«Von dort drüben, wo derzeit Zuckerrüben aus dem Boden schiessen, bis zum Waldrand und noch weiter Richtung Zürich haben wir rund 3,8 Hektaren Ackerland gepachtet», sagt Fleur Seiler, die auf ihrem Islandpferd Keilir sitzt. Mit dem Finger zeigt sie erst gegen Westen, danach in östliche Richtung. Sie und ihr Ehemann Andreas Seiler – er bewirtschaftet diesen Boden seit seinem neunten Lebensjahr – können es kaum fassen, dass die Stadt Zürich das Gebiet Dunkelhölzli für gut 10,5 Millionen Franken aufwerten und zu einem Naherholungsgebiet mit Familien- und Gemeinschaftsgärten machen will. Hinzu kommen jährliche Folgekosten von knapp einer Million Franken. «Dabei sind wir doch schon inmitten eines Naherholungsgebiets», sagt Andreas Seiler verständnislos. Am 10. Juni befindet das Zürcher Stimmvolk über diese Vorlage. «Wir hoffen, dass die Menschen an die Urne strömen und ein Nein hineinwerfen, sodass alles so bleiben kann, wie es heute ist», sagt Andreas Seiler.

Seilers pachten einen Grossteil des Naherholungsgebiets Dunkelhölzli und bewirtschaften es teils mit Zuckerrüben, Weizen oder Raps. Auf ihrem Hof einige hundert Meter weiter westlich am alten Zürichweg in Schlieren halten sie 20 Kühe mit jeweils einem Kalb. An verschiedenen Orten in und um Schlieren unterhalten sie zudem Schnittblumenfelder. Und noch ein weiteres Standbein hat sich die Familie aufgebaut: Seit 2009 haben Seilers Islandpferde, heute sind es deren 17. Auf der Ovalbahn im Dunkelhölzli trainieren sie diese. «Aufgrund des Belags und der Biegung der Kurven ist die Bahn perfekt auf die Islandpferde ausgerichtet», sagt Fleur Seiler.

SVP und FDP sind dezidiert dagegen

Doch auf die Ovalbahn als Trainingsort können Seilers nicht mehr lange zurückgreifen. Denn die Stadt Zürich wurde im Dunkelhölzli aktiv, weil unter anderem auf dem Vulkanareal beim Bahnhof Altstetten bis kommendem Herbst 122 Familiengärten dem Bau des neuen ZSC-Stadions weichen müssen. Ersatz wurde den Hobbygärtnern versprochen. So sollen im Dunkelhölzli auf 3,8 Hektaren Familiengärten und Gemeinschaftsgärten sowie auf 2,8 Hektaren ein Park entstehen. Weiter wollen die Verantwortlichen das derzeit unterirdisch geführte Salzwegbächli freilegen.

So stellt sich die Stadt Zürich das Areal vor: Neben Familien- und Gemeinschaftsgärten soll auch ein Park entstehen.

So stellt sich die Stadt Zürich das Areal vor: Neben Familien- und Gemeinschaftsgärten soll auch ein Park entstehen.

Das Zürcher Stadtparlament kürzte die Kosten des ursprünglichen Projekts bereits um 2,3 Millionen Franken, indem es auf den Bau eines Gemeinschaftsgebäudes verzichtete. Der Preis von 10,5 Millionen Franken ist der FDP und der SVP aber zu hoch, weshalb sie das Behördenreferendum ergriffen haben und die Stadtzürcher nun über die Vorlage befinden werden.

Aus Sicht der Bürgerlichen reiche es aus, wenn man die wegfallenden Familiengärten auf dem Vulkanareal ersetze. «Genau so sehe ich das auch», sagt Andreas Seiler. Denn belasse man das Gebiet so wie es heute ist, verspiele man nichts. Seine Frau fügt an: «Mit den geplanten Arbeiten wird die Artenvielfalt sicherlich leiden – die bekommt man nicht mehr auf das heutige Niveau.»

Stadt steht hinter Projekt

Bereits heute habe es genügend Platz für die auf dem Vulkan-Areal wegfallenden Familiengärten, erklärt Seiler. Es müssten also keine weiteren Arbeiten getätigt werden. «Es ist richtig, dass wir einigen Gärtnerinnen und Gärtnern vom Vulkan, die ins Dunkelhölzli umziehen möchten, auch ohne dieses Projekt einen Garten anbieten können», sagt Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, auf Anfrage. Beim Projekt Dunkelhölzli handle es sich jedoch um eine von mehreren Massnahmen, um Verluste von Gartenland im ganzen Stadtgebiet zu kompensieren. Dies sei in einem Vorstoss aus dem Stadtparlament so gefordert worden.

Weiter unterstreicht Bräm den Mehrwert des Projektes. So schaffe es einerseits Gartenflächen, auf denen sich viele Menschen beim Gärtnern aktiv erholen können und andererseits eine parkähnliche Fläche mit Bächlein und Bänken zum Ausruhen. «Beides ist bislang im Dunkelhölzli nicht möglich.»

Mehrverkehr befürchtet

Voller Sorge blicken die Seilers in die Zukunft, falls das Stimmvolk Ja sagt. Denn so verschärfe sich das Verkehrsproblem. «Bereits heute stehen die Autos an den Wochenenden am Strassenrand. Es herrscht Chaos», sagt Fleur Seiler. «Wird das Dunkelhölzli aufgewertet, kommen noch mehr Menschen auch mit ihren Fahrzeugen hierher.»

Dass dies zum Problem werden könnte, glaubt Bräm nicht. So habe Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) im vergangenen Jahr ein Parkverbot für den Salzweg sowie ein Fahrverbot für den Mösliweg und die Dunkelhölzlistrasse verfügt. Auch im Verkehrskonzept Dunkelhölzli wird festgehalten, dass Erfahrungen zeigen, dass die Bereitstellung von Parkplätzen nach Parkplatzverordnung den Bedarf abdecke. «Dabei verfügen gerade 20 der 66 Kleingartenareale der Stadt Zürich über eigene Parkplätze», so Bräm.

Haben Seilers einen Plan B für den Fall, dass das Zürcher Stimmvolk die Vorlage des Stadtrates annimmt? In der Albisrieder Waldegg, unweit des Triemli-Spitals, habe ihnen die Stadt alternativ etwa gleich viel Land für den Anbau geboten. «Wann wir dieses allerdings erhalten werden, wissen wir noch nicht», so Seiler und er fügt an, dass der Erhalt des Ersatzlandes für die Existenz des Schlieremer Familienbetriebs wichtig sei, zumal hier im Dunkelhölzli rund ein Drittel der von den Seilers bewirtschafteten Fläche sei.

Was aber besonders schmerzhaft bleibe, sagt Seiler weiter, sei der Wegfall der Ovalbahn. Diese könne unter keinen Umständen ersetzt werden. Stimmen die Zürcher am 10. Juni also Ja, müssen die Islandpferde an einem anderen Ort trainiert werden.