n der Schweiz befanden sich per Ende Juli rund 66 600 Personen im Asylprozess. Davon leben etwa 11 500 im Kanton Zürich. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM) hervor. Welche Gründe sie in die Schweiz geführt haben, bleibt offen. Sicher ist hingegen, dass die meisten von ihnen illegal eingereist sind und ihre Asylgesuche direkt bei einem Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM eingereicht haben.

In der Regel, so das SEM, sind illegal Einreisende recht gut über das schweizerische Asylverfahren informiert und kennen meist auch die Adresse eines der EVZ. Es besteht aber auch die Möglichkeit, seinen Antrag an einem Grenzposten oder bei der Grenzkontrolle eines Schweizer Flughafens zu stellen. Bei der Einreichung des Gesuchs muss der Gesuchsteller die Behörden über seine Identität informieren und diese wenn möglich mit offiziellen Dokumenten belegen. Zudem ist er angehalten, Auskunft über die Gründe zu geben, die ihn dazu veranlasst haben, sein Heimatland zu verlassen.

Ab diesem Punkt durchlaufen Asylsuchende je nach Verlauf und Ausgang des Verfahrens verschiedene Stationen. So muss das SEM bei einem Gesuchsteller am Flughafen entscheiden, ob die Einreise in die Schweiz bewilligt wird oder nicht. Im ersten Fall gelangt die asylsuchende Person ebenfalls in ein EVZ. Dort werden unter anderem die Personalien registriert, Fingerabdrücke genommen und Abklärungen über den Gesundheitszustand gemacht. Laut SEM geben jedoch rund 75 Prozent der Asylsuchenden bei der Einreichung ihres Asylgesuchs keine amtlichen Identitätspapiere ab. Dadurch wird eine Identifizierung erschwert oder gar verunmöglicht. Zudem wird eine erste Befragung durchgeführt.

Maximal 90 Tage

Nun muss das SEM entscheiden, ob die Schweiz ein Asylgesuch inhaltlich prüfen muss oder ob dafür ein anderer Staat im Rahmen des sogenannten Dublin-Verfahrens zuständig ist. Ein Antrag wird auch dann nicht inhaltlich geprüft, wenn er ausschliesslich aus wirtschaftlichen oder medizinischen Gründen gestellt wurde oder wenn die asylsuchende Person in einen sogenannt sicheren Drittstaat zurückkehren kann. In solchen Fällen treten die Behörden nicht auf das Gesuch ein und die betroffene Person muss die Schweiz in der Regel rasch verlassen.

Die maximale Aufenthaltsdauer in einem EVZ beträgt 90 Tage. Ein beschleunigtes Verfahren wird dann angewandt, wenn das Asylgesuch offensichtlich unbegründet und missbräuchlichen ist. Oder aber auch bei klar positiven Fällen. Braucht das SEM länger als die 90 Tage, um ein Gesuch zu prüfen, werden Asylsuchende nach einem von der Einwohnergrösse abhängigen Verteilschlüssel einem Kanton zugeteilt.

Der Kanton Zürich etwa muss 17 Prozent der in einem EVZ registrierten Personen aufnehmen. Asylsuchende erhalten dann den Ausweis N und leben in der Regel in einem Durchgangszentrum. Diese Erstaufnahmephase dauert zwischen zwei bis sechs Monate. Danach werden die Personen auf Asylunterkünfte in die Gemeinden verteilt. Dabei gilt, dass jede Gemeinde pro 1000 Einwohner 7 Personen aufnimmt. Für ihre Betreuung, Fürsorge und Unterbringung ist im Kanton Zürich das Sozialamt zuständig.

Nach der Zuteilung zu einem Kanton erfolgt im Normalfall eine zweite, ausführlichere Anhörung. Für Personen mit dem N-Ausweis gilt ein generelles Arbeitsverbot von bis zu sechs Monaten. Danach dürfen sie in gewissen Branchen wie Landwirtschaft oder Gastronomie arbeiten, falls es die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage zulässt. Zudem gilt der Inländervorrang.

Wird das Asylgesuch gutgeheissen, bekommt die Person einen B-Ausweis sowie einen Reiseausweis für Flüchtlinge. Für anerkannte Flüchtlinge werden verschiedene Integrationsprogramme angeboten. Sie können Arbeiten, brauchen aber eine Bewilligung. Nach zehn Jahren Aufenthalt in der Schweiz kann eine unbefristete Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) erteilt werden. Eine asylsuchende Person kann auch vorläufig aufgenommen werden – wenn ihr zwar kein Asyl gewährt wird, ihre Wegweisung aus der Schweiz jedoch nicht durchgeführt werden darf, weil der Vollzug unzulässig, unzumutbar oder unmöglich ist.

Vorläufig aufgenommene Personen erhalten einen F-Ausweis sowie einen Reiseausweis für Flüchtlinge. Auch sie brauchen für einen Stellenantritt eine Bewilligung. Nach fünf Jahren in der Schweiz können vorläufig Aufgenommene eine Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B) beantragen. Wird einem Asylsuchenden kein Asyl gewährt und steht einer Rückkehr in den Heimatstaat rechtlich nichts im Weg, dann wird das Asylgesuch abgelehnt und die betroffene Person muss die Schweiz innerhalb der angesetzten Ausreisefrist verlassen. Gegen diesen Entscheid kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingelegt werden. Es ist die erste und gleichzeitig letzte Beschwerdeinstanz.