Am Schluss wurde Goran Ivelj noch mit einem besonderen Geschenk geehrt. Der Dietiker Trainer, der ab kommender Saison die U-18-Mannschaft der Grasshoppers Zürich übernimmt, bekam eine Torte in Form eines Fussballs überreicht – natürlich mit dem Vereinsemblem des FC Dietikon. Ivelj war sichtlich gerührt von der Überraschung und suchte einen Moment lang nach passenden Worten.

Das schönste Geschenk hatte Ivelj jedoch zuvor auf der Dornau von seinen Spielern bekommen, und zwar in Form eines regelrechten Torreigens. Acht Treffer waren ihnen im Spiel der dritten Vorrunde des Cups gegen AS Timau Basel, ebenfalls aus der 2. Liga Interregional, gelungen. Acht Treffer, mit denen sich die Limmattaler am Ende souverän für die erste Cup-Hauptrunde qualifizierten. «Wir haben Goran für jedes seiner acht Jahre in Dietikon ein Tor geschenkt», sagte Stürmer João Paiva, der auf die nächste Saison hin die Dietiker Mannschaft trainieren wird.

So überlegen, wie es das Resultat vermuten lässt, waren die Dietiker allerdings nicht – zumindest nicht in den ersten 40 Minuten. Zwar liess sich Roberto Stoykov nach zwei Minuten eine dicke Chance für die Limmattaler entgehen. Doch dann bestimmten die Gäste das Geschehen. Nach sieben Minuten traf der überragende Donat Rrudhani zur Basler Führung, nach einer Viertelstunde erhöhte der Stürmer mit einem spektakulären Torschuss aus spitzem Winkel auf 2:0. Als dann Youssef Lammouri in der 38. Minute auch noch zum 0:3 traf, schien der Traum der Dietiker, in der ersten Cup-Hauptrunde einen hochkarätigen Gegner zu empfangen, bereits geplatzt. «Basel hat uns in der Startphase überrumpelt», sagte Ivelj. «Ich habe einfach nur gehofft, dass wir nicht das vierte Gegentor kassieren.»

Drei Tore innert drei Minuten

Das passierte nicht – im Gegenteil. Die Partie nahm einen völlig unerwarteten, ja spektakulären Verlauf. Nur drei Minuten nach Lammouris Tor gelang Lorent Jasari nach einem Abstauber der 1:3-Anschlusstreffer. Knapp zwei Minuten danach traf Paiva per Kopf zum 2:3. Und gerade mal eine halbe Minute später glich Stoykov zum 3:3 aus. Die Dietiker hatten das Spiel also innert drei Minuten ausgeglichen. Doch das war nur der Vorgeschmack auf das, was in der zweiten Hälfte folgen sollte.

Vier Minuten nach Wiederanpfiff schoss Stoykov die Limmattaler erstmals in Führung – 4:3. Dann ein Kopfball von Marjan Jelec – 5:3. Fünf Minuten später erhöhte Blanzenko Klaric auf 6:3. Nach dem Anschlusstreffer durch El Mehdi Chbouk zum 6:4 stellte Stoykov den Drei-Tore-Vorsprung wieder her: 7:4 für Dietikon. Selbst der Platzverweis gegen Jelec nach wiederholtem Foulspiel änderte nichts am munteren Dietiker Torschiessen: Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit sorgte Klaric mit seinem zweiten Tor für den 8:4-Endstand.

«Noch nie ein solches Spiel erlebt»

«Wir haben schon ein paar Partien gedreht», sagte Ivelj. «Aber dass wir dann noch mit 8:4 gewinnen, ist auch für mich neu.» Ebenso für Paiva, der sagte, er habe in seiner langjährigen Profikarriere noch nie ein solches Spiel erlebt.

«Es ist einfach nur total schön», sagte er. «Die Mannschaft hat auch nach dem 0:3 noch daran geglaubt.» Und so stehen die Limmattaler nun in der Cup-Hauptrunde. «Wir haben in den ersten beiden Vorrunden zweimal auswärts gesiegt, erst gegen Linth und dann gegen Prishtina Bern», sagte Paiva. «Wir haben uns das verdient.»

Auslosung am 29. Juni

Nun hoffen die Verantwortlichen des FC Dietikon, dass sie einen Gegner aus einer höheren Liga zugelost bekommen. Der künftige Trainer Paiva hat jedoch keinen Wunschkontrahenten: «Das ist egal. Für die Jungs wird es so oder so zu einem Erlebnis, sie können das erste Mal in ihrem Leben eine solche Partie bestreiten.» Die Auslosung findet am 29. Juni statt.
Für Ivelj hingegen endete das Kapitel FC Dietikon bereits an diesem Samstagabend.

Der langjährige Trainer gab zu, dass es ihm am Vorabend angesichts des nahenden Abschieds nicht so gut gegangen sei. «Aber wir haben diese Saison in der Meisterschaft den fünften Rang erreicht und uns für den Cup qualifiziert», sagte er. «Das ist ein sensationeller Abschluss.» Dann verabschiedete er sich. Das Präsidium hatte ihn zu sich gerufen. Schliesslich wartete noch die süsse Überraschung auf Ivelj.