Der Schlieremer alt Stadtpräsident Peter Voser bezeichnete den «Tag der Wirtschaft» am Ende des gestrigen Nachmittags auch als «Tag der Anleitungen». Und damit brachte es der Präsident der Urdorfer Behindertenstiftung Solvita, welcher der Reinerlös des Anlasses im Salmensaal zukommt, auf den Punkt. Eingeladen hatten die Schlieremer Wirtschaftskammer und die städtische Standortförderung. Ihre rund 300 Gäste bekamen unter dem Titel «Wirtschaft im Wandel – Weg, Grenzen und Horizonte» in vier Referaten und drei Podiumsgesprächen teilweise sehr konkrete Tipps für den Wirtschaftsalltag vermittelt.

Als sehr unterhaltsam bleibt das Referat des Alt-Bundesrats Adolf Ogi zum Thema «Leadership» in Erinnerung. Anhand einiger Anekdoten zeigte er etwa auf, wie er sein Departement, das Bundesamt für Verkehr, oder auch den Schweizer Skiverband als Direktor geleitet hat. Entscheidend sei für ihn immer die Kommunikation gewesen. Im persönlichen Kontakt – dazu gehörte beispielsweise ein offenbar trinkseliger Abend mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton – habe er im Ausland viel Offenheit für die Schweizer Interessen erzeugen können, sagte Ogi. Und verband dies gleich mit einer Kritik am Wandel der internationalen Beziehungen des Bundes: «Heute fliegt Obama über die Schweiz, ohne hier zu landen, wenn er nach einem Besuch in Deutschland zum Papst nach Rom geht.»

Hess mahnt, innovativ zu bleiben

Eine Anleitung für die Unternehmer dazu, was es angesichts aktueller Herausforderungen wie dem starken Franken, dem Fachkräftemangel oder den unklaren Verhältnissen zwischen der Schweiz und Europa zu beachten gilt, gab Hans Hess, der Präsident des grössten Schweizer Industrieverbandes. So betonte er etwa, wie wichtig es sei, innovativ zu bleiben: «In einem Hochpreisland braucht es eine Differenzierung von der Konkurrenz, um sich gegenüber der ausländischen Konkurrenz behaupten zu können», so Hess. Er ermahnte aber auch die Politik, günstige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu erhalten: «Die staatlichen Auflagen müssen reduziert werden. Das Wachstum des bürokratischen Aufwands für die Unternehmen muss stoppen.»

Als eine Unternehmerin mit viel Charisma erwies sich die Appenzeller Getränke-Unternehmerin Gabriela Manser (Goba AG). Im Gespräch mit Regula Elsener Steinmann, die als Moderatorin durch den Nachmittag führte, sagte sie, dass sie sich selbst erst getraut habe, das Unternehmen ihrer Eltern zu übernehmen, als sie nach 17 Jahren als Kindergärtnerin eine leitende Funktion im St. Galler Schulamt innehatte. Als Unternehmensleiterin habe sie schnell gemerkt, dass sie vor allem die Firma als «Blumenstrauss» zusammenhalten müsse, dass es aber nicht nötig sei, jeden Betriebsteil – jede «Blume» – so gut zu kennen wie die langjährigen Angestellten.

Im weiteren Verlauf des «Tags der Wirtschaft» führte Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi sehr eloquent in die Eigenheiten des Wirtschaftsstandorts Tessin ein. Sie verwies auf die Diskrepanz zwischen der starken wirtschaftlichen Dynamik und den Ängsten der Bevölkerung, Jobs an die über 60 000 Grenzgänger zu verlieren. Zwar gebe es durchaus Sektoren, wie den Tourismus, in dem «wirklich nicht alles rosig» sei, so Rigozzi. Doch im Grunde sei in der Region eine starke Entwicklung feststellbar, und die Arbeitslosenquote liege stabil bei 3,3 Prozent. Dass die Tessiner dennoch wirtschaftlich verunsichert sind, erklärte sie vor allem mit Mentalitätsaspekten. Die Tessiner seien wenig risikofreudig, sehr traditionalistisch, zu wenig mobil und sähen sich gerne in der Opferrolle, erklärte Rigozzi: «Dafür gelten wir als gastfreundlich und lieben das Leben und die Menschen.»

Zehn Gebote für Gelassenheit

Eine dritte Anleitung – wie man gelassener wird – gab der Deutsche Philosoph und Bestsellerautor Wilhelm Schmid. Seine zehn Gebote münzte er wenn möglich auch auf die Wirtschaft um. So riet er dem Publikum etwa, die eigene Hinnahmefähigkeit zu stärken und sich nur um jene störenden Faktoren zu sorgen, die in der eigenen Macht stehen. «Das lässt sich auch angesichts des starken Frankens sagen. Je souveräner man damit umgeht, desto weniger stört er einen als Unternehmer», so Schmid.

Während sich die anderen Referenten vor allem auf grössere Wirtschaftsgebilde fokussierten, lenkte Gastgeber und Co-Präsident der Schlieremer Wirtschaftskammer, Andreas Geistlich, den Blick auch auf die Situation der Unternehmer in Schlieren. Er lobte etwa die innovativen Entwicklungen in den verschiedenen Clustern und, dass die Bevölkerung bei Abstimmungen meist viel Goodwill gegenüber der Wirtschaft an den Tag legen würde. «Ich bin stolz auf Schlieren», so Geistlich.