Schlieren

Ab heute rücken die Bagger der ehemaligen Schwesternschule zu Leibe

Das Theodosianum-Gebäude wird abgerissen und macht Platz für das Neubauprojekt «LimmiViva». Mit ihm verschwindet der letzte Zeuge einer Institution: Der Krankenanstalt der Ordensschwestern der Klosters Ingebohl.

Es sind die letzten Stunden des geschichtsträchtigen Gebäudes. Ab heute geht es ihm an dem Kragen. Es wird «abgeknabbert», wie es auf der Baustelle heisst. Das Gebäude wird also vom obersten Stockwerk her zurückgebaut, bis von ihm nichts mehr übrig ist. Dann werden beim Spital Limmattal die letzten Spuren der Schwesternschule Theodosianum verschwunden sein.

Damit das Gebäude im Zuge der Arbeiten für das Neubauprojekt «LimmiViva» abgerissen werden kann, waren einige Vorbereitungen nötig. Bis gestern wurde es entkernt, wie LimmiViva-Gesamtprojektleiter Nils Eichbaum sagt. «Das ist bei Abbrucharbeiten üblich. Dabei werden sämtliche nicht stein- oder betonähnlichen Materialien wie Glas oder Holz aus dem Gebäude entfernt und voneinander getrennt», so Eichbaum. Das sei nicht nur eine gesetzliche Auflage, sondern auch eine ökologische Massnahme. Zudem komme es vor, dass der abgebaute Beton später bei einem Neubau wieder verwendet werden könne.

Seit 1970 in Schlieren

Auch wenn man es dem Gebäude heute nicht mehr ansieht, endet mit seinem Abbruch die Geschichte einer Institution. Das Theodosianum wurde 1887 von den Ordensschwestern des Klosters Ingenbohl als Krankenanstalt am Klusplatz in der Stadt Zürich eingerichtet, und zwar im vom Kloster erworbenen Gebäude Hotel und Pension Schwanen. Das Spital hatte bis 1970 Bestand. Aus Limmattaler Sicht ist mit dem Theodosianum vor allem die Schule für Kranken- und Gesundheitspflege beim Spital Limmattal verbunden. Sie wurde 1952 ebenfalls am Klusplatz gegründet. 1970 zog sie schliesslich nach Schlieren.

Mit ein Grund für den Umzug war der Bau des Limmattalspitals. Denn das neue Spital brauchte Pflegepersonal, viel Pflegepersonal. Die Frage war nur, woher dieses rekrutiert werden sollte. Zu jenem Zeitpunkt Ende der 1960er-Jahre war die Inbetriebnahme weiterer neuer Spitäler geplant. Kam hinzu, dass bereits 1963 in der Schweiz 4500 Krankenschwestern fehlten. Den damaligen Verantwortlichen blieben drei Möglichkeiten. Sie konnten erstens darauf vertrauen, dass sie auf dem Stellenmarkt genügend Personal finden würden. Die zweite Möglichkeit bestand darin, eine eigene Schule zur Ausbildung von Schwestern zu gründen. Und drittens stand die Variante im Raum, eine bestehende Schule zu übernehmen oder sich daran zu beteiligen.

Der Entscheid fiel schliesslich zugunsten der letzten Möglichkeit. Allerdings erwies sich die Suche alles andere als einfach. 33 Schulen erteilten den Spitalverantwortlichen eine Absage, ehe mit dem Theodosianum eine Einigung erzielt werden konnte. Und so zogen im Frühling 1970 22 Ordensfrauen nach Schlieren.

Die Schule blieb bis 2009 bestehen. Dann schloss sie ihre Türen für immer. Grund war ein Regierungsratsbeschluss aus dem Jahr 2004. Dieser verlangte eine Konzentration der Bildungsstätten im Gesundheitswesen an den zwei Standorten Zürich und Winterthur.

Ab 2011 mietete sich das Schulhaus Kalktarren mit vier Klassen in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schwesternschule ein, weil das bestehende Schulhaus aus allen Nähten platzte. Seit letztem Sommer steht das Gebäude nun ganz leer – und wird nun abgeknabbert.

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