Limmattal
«Acapulco Stage Divers»: «Wir sind erwachsener und ehrlicher geworden»

Die «Acapulco Stage Divers» überzeugten bei ihrer Plattentaufe am Samstag mit reifen Texten und einem energiegeladenen Auftritt. Dass sich die Band weiterentwickelt hat, zeigten auch die Reaktionen aus dem Publikum.

Laura Hüttenmoser
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«Das, was wir können und nicht das, was wir gerne können würden»: Die «Acapulco Stage Divers» im Restaurant Viadukt in Zürich. LAH

«Das, was wir können und nicht das, was wir gerne können würden»: Die «Acapulco Stage Divers» im Restaurant Viadukt in Zürich. LAH

Limmattaler Zeitung

Das Restaurant Viadukt in Zürich ist bis auf die letzten Plätze gefüllt, als die Limmattaler Band Acapulco Stage Divers die ersten Akkorde anstimmt. Das Publikum verstummt und lauscht der markanten Stimme des Leadsängers Thomas Hoffmann. Voller Hingabe und Gefühl stimmt er den ersten Song an: «Ahoi Nacht Ahoi Camerado». Mit dem gleichnamigen Albumtitel verbindet Hoffmann eine Sehnsucht und das Gefühl, dass man die Dinge in der Nacht anders erlebe als am Tag, wie er sagt. Auch in den Texten der fünfköpfigen Band spiegelt sich eine gewisse Melancholie und Rastlosigkeit wider. «Wir befanden uns in einer Phase, in der wir uns viele Gedanken gemacht haben. Wir haben bei diesem Album vor allem aus dem Gefühl heraus gespielt, die Songs kämen etwas ‹herzlastiger› daher als bei unsere letzten Alben», erklärt Bassist Oliver Müller.

«Das, was wir können»

Dass sich die Band weiterentwickelt hat, zeigten auch die Reaktionen aus dem Publikum. «Die früheren Alben waren mir etwas zu jugendlich. Das neue finde ich sehr eigenständig, sehr erwachsen, und die Texte sind schön», lobte ein Konzertbesucher. Ähnlich sah das Bassist Müller: «Wir sind erwachsener geworden und ehrlicher zu uns selber. Wir machen jetzt das, was wir können und nicht das, was wir gern können würden.»

Die persönlichen und emotionalen Songs kommen im intimen Rahmen des Viadukts optimal zur Geltung. Es herrscht eine entspannte und vertraute Stimmung. Besonders berührend war Thomas Hoffmanns Solo zum Lied «So wie ich bin», das wohl niemanden kalt lässt. Er singt ohne Mikrofon, ganz leise, nur von seiner Gitarre begleitet: «Aber nichts ist bestimmt, die Zeit läuft, das Glück versäumt, ja und nein, wer ist schon wirklich frei ...». Das Publikum ist mucksmäuschenstill und lauscht andächtig.

«Bei diesem Album wollten wir natürliche und ehrliche Musik machen. Die Songs sollen eine Aussage haben und eine Geschichte erzählen», erklärt der Leadsänger. Doch sind durchaus auch Songs dabei, die mehr als nur zum Mitwippen einladen. Bei rockigeren, schnelleren Stücken tanzt das Publikum begeistert und singt bekannte Textstellen mit. Und auch die Band gibt richtig Gas. Nach elf gemeinsamen Jahren, wisse man wie der andere funktioniere, stellt Hoffmann klar.

Sandkastenfreunde

Die «Acapulco Stage Divers» sind schon seit ihrer Kindheit befreundet und machen fast genau so lang zusammen Musik. Wie auf ihren bisher veröffentlichten Alben «Mafia» (2006) und «Rom» (2008) sind die Liedertexte in Deutsch geschrieben. Bassist Oliver Müller begründet dies folgendermassen: «Man kann gar nicht authentisch sein, wenn man in einer Sprache singt, die man nicht beherrscht.»

Für die Aufnahmen von «Ahoi Nacht Ahoi Camerado» haben sich die Limmattaler in ein Haus in Davos zurückgezogen. Zwei Wochen lang wurde gemeinsam über neuen Texten und Melodien gebrütet, welche sie schliesslich selber aufnahmen. Für die Zukunft wünschen sich die «Acapulco Stage Divers» etwas prestigeträchtigere Auftritte zu spielen, wie beispielsweise am Blue Balls Festival in Luzern oder am Zermatt Unplugged. Thomas Hoffmann: «Unsere Musik braucht mehr Aufmerksamkeit und Resonanz.»