Dietikon

Abtretende Gemeinderats-Präsidentin: «Zwei, drei Debatten waren grenzwertig»

Cécile Mounoud leitet heute das letzte Mal den Dietiker Gemeinderat.

Cécile Mounoud leitet heute das letzte Mal den Dietiker Gemeinderat.

Trotz einer intensiven Zeit möchte Cécile Mounoud (CVP) das Jahr als Gemeinderatspräsidentin von Dietikon nicht missen.

Sie möchte es nicht negativ ausdrücken. Doch wenn es etwas gibt, dass Cécile Mounoud an der Zeit als Dietiker Gemeinderatspräsidentin «am wenigsten gut gefallen hat», dann war es das Lesen der Sitzungsprotokolle. «Nach einer Doppelsitzung sind das 60 Seiten.»

Viel Text, den es sorgfältig zu lesen gelte. «Das war sehr zeitintensiv. Und nicht besonders spannend», sagt die junge CVP-Politikerin. Verständlich: Die nachträgliche Lektüre der oft langfädigen Voten gehörte wohl auch bei ihren Vorgängern nicht zu den Lieblingsaufgaben.

Ansonsten aber blickt Mounoud zufrieden auf das Amt zurück, das sie an der heutigen Sitzung des Gemeinderates abgibt – mit grösster Wahrscheinlichkeit an den ersten Vizepräsidenten Jörg Dätwyler (SVP).

«Das Präsidium hat mir Spass gemacht», sagt die 28-Jährige, der es gefallen hat, den Ratsbetrieb zu leiten und dabei den Austausch mit sämtlichen Parlamentariern zu pflegen. «Als Gemeinderätin beschränkt sich dieser ja oft auf die eigene Fraktion.»

Auch die Anlässe, zu denen sie als höchste Dietikerin immer wieder eingeladen wurde, bleiben Mounoud in guter Erinnerung. «Ich hatte noch nie so viel Kontakt zu so vielen unterschiedlichen Menschen», sagt sie.

Nicht über den Kopf gewachsen

Die Tätigkeit als Ratspräsidentin beschreibt sie deshalb als «abwechslungsreich und menschennah». Streng sei sie auch gewesen, so Mounoud, die neben ihrer Arbeit als Hortleiterin in Zürich und ihrem politischen Engagement im Dietiker Schützenverein und in der kirchlichen Jugendarbeit tätig ist.

Hinzu kamen Fraktionssitzungen und im vergangenen Frühling die Kandidatur für den Kantonsrat. «Das waren manchmal schon etwas viele Verpflichtungen», sagt Mounoud. Sie habe aber gewusst, was sie erwartet und sich darauf eingestellt.

Über den Kopf gewachsen sei ihr das Amt nie. «Es gab ja auch ruhigere Phasen. Etwa während der Sommerferien, in denen keine Sitzungen stattgefunden haben.» Sie habe ausserdem darauf geachtet, die richtige Balance zwischen Privatleben und Politik zu finden und ihren anderen Engagements so weit wie möglich treu zu bleiben.

«Ich habe meine anderen Aktivitäten zwar etwas reduziert, aber nicht gänzlich aufgegeben», sagt die Sozialpädagogin. Wäre sie jedoch länger als ein Jahr Gemeinderatspräsidentin gewesen, hätte sie sich irgendwann einschränken müssen.

Dass geschimpft wird, gehört dazu

Die Zeit als Ratspräsidentin war für Mounoud nicht nur intensiv, sondern auch lehrreich. «Ich habe Führungserfahrung gesammelt», sagt sie. Das Amt habe sie gestärkt, sie können nun sicherer vor Leute hinstehen. «Das kann ich für meinen Job mitnehmen.»

Umgekehrt habe ihr auch die Erfahrung als Hortleiterin im Präsidium geholfen. So müsse sie sich in der Kindertagesstätte häufig in kurzer Zeit einen Überblick über eine Situation verschaffen, und bei unerwarteten Ereignissen improvisieren. «Im Ratsbetrieb sind die Abläufe zwar viel klarer strukturiert. Trotzdem gibt es ungewöhnliche Situationen, in denen man rasch reagieren muss.»

An eine solche Situation kann sich Mounoud noch gut erinnern. Als der Gemeinderat im Herbst die Kürzung der Wintermantelzulage behandelte, unterlief den Stimmenzählern bei der Abstimmung ein entscheidender Fehler: Sie zählten gleich viele Nein- wie Ja-Stimmen, die Befürworter der Kürzung waren aber eigentlich in der Mehrheit. Mounoud musste den Stichentscheid fällen, den es nicht hätte geben dürfen, und schickte den Kürzungsantrag bachab.

«Als die rechte Ratsseite zu tuscheln begann, wusste ich, dass etwas schiefgelaufen ist», erinnert sie sich. Mounoud klärte den Fehler am Ende der Sitzung auf, die unterlegenen Gemeinderäte akzeptierten das Ergebnis. Heute könne sie auf diesen Moment gelassen zurückschauen, «doch damals sass ich schon etwas auf Nadeln.»

Wichtig sei, in einer solchen Situation nicht den Überblick zu verlieren. Das sei eins ihrer Ziele als Gemeinderatspräsidentin gewesen. Ein anderes, dass die Diskussionen im Rat fair und sachlich bleiben. «Zwei, drei Debatten waren grenzwertig.»

Die meiste Zeit sei der Umgangston aber gesittet gewesen – soweit das in der Politik eben möglich sei. «Dass gegen links oder rechts geschimpft wird, gehört dazu. Und so lange Kritik nicht auf die Person zielt, finde ich das in Ordnung.»

Meistgesehen

Artboard 1