«Es ist wie ein Kampf gegen Dämonen. Eine Sisyphusarbeit, nie fertig, immer anstehend», heisst es im aktuellen «Engstringer Kurier», dem offiziellen Informationsblatt für die Gemeinden Unter- und Oberengstringen und dem angrenzenden Zürich-Höngg. Die Rede ist von der illegalen Abfallentsorgung, insbesondere im Quartier Rauchacker in Oberengstringen. Hier sei es besonders schlimm, heisst es weiter, da mischten Anwohner TV- und Mikrowellengeräte unter die Altpapiersammlung, Sperrgut und Hausrat zwischen die Kartonsammlung und verbotene Abfallsäcke würden auf die Strasse gestellt, «gefüllt mit Unrat und Esswaren».

Dies bestätigt Gemeinderat David Specker (FDP) auf Anfrage. Dass das Quartier Rauchacker besonders betroffen sei, habe demografische Gründe: «Hier gibt es viel günstigen Wohnraum, und die Anwohner verstehen oft kein oder nur ganz schlechtes Deutsch», sagt der Sicherheits- und Gesundheitsvorstand. Da würden dann auch die Plakate oder Infoblätter nicht viel bringen. Deshalb hätten die Gemeindemitarbeiter in letzter Zeit die illegalen Säcke vermehrt auf Hinweise durchsucht.

Gemeindepersonal bedroht

Eine andere Massnahme ist, dass man in Oberengstringen die Abwarte anhält, die Abfallsünder direkt auf ihr illegales Tun anzusprechen. «Leider werden sie aber häufig bedroht. Und auch das Gemeindepersonal ist schon beschimpft worden», sagt Specker. Weiter negierten die Sünder oftmals ihre Abfallsünden. Nun nimmt man in Oberengstringen die Verwaltungen stärker in die Pflicht. «Denn es kann nicht die Aufgabe der Gemeinde sein, die schwarzen Säcke zu entsorgen.» Gebüsst werden sollen deshalb nun auch die betroffenen Verwaltungen.

Das Abfallproblem kennt man nicht nur in Oberengstringen. Nur schon ein Blick über die Gemeindegrenze nach Unterengstringen genügt. «Auch bei uns gibt es viele Abfallsünder», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Pascal Brun. «Da bringen auch die Plakate, welche genau auf die Entsorgungsregeln hinweisen, nichts.» Besonders dreist seien jene Sünder, welche ihre schwarzen Säcke direkt neben eine dieser Info-Stelen legten. Auch die Untersuchung von illegalen Säcken sei meist wenig ergiebig, nur gerade in etwa einem Fünftel der Säcke fände man Hinweise auf Angaben zu einer Person. «Die Abfallsünder sind ja nicht blöd und achten darauf, möglichst keine Spuren zu hinterlassen.»

Unnötige Verwaltungsarbeit

Die Gemeindemitarbeiter koste es aber viel Zeit, die Säcke zu durchsuchen. «Eine Reklamation allein verursacht etwa eine Stunde Arbeit.» Brun rechnet weiter vor: Pro Woche sei mit einer Reklamation zu rechnen, das Abfallproblem koste die Gemeinde also insgesamt 52 Stunden pro Jahr. «Das entspricht einer ganzen Woche Verwaltungsarbeit. Kosten, die von den Steuerzahlern übernommen werden müssen.» Da sei es oft einfacher, wenn das Gemeindepersonal die schwarzen Säcke direkt entsorge.

Die Entsorgungsfirma Bader Paul Transporte AG, die unter anderem für den Abfall in Ober- und Unterengstringen zuständig ist, ist konsequent in Sachen Abfallsünder. «Kehrichtsäcke, die nicht gebührenkonform sind, werden stehen gelassen», sagt Charlotte Ritsch-Bader von der Bader AG. Dass aber Abfall illegal entsorgt wird, komme vor allem in grösseren Überbauungen immer wieder mal vor. «Es hat damit zu tun, dass die Einwohner dem Abfallkalender ihrer Gemeinde wenig Beachtung schenken und sich nicht an die Vorschriften halten.»

Respekt für Müllmänner ist gefragt

Leider stelle man auch zunehmend eine Gleichgültigkeit fest, obwohl der Abfall in der Verantwortung jedes einzelnen läge. Ein weiteres grosses Problem sei, so Ritsch-Bader weiter, dass die Leute den Abfall und auch den Karton zu früh raus stellten. «Die Säcke werden dann von Krähen und Haustieren beschädigt.»

Ritsch-Bader wünscht sich mehr Respekt gegenüber den Müllmännern. «Wichtig ist, dass der Abfall erst am Abfuhrtag bereit gestellt wird und zwar vor 7 Uhr.» Mancherorts gebe es aber auch zu wenige verfügbare Container - besonders für die vollen Säcke über die Feiertage.

Immerhin: In Oberengstringen hat sich das Problem bei den öffentlichen Sammelstellen der Gemeinde verbessert. Noch vor zwei Jahren wurde auch dort viel illegales Material deponiert (die Limmattaler Zeitung berichtete). Seit man die Abfalleimer aber abmontiert hat und die Hauptsammelstelle beim Werkgebäude nur noch zu den Arbeitszeiten der Angestellten geöffnet ist, habe sich die Situation deutlich verbessert, sagt Specker.