Uitikon

Abtretende Sozialvorsteherin: «Gewisse Exponenten zielten gegen mich als Frau»

Carol Hofer tritt an den Gesamterneuerungswahlen am kommenden Wochenende nicht mehr an.

Carol Hofer tritt an den Gesamterneuerungswahlen am kommenden Wochenende nicht mehr an.

Nach 12 Jahren nimmt die Uitiker Sozialvorsteherin Carol Hofer den Hut. Sie blickt auf eine intensive Zeit im Gemeinderat zurück. Ihre grösste Errungenschaft sei nicht die Kinderkrippe, sondern etwas anderes, sagt sie.

Als Carol Hofer 2005 entschied, sich für eine Wahl in den Uitiker Gemeinderat aufstellen zu lassen, zweifelte niemand im Dorf daran, dass sie auch gewählt würde. Sollte sich ihr jemand als Gegenkandidat in den Weg stellen, komme dies einem politischen Selbstmord gleich, hiess es hinter vorgehaltener Hand. Dies liegt an ihrem ausserordentlichen Engagement. Als damalige Präsidentin der Mittwochsgesellschaft, ehemalige Schulpflegerin und Finanzerin der Sozialbehörde hatte sie grosse Bekanntheit in Uitikon. Mit ihrem ebenso aufsehenerregenden wie langen Kampf für die erste Kinderkrippe im Dorf hinterliess sie Spuren in der Gemeinde.

Frau Hofer, zwar wehren Sie sich dagegen, dass die Kinderkrippe Binzmatt als Ihr Vermächtnis bezeichnet wird, aber Sie hatten doch durchaus dafür zu kämpfen. Während acht Jahren gab es ein Hin und Her mit den Gegnern aus Ihrer eigenen Partei, der FDP.

Carol Hofer: Ja. Ich erinnere mich noch gut. Hin und wieder dachte ich, dass ich demnächst aufgeben muss.

Was war das Schwierigste?

Was mich persönlich am meisten verletzte, war, dass die Gegner der Kinderkrippe behaupteten, ich wolle mir mit dem Bau ein persönliches Denkmal setzen. Nichts hätte weiter von der Wahrheit entfernt sein können. So stelle ich mich einerseits nur ungern in den Mittelpunkt und andererseits begegneten wir mit der Kinderkrippe einem Auftrag des Kantons und einer gesellschaftlichen Entwicklung, wonach ausserfamiliäre Betreuungsmöglichkeiten gefragt waren. Das war überhaupt kein Hofer-Projekt.

Wie erklärten Sie den konservativen Uitikern, dass solche Betreuungsmöglichkeiten notwendig sind?

Ich sprach mit vielen Menschen und konnte ihre Bedenken nachvollziehen, denn auch ich konnte mir Jahre zuvor als junge Mutter eine Kinderkrippenbetreuung nicht vorstellen.

Wie das?

Als meine Kinder vor knapp 35 Jahren noch klein waren, hatten solche Krippen einen komplett anderen Ruf als heute. Sie waren hauptsächlich für Mütter gedacht, die arbeiten mussten. Sei es, weil sie alleinerziehend waren oder mit dem Mann in Schichtbetrieben arbeiteten. Obwohl ich selber an der ETH studierte und ins Berufsleben hätte einsteigen können, hätte ich damals meine Kinder nicht fremdbetreuen lassen.

Sie studierten Lebensmittelingenieurin an der ETH, brachen kurz vor dem Diplom jedoch ab wegen der Geburt Ihres ersten Kindes. Ist dies ein Grund, warum Sie sich so vehement für Krippenplätze einsetzten?

Ich sah an den Freundinnen meiner Söhne, die ebenfalls studierten, dass sie ihre Ausbildung einsetzen wollten. Die Zeiten hatten sich geändert. Mit meiner eigenen Biografie hat der Einsatz für Krippen jedoch nichts zu tun. Ich persönlich finde es aber auch heute noch fragwürdig, wenn Eltern, die nicht unter finanziellem Zugzwang sind, ihre Kinder fünf Tage pro Woche in die Krippe geben. Für mich wäre das kein gangbarer Weg.

Zwei Jahre nach Ihrer Wahl in den Gemeinderat traten Sie aus der FDP Uitikon aus. Warum?

Als Gemeinderatsmitglied war ich von Amtes wegen auch im Vorstand der FDP-Ortspartei. In diesem Gremium war ich im Krippendossier völlig allein auf weiter Flur. Dass eine Umsetzung einer solchen Krippe mein Auftrag vom Kanton und ein grosses Bedürfnis in Uitikon war, spielte für den Vorstand keine Rolle.

Sind unterschiedliche Meinungen Grund genug für einen Parteiaustritt?

Es waren mehr als nur Meinungsverschiedenheiten. Gewisse Exponenten zielten damals auf meine Person, gegen mich als Frau. Man hörte mir nicht mehr zu und ich fühlte mich mit der Zeit im Vorstand nicht mehr wohl. Zwar hatte ich keine Rücktrittsgedanken aus dem Gemeinderat, da mir die Arbeit dort gefiel. Doch FDP-Vorstandssitzungen verursachten bei mir Gänsehaut, sodass mir ein Austritt der einzig richtige Weg erschien.

Nun nehmen Sie den Hut. Worauf sind Sie, rückblickend auf Ihre Zeit in der Exekutive, so richtig stolz?

Der Status des Sozialbereichs hat sich geändert. Bereits vor meiner Zeit im Gemeinderat war ich in der Sozialbehörde für die Finanzen zuständig und musste das Budget im Gemeinderat vertreten. Ich war wie Daniel in der Löwengrube und musste mir Dinge anhören, die heute gar nicht mehr gehen würden. Alle Ausgaben wurden grundsätzlich bekämpft. Seit mehreren Jahren aber hat der Gesamtgemeinderat mehr Verständnis dafür, wenn das Kontingent für Asylsuchende steigt oder mehr Fälle vorhanden sind. Der Gemeinderat nimmt die Abteilung ernst. Das ist ein schönes Gefühl auch im Hinblick darauf, dass ich den Stab ja bald weitergebe.

War dies einer der Gründe dafür, warum Sie so lange geblieben sind? Ursprünglich wollten sie nur über zwei Legislaturperioden im Amt bleiben.

Ein Stück weit. Vor vier Jahren, vor den letzten Gesamterneuerungswahlen, gab es noch sehr viel zu tun. Nun läuft die Abteilung gut und in geordneten Bahnen.

Ist es in der Sozialabteilung einer der wohlhabendsten Gemeinden des Kantons nicht eher ruhig?

Das musste ich mir immer wieder anhören. Wir haben zwar einen sehr tiefen Steuerfuss, was aber nicht heisst, dass wir nicht mit denselben Problemen kämpfen wie andere Gemeinden. Auch bei uns haben wir Mühe, für Sozialhilfebezüger oder Asylsuchende eine Wohnung zu finden. Und auch in Uitikon hat es Langzeitarbeitslose, die kaum mehr in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können.

Welches sind die dringendsten Probleme für Ihren Nachfolger?

Sicher die weitere Integration der Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt. Zwar sind wir bemüht, mehrheitlich Familien nach Uitikon zu holen, sodass die Eltern mithilfe ihrer Kinder im Uitiker Alltag integriert werden. Auch haben wir eine sehr engagierte Jugendarbeiterin, doch ist der Treff derart gut besucht, dass eine Pensumserhöhung wünschenswert wäre.

Rückblickend auf Ihre 13 Jahre im Gemeinderat, welches war Ihr Lieblingsmoment?

Wenn ich nach einer meiner längeren Reisen nach Uitikon zurückkehre und auf der Strasse von Mitarbeitern der Werkbetriebe mit einem Winken willkommen geheissen werde, da weiss ich: Hier bin ich zu Hause.

Und aus politischer Sicht?

Hier gibt es viele kleine Erinnerungen, die bei mir ein gutes Gefühl auslösen.

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