So abwechslungsreich die Namen der 138 ausgestellten Bilder daherkommen, so mannigfaltig sind deren Aussagen. «Eisstrukturen», «Oberer Grindelwaldgletscher», «Eiszeit», «Eisriesen» heissen die Titel, oder auch «Unterwegs im Irgendwo» und «Klimaerwärmung». Vielfältig sind ebenso die Techniken und Materialien.

Auf die 54 Künstlerinnen und Künstler der Gilde Schweizer Bergmaler mit Sitz in Grindelwald üben die Berge eine grosse, wenn nicht gar magische Anziehungskraft aus. Sie rufen, faszinieren und laden ein zu Ferien, Ausflügen, Wanderungen oder Bergtouren. Das Staunen, die Freude und die Faszination der Schweizer Bergwelt spiegeln sich in all den Bildern wider.

Vielfalt und Ideenreichtum

An der Vernissage begrüsste unter anderem auch Stadtpräsident Otto Müller die zahlreich erschienenen Gäste, Freunde und Kunstschaffenden. «Ich staune ob der Vielfalt, dem Ideenreichtum, der perfekten Umsetzung und der Liebe zu unserer Bergwelt», sagte Müller. Er sei stolz, dass Dietikon der diesjährige Ausstellungsort der Gilde Schweizer Bergmaler sei.

Grindelwald war vor 23 Jahren der Gründungsort der Stiftung. «Parallelen zwischen Grindelwald und Dietikon zu finden, ist nicht so einfach», betonte der Stadtpräsident und fuhr fort: «Die Gemeinden sind unterschiedlich, das ist offensichtlich und spiegelt die Vielfalt der Schweiz.» Doch es gäbe auch Gemeinsamkeiten, so zum Beispiel die Gletscher: «Sie haben unser Limmattal zur Zeit der Eiszeit geprägt, das Tal rund geformt, Moränen hinterlassen und den einen oder anderen Findling gebracht.» So gebe es ganz in der Nähe im Oberdorf einen riesigen Findling – ein roter Ackerstein – zu bewundern. Dieser habe in der letzten Eiszeit mit dem Linthgletscher eine Reise aus dem Glarnerland ins heutige Limmattal gemacht. Grindelwald habe heute noch Gletscher, Gletscher, die leider schmelzen. «Ab und zu tun sie mir fast leid, wenn sie so der Sonne ausgesetzt sind, sich nicht wehren können und schwitzen – fast wie wir heute», so Müller.

Rasanter Rückgang der Eismassen

In der Tat: Mit dem Sonderthema «Gletscherwelten» dieser 17. Jahresausstellung ist der Schwerpunkt auf ein aktuelles Thema gesetzt. Denn der rasante Rückgang der Eismassen in den Hochgebirgen ist immer mehr sicht- und erlebbar. Die Klimaerwärmung gewinnt zunehmend an Aktualität und ist gleichzeitig eine grosse künstlerische Herausforderung.

Man kann zwar den Gedanken an die Klimaerwärmung verdrängen oder herabspielen. Aber die eindrücklichste Antwort, dass es sie gibt, geben die Gletscher selber. «Die Gletscher um Dietikon sind schon längst abgeschmolzen», sagte der Redner am Schluss seiner Begrüssungsworte, «dieser Rückgang fordert uns auf, die verschiedensten Aspekte dieser faszinierenden Eiswelt darzustellen – so lang das noch möglich ist. Berge bedeuten ein Stück Heimat und sind auch für die Menschen im städtischen Raum wichtige Orte der Erholung, des Rückzugs, des Sportes oder einfach der Freude.»

Zurück zu den ausgestellten Bildern: Es sind Abbilder und ebenso Zeugen von einer lebendigen, kraftvollen und kostbaren Alpenwelt: farbig, echt, vielseitig und erlebbar. So auch das Acrylgemälde «Eisstrukturen, Mont Blanc» der 58-jährigen Doris Bosshard aus Dietikon, die erstmals mit der Gilde ausstellt.

Imposant sind die grossformatigen Bilder und stark in der Wirkung. Vielfach sind die Farben eher kalt. Dennoch strömen die Werke Wärme aus. Die Formen sind zum Teil hart und bizarr. Trotzdem wirken die meisten Bilder harmonisch und zugleich weich. Sie strahlen Einsamkeit, Ruhe und Gelassenheit aus. Der Betrachter erlebt die Berge und Gletscher als einen Ort der inneren und äusseren Kraft.

Ausstellung Gletscherwelten in den Reppisch-Hallen, noch bis 1. Oktober 2011. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17.30 Uhr; Samstag/Sonntag: 10 bis 16 Uhr.