Im Schlieremer Rietbach-Quartier nördlich der Bahngleise wachsen derzeit imposante Wohnblöcke aus dem Boden. Bei ihrer Fertigstellung 2020 braucht es einen neuen Kindergarten im Quartier, findet der Stadtrat. Die Frage, ob ein Kindergarten gemietet oder gebaut werden soll, treibt die Politiker um.

So unterbreitete der Stadtrat dem Gemeindeparlament eine Lösung, bei der Flächen in der aktuell entstehenden Liegenschaft der Geistlich-Immobilia gemietet werden. Im Detail geht es um rund 500 Quadratmeter im Erdgeschoss, die vorerst für 10 Jahre mit der Möglichkeit auf Verlängerung gemietet werden sollen. Darin soll ein Doppelkindergarten für 36 Kinder samt Infrastruktur für einen Mittagstisch untergebracht werden. Für den Ausbau würden kosten von 1,2 Millionen Franken anfallen sowie jährliche Mietkosten von 140'000 Franken.

In ihrem Postulat beurteilen die Schlieremer Grünliberalen um Parlamentarier Lukas Speck diesen Preis als zu hoch. Er rechnet, dass über die Dauer von 10 Jahren 3,7 Millionen Franken für den Doppelkindergarten ausgegeben würden. Mit diesem Betrag lasse sich sicherlich auch ein Eigenbau finanzieren, ist sich Speck sicher.

Es fehlt an Alternativen

Nun beschloss der Stadtrat, das Postulat nicht entgegenzunehmen, wie er mitteilte. In seiner Begründung dafür spielen die beiden Gestaltungspläne «Färbi» und «Geistlich» eine zentrale Rolle. In den zwei Bebauungsplänen für das Rietbach-Quartier seien weder eingeschossige Gebäudestrukturen noch Bauland für Kindergarten- oder Mittagstischstrukturen vorgesehen, wie der Stadtrat schreibt.

Dass ein Kindergarten an einem anderen Ort in Schlieren, etwa nördlich der Bernstrasse im Zelgliquartier oder auf der südlichen Seite der Gleise im Reitmen erstellt werden könnte, ist für den Stadtrat nicht denkbar. «Gemäss der Petition für eine sichere Engstringerkreuzung ist es sinnvoll, dass bei den rund 900 Wohneinheiten städtische Einrichtungen für Kinder im Vorschulalter vorhanden sind», schreibt der Stadtrat. Immerhin werden bei der Fertigstellung rund 3000 Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier leben, was einem Bevölkerungsanteil von rund 15 Prozent der Stadt entspricht. Die Krux ist jedoch, dass die Stadt in diesem Gebiet über kein Grundstück verfüge. Dass Schlieren seine Kindergärten zusehends in fremde Hände gibt und somit fremdbestimmt wird, glaubt die Stadt nicht. Denn: Von den heute 21 Kindergärten in der Stadt befinden sich deren 17 im Besitz der Stadt, bei den restlichen 4 mietet sie sich ein. Mit diesem Verhältnis zwischen Miet- und Eigentumslösungen zeigt man sich zufrieden.

Kosten inkorrekt berechnet?

Weiter übt die Exekutive Kritik an der Berechnung der Kosten der Grünliberalen. So würden beim Betrag von 3,7 Millionen Franken über 10 Jahre die Investitions- und Amortisationskosten sowie die Kosten für Mobiliar und Heizung addiert. «Dies ist nicht korrekt, da so gesamthaft zu hohe Kosten geltend gemacht werden. Die Kapitalfolgekosten beinhalten die Investitionsausgaben bereits», schreibt der Stadtrat. Auf Anfrage sagt Speck, dass man sich zum Thema nicht äussern wolle, da es noch nicht im Ratsbetrieb besprochen wurde.

Das Geschäft wird in der Sitzung des Gemeindeparlamentes vom kommenden Montag behandelt. Damit das Postulat an den Stadtrat überwiesen wird, braucht es eine Ratsmehrheit. Ob diese zustande kommt, ist offen. Wind in die Segel der Grünliberalen dürfte der Entscheid des Dietiker Stimmvolkes aus dem Jahr 2012 sein. Damals lehnte dieses ein Schulhaus zur Miete im Neubau-Quartier Limmatfeld mit 68 Prozent ab. Federführend beim Widerstand gegen die stadträtlichen Pläne waren damals die SP, die Grünen sowie die DP. Gekostet hätte das Schulhaus jährlich 1,3 Millionen Franken. Hinzugekommen wäre ein einmaliger Betrag von 2 Millionen Franken.

Entscheidet das Schlieremer Stadtparlament, den Vorstoss zu überweisen, hat die Exekutive sechs Monate Zeit, dem Gremium einen Bericht zur Erledigung oder zur geplanten Erledigung vorzulegen.