Limmattalbahn
Abstimmungskampf: «Das Diskussionsniveau ist nicht tragbar»

Die Gemeinden rechts der Limmat hätten nichts von der Bahn, heisst es – die Präsidenten widersprechen.

Alex Rudolf
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«Die Gegner monieren, dass wir rechts der Limmat gar nicht direkt betroffen sind.» Hanspeter Haug Weiningen
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Der geplante Verlauf der Limmattalbahn
«Projekte des öffentlichen Verkehrs haben im Kanton erfahrungemäss gute Chancen.» René Rey Unterengstringen
«Wir von den Gemeinden rechts der Limmat sitzen im selben Boot wie der Rest des Bezirks.» Michael Deplazes Geroldswil
«Busse können relativ flexibel an den Takt der Limmattalbahn angepasst werden.» Paul Studer Oetwil
«Von unserer Seite des Tals verbessert sich der Anschluss an den öffentlichen Verkehr.» André Bender Oberengstringen
Gemeindepräsidenten rechts der Limmat

«Die Gegner monieren, dass wir rechts der Limmat gar nicht direkt betroffen sind.» Hanspeter Haug Weiningen

Alex Rudolf

Im altehrwürdigen Sitzungszimmer im Schlössli Weiningen haben sich die Präsidenten der Gemeinden rechts der Limmat eingefunden. In diesem mehrere hundert Jahre alten Bau wollen sie für ein Projekt kämpfen, das die Region für die Zukunft rüsten soll: die Limmattalbahn. «Wir sehen den Zeitpunkt gekommen, wo wir uns in aller Deutlichkeit und geeint für die Strassenbahn aussprechen wollen», sagt Hanspeter Haug (SVP/Weiningen). Seine Kollegen André Bender (SVP/Oberengstringen), René Rey (FDP/Unterengstringer Gemeindepräsident ad interim), Michael Deplazes (parteilos/Geroldswil) und Paul Studer (FDP/Oetwil) pflichten ihm nickend bei.

Der geplante Verlauf der Limmattalbahn

Der geplante Verlauf der Limmattalbahn

Limmattaler Zeitung

Einer der Hauptgründe für das plötzliche Einschreiten ist die Kampagne der Gegner im Abstimmungskampf. Dieser habe sich nun auf ein Niveau verschoben, das nicht mehr tragbar sei. «Weil die Argumente gegen die Bahn stets dieselben bleiben und man keine neuen findet, spielen die Gegner nun auf den Mann», so Haug. Die Leserbrief-Attacken auf Regierungsrat Ernst Stocker und Nationalrat Hans Egloff (beide SVP) seien «sehr respektlos».

André Bender verweist darauf, dass man der Bevölkerung ihrer Gemeinden mitteilen wolle, dass auch sie von der Bahn profitieren werden. «Von unserer Seite des Tals aus verbessert sich der Anschluss an den öffentlichen Verkehr», sagt er. Die an die Limmattalbahn gebundenen Massnahmen am Strassennetz, die den Verkehr aus den Stadtzentren von Schlieren und Dietikon bringen, profitiere ohnehin die Region – auch die Autofahrer von rechts der Limmat.

Sie erwarten Kritik

Bis anhin hielten sich die Exekutivmitglieder rechts der Limmat im Abstimmungskampf eher im Hintergrund auf. Zwar sprachen sie sich im Rahmen der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, im Komitee Pro Limmattalbahn und gemeinsam mit namhaften Politikern aus dem Kanton und den Gemeinden im Rahmen eines Manifestes für die Bahn aus. Doch ist dies der erste geschlossene Auftritt in der Öffentlichkeit.

«Wir von den Gemeinden rechts der Limmat sitzen im selben Boot wie der Rest des Bezirks.» Michael Deplazes Geroldswil

«Wir von den Gemeinden rechts der Limmat sitzen im selben Boot wie der Rest des Bezirks.» Michael Deplazes Geroldswil

Alex Rudolf

Dass ihnen für diesen Auftritt harsche Kritik von den Bahngegnern entgegenwehen wird, ist ihnen bewusst. «Die Gegnerschaft aus Schlieren und Dietikon wird vermutlich monieren, dass wir rechts der Limmat gar nicht direkt betroffen sind», nimmt Haug vorweg. Bereits im kantonalen Richtplan ist vermerkt, dass die linke Talseite eine Zentrumsfunktion innehat. «Von diesem zusätzlichen Verkehr, der in unsere Dörfer ausweichen würde, sind wir genauso betroffen wie die anderen Gemeinden des Bezirks», betont er. «Wir sitzen im selben Boot wie der Rest des Limmattals,» fügt Deplazes an und ergänzt, dass die Hauptachse durch ihre Dörfer – die Limmattalstrasse in Oetwil und Geroldswil, die in den restlichen Gemeinden zur Zürcherstrasse wird – bereits heute überlastet sei.

Neben der Verkehrsentlastung ihrer Dörfer sind sie aber auch davon überzeugt, dass viele ihrer Einwohner die Strassenbahn nutzen werden. In einer Absichtserklärung aus dem Jahr 2007 sprachen sich die Gemeindepräsidenten dafür aus, die Busverbindungen in Richtung linkes Limmattal noch zu verbessern. «Genaue Massnahmen sind darin jedoch nicht enthalten», so Studer. Dies sei aber auch nicht notwendig, da Busse relativ flexibel an den Takt der Bahn angepasst werden können. Zudem sei das Busangebot auf ihrer Talseite bereits sehr gut ausgebaut, ergänzt Deplazes.

Dass Elektrobusse eine geeignete Alternative wären, die Bahn zum Verkehrskollaps führe, oder die Ausgaben von rund 646,6 Millionen Franken, die auf den Kanton Zürich entfallen, zu hoch wären, halten die Gemeindepräsidenten für haltlose Gegenargumentationen: «Diese Angriffspunkte entkräften wir bereits seit Jahren. Doch die beiden Gegenkomitees beten diese Kritik gebetsmühlenartig herunter», so Haug.

Am 22. November erwarten die Gemeindepräsidenten ein Ja an der Urne: «Dies, weil Projekte des öffentlichen Verkehrs im Kanton erfahrungemäss gute Chancen haben», so Rey.