder antreten.» Dies habe er gegenüber der FDP mehrmals kommuniziert.

Wann das Verfahren abgeschlossen sein wird, ist noch unklar. Laut Auskunft der Oberstaatsanwaltschaft von letzter Woche ist es nach wie vor hängig. Über Zeit und Art des Abschlusses könne noch keine Prognose gemacht werden. Zudem hat Leimgrübler Rekurs gegen seine fristlose Entlassung eingelegt. Auch diesbezüglich ist der Ausgang noch offen.