Vor dem Freizeithaus an der Brunngasse in Schlieren ist es ruhig. Doch zeugt herumliegender Unrat wie etwa eine Bierdose oder ein Taschentuch davon, dass der Platz ein beliebter Ort zum Verweilen ist. «Wer sich an solchen Verunreinigungen oder Beschädigungen an Strassenschildern oder Kunstwerken stört, braucht sich nicht länger telefonisch bei der Stadt zu melden, sondern kann den neuen Stadtmelder der Schlieren-App nutzen», sagt Astrid Romer, Kommunikationsbeauftragte der Stadt.

Auf der App kann die Kategorie der Meldung angegeben werden – etwa Abfall, Lichtsignale oder Strassenschäden. Danach kann der Nutzer den genauen Standort des Problems auf einer Stadtkarte einzeichnen oder gar die Adresse einfügen. Zur Illustration des Schadens könne nun ein Bild aus der Fotogalerie des Smartphones geladen werden. Dies sei aber optional, so Romer. Dann folg das Ausfüllen eines kurzen Formulars zum Beschrieb des Schadens sowie die Angabe der eigenen Mailadresse. «Darüber werden die Nutzer des Mängel-Melders über den aktuellen Stand der Dinge bezüglich der Reparatur oder Schadensbehebung informiert», so Romer.

«Blubb» und die Skulptur sinkt

Die Funktion ist bereits seit rund zwei Monaten in Betrieb. Dies jedoch nur testweise, da man erste Erfahrungen sammeln wollte. Seit Mitte März wird die Funktion auch auf der Startseite der App als Option angezeigt. In der Testphase machten bereits mehrere Schlieremer die Stadt auf Mängel aufmerksam. Unter dem Titel «Blubb» beispielsweise teilte ein aufmerksamer Stadtpark-Nutzer mit, dass das Kunstwerk im Weiher versenkt worden sei.

Weiter gibt es Einträge für eine umgekippte Hinweistafel an der Zürcherstrasse oder ein Schlagloch an der Grabenstrasse. «Dass diese auf der Karte der App grün eingezeichnet sind, weist darauf hin, dass die Mängel bereits behoben worden sind. Sind sie orange, dann arbeiten wir noch daran», so Romer. Bereits im Jahr 2013 testete die Stadt Zürich ein vergleichbares Angebot und führte es Mitte 2014 definitiv ein. Mit der App «Zürich wie neu» können Einwohner Mängel an der Infrastruktur melden. In der ersten Betriebswoche trafen bei der Stadt rund 300 Meldungen ein, im ersten Jahr waren es deren rund 2700.

Ein Postulat des Dietiker Gemeinderates Philipp Müller (FDP) verlangte Anfang 2014 eine ähnliche App für Dietikon. Der Stadtrat beurteilte dies jedoch als unverhältnismässig, da monatlich lediglich rund fünf Meldungen von Mängeln bei der Stadt eintreffen würden. Dies würde in keinem Verhältnis stehen zu den Kosten von rund 16 000 Franken für das Installieren der App und die monatlichen Unterhaltskosten von 800 Franken, wie Stadtpräsident Otto Müller damals sagte.

Der Schlieremer Mängel-Melder war günstiger: 5000 Franken habe die Stadt dafür bezahlt. Romer hält diese Kosten für vertretbar, denn es gehe nicht nur um das Melden von beschädigten Randsteinen und defekten Strassenlaternen: «Viel eher wollen wir neue Kommunikationswege mit der Bevölkerung schaffen.» So müsse es das Ziel sein, dass die Bevölkerung ihre Anliegen schnell und unkompliziert bei der Verwaltung deponieren könne – auch mit dem Smartphone.

«Wenn es gelingt, Meldungen, die heute noch über Telefon oder E-Mail irgendwo in der Verwaltung eintreffen, auf der App zu kanalisieren, kann die Kommunikation mit der Bevölkerung effizienter abgewickelt werden», so Romer. Aktuell bewirtschaften Werkhof-Angestellte die meisten eingehenden Meldungen. In einzelnen Fällen müssen Mängel aber an externe Stellen weitergeleitet werden. Beispielsweise jene an Staatsstrassen, für welche das Strasseninspektorat des Kantons zuständig ist.

Steuerformular via App?

Bedenken gab es bei der Stadt vor der Lancierung in Bezug auf die Seriosität der Meldungen. «Erfahrungen aus anderen Städten wie Zürich, St. Gallen oder Gossau zeigen jedoch, dass kaum Schabernack getrieben wird», sagt sie. Auch, dass Einwohner beispielsweise Steuerformulare oder Ähnliches über die App zu bestellen versuchten, sei zum Glück noch nicht vorgekommen. «Langfristig könnte aber – im Sinne der E-Government-Strategie – die App auch auf andere Ressorts ausgeweitet werden, sodass man via Smartphone auch weitere Anliegen deponieren kann», so Romer.