Es war ein bizarrer und ungewohnter Anblick, der sich am Sonntag um 11.11 Uhr vor dem Restaurant Steinerhof in Urdorf bot. Auf dem Platz standen weinende Fasnächtler. Die sonst so närrischen Zeitgenossen weinten, aber dieses Mal nicht vor Freude. Und wenn Fasnächtler trauern, dann kann dies nur eines bedeuten: Es ist das Ende der Fasnacht.

Dieses wird in Urdorf mit dem sogenannten Konfettibegräbnis besiegelt. Dabei wird ein Kaffeerahmdeckel mit Konfetti in einer Prozession zu Grabe getragen und damit auch die Fasnacht symbolisch begraben. In dem Rahmdeckel befinden sich genau zwei Konfetti, verriet der Zeremonienmeister Daniel Leutwiler. «Das eine Konfetti trägt die Initialen des diesjährigen Schirmherrn und das andere meine als Zeremonienmeister, der den Schirmherrn durch die ganze Fasnacht hindurch begleitet hat.»

Das diesjährige Konfettibegräbnis war jedoch ein besonderes. Zum ersten Mal führte die Prozession um das Restaurant Steinerhof herum. «Das weiss ausser mir und dem Schirmherrn sonst kaum einer», sagt Leutwiler wenige Minuten vor dem Begräbnis. «Das wird für eine kleine Überraschung sorgen.» Diese Veränderung ist nur eine von vielen, die sich in den letzten Jahren in der Urdorfer Fasnacht vollzogen haben. Vor zwei Jahren schon wurde die Uslumpete von einem Donnerstag auf einen Freitag verlegt, um es den feierfreudigen Fasnächtlern, die arbeiten müssen, zu ermöglichen, länger zu bleiben und mitzufeiern. In der diesjährigen Fasnacht wurden gleich zwei grosse Traditionen zusammengelegt.

Man geht mit der Zeit

Die offizielle Einsetzung des neuen Schirmherrn wurde nicht mehr wie bisher auf dem Muulaffenplatz durchgeführt, sondern direkt vor dem Embrisaal, wo auch der eigentliche Festakt stattfindet. «Das war eine tolle Sache», freut sich Schirmherr Thomas Bader. Die diesjährige Fasnachtseröffnung auf dem Embri-Areal machte den ersten Fasnachtsakt an der Fasnacht 2016 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Mit dieser Neuerung wollte man ein einheitliches Festareal bieten und zudem verhindern, dass auf dem Weg von A nach B Besucher verloren gehen.

Man möchte «mit der Zeit gehen», so Leutwiler, dessen Vater einer der Mitbegründer der Clique Schäflibach ist. «Während man heute an sieben Tagen in der Woche in den Ausgang kann, gab es damals zur Gründungszeit nur wenige Möglichkeiten und Anlässe.» Die Urdorfer Fasnacht besteht schon seit über fünfzig Jahren und ist sehr traditionell. Das Ziel und der Wunsch hinter den Veränderungen ist es, dass die Fasnacht noch lange bestehen bleibt und sie weiterhin Besucher begeistern kann.

An der diesjährigen Fasnacht schien die Rechnung jedenfalls aufgegangen zu sein. Die Besucher sowie die Fasnächtler dankten die Veränderung mit einem wunderschönen und fröhlichen Fest bis in die Nacht hinein, erinnern sich Schirmherr und Zeremonienmeister. Für die Fasnächtler Alexandra Weber und Roman Müller waren die Urdorfer Fasnacht und der Umzug der absolute Höhepunkt der Fasnacht 2016. Besucherin Heidi Zumbühl schätzt vor allem «den Zusammenhalt und das Miteinander und dass man zusammen durchhält». Die meisten bleiben von der grossen Feier, der Uslumpete bis zum Konfettibegräbnis auf den Beinen.

Noch einmal alles geben

Robert Rüegg, der seit 37 Jahren Mitglied der Clique Schäflibach ist, sagt, dass jede Fasnacht meist mehrere Höhepunkte hat – kleinere und grössere. Dieses Jahr aber waren für ihn die Eröffnung und die Ernennung des Schirmherrn definitiv das grösste Ereignis. Den Abschluss des Konfettibegräbnisses machte die Gugge Stiereschränzer, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Übermüdet, aber gut gelaunt geben die Fasnächtler noch einmal alles. Wild und närrisch tanzen sie und erweisen der Fasnacht damit die letzte Ehre.