Die Bergdietiker Band «Mike Eric & Chemical Blue Elephants» hat sich mit Haut und Haar dem Blues verschrieben. Und sie will dem Blues wieder den Platz verschaffen, den er in der Musikszene verdient. Dazu hat sie 2011 den jährlichen Event «Bluesmerize» lanciert, als Plattform für Bluesliebhaber jeden Alters. Ein Event, der jeweils im privaten Rahmen im Bandraum im Industriequartier im Wiesenthal stattfindet.

Doch das ist den Jungs zu wenig. Da muss mehr her. Und weil es in der Region an passenden Konzertlokalen fehlt, haben sie kurzerhand beschlossen, im Jahr 2014 ein Open Air für Blues, Funk und Jazz auf die Beine zu stellen. Vor wenigen Wochen haben sie zu diesem Zweck den Verein «Bluesmerize» gegründet - ein Wortspiel aus «Blues» und dem Verb «to mesmerize» für «faszinieren» oder «fesseln».

Blues soll nicht für Alte sein

Selber handeln, statt die Faust im Sack zu machen: So lautet die Devise. «Anlässe für Musik, wie wir sie machen, gibt es kaum. Veranstalter ziehen Rock und Indie vor», sagt Pianist Davide Valerio. Zu sehr würde dem Blues das Alte, Verkrustete, das Seichte und Langweilige anhaften. Damit locke man die Leute nicht hinter dem Ofen hervor. «Dieses Risiko wollen die Veranstalter nicht eingehen», sagt Valerio. Da nützt auch das Klinkenputzen mit Demo-CDs in der Hand nichts. Der Tenor sei überall der Gleiche: Blues ist etwas für Alte.

Die Bergdietiker Band widerlegt dieses Klischee: Der harte Kern ist zwischen 23 und 30 Jahre alt; einzig der neue Gitarrist tanzt mit 42 Jahren ein wenig aus der Reihe. Wohl ist aber die Band verhältnismässig alt, gegründet wurde sie 2003. Als Teenager schrummelten die Jungs im Jugendhaus auf ihren Instrumenten herum, flirteten damals bereits mit dem Blues. Definitiv dazu brachte sie schliesslich kein Geringerer als einer der besten Blues-Musiker der heutigen Zeit; Philipp Fankhauser. Die Bergdietiker spielten 2007 als Fankhausers Vorgruppe im Dietiker Sounddock. Ein Erlebnis, an das sie noch heute mit gemischten Gefühlen zurückdenken: «Wir waren ihm überhaupt nicht würdig», sagt Valerio und lacht. «Wir hatten wohl Freude an der Musik, aber gut waren wir noch lange nicht.» Fankhauser gab den jungen Musikern zwei Ratschläge mit: «Weniger ist mehr» und «sucht einen Sänger». «Damals haben wir noch keinen klassischen Blues gespielt, haben die Stücke viel zu sehr ausgeschmückt», sagt Bassist Kim Ferrari. Sie wurden ruhiger und erklärten Gitarrist Mike Kaufmann kurzerhand zum Sänger - weil er nach einem mehrmonatigen USA-Aufenthalt am besten Englisch konnte.

Szene wiederbeleben

Fankhausers Tipps wirkten. Seit 2009 sind «Mike Eric & Chemical Blue Elephants» an verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten. Aber die Vorbehalte sind geblieben. «Wir werden immer wieder gefragt, wie wir Jungspunde solche Musik machen können», sagt Valerio. Blues sei schliesslich Musik, die das Leben schreibe. Und genau hier soll das Open Air Gegensteuer geben: «Wir wollen den Leuten zeigen, dass auch junge Menschen Blues spielen können», sagt Sänger und Gitarrist Mike Kaufmann. Und Ferrari ergänzt: «Mit dem Open Air wollen wir die Blues-Szene wiederbeleben - den Blues fördern und jungen Bands die Chance geben, vor Publikum auftreten zu können.»

Noch ist die Open-Air-Idee ganz frisch. Aber den Vereinsmitgliedern schwebt schon allerlei vor: Einen Tag lang soll das Open Air dauern, drei Bands sollen auftreten, dazu gibt es Barbetrieb. In den nächsten vier Monaten wird das Konzept ausgearbeitet, das Logo kreiert und die Homepage aufgeschaltet. Eine Eintagsfliege soll es keinesfalls werden: «Wir hoffen, dass die Gemeinde den Anlass mitträgt und er zu einem fixen Punkt im Jahresprogramm wird», sagt Valerio. «Das Open Air soll zu einer Bereicherung für das Dorf werden.»