Birmensdorf
Aargauer Senioren zieht es nach Birmensdorf

Die Genossenschaft Alterszentrum am Bach stimmt heute Abend über eine Leistungsvereinbarung mit der Aargauer Gemeinde Arni ab. Beliebt ist das Zentrum bei Aargauer Senioren.

Nicole Emmenegger
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Das Erdgeschoss ist im Bau, die erste Mitarbeiterin ist angestellt: Das Alterszentrum am Bach in Birmensdorf nimmt Form an. nem

Das Erdgeschoss ist im Bau, die erste Mitarbeiterin ist angestellt: Das Alterszentrum am Bach in Birmensdorf nimmt Form an. nem

Limmattaler Zeitung

Das Alterszentrum am Bach nimmt sichtbar Form an: Das Erdgeschoss ist im Bau, und im Untergeschoss sind bereits die Nasszellen eingelagert. Die erste Angestellte hat kürzlich ihren Teilzeitjob in der Administration aufgenommen. Jetzt folgt der nächste Meilenstein: Heute stimmt die Generalversammlung der Genossenschaft Alterszentrum am Bach über die Eckpunkte einer Leistungsvereinbarung mit der Aargauer Gemeinde Arni ab. Diese soll laut Abstimmungsvorlage ein Anrecht auf elf Plätze im Alterszentrum erhalten. Als Gegenleistung würde Arni mit einer Einlage von 33000 Franken Genossenschaftsmitglied werden. Zudem müsste Arni garantieren, dass die elf reservierten Betten tatsächlich belegt werden – sei es mit Senioren aus der eigenen oder aus anderen Gemeinden. Gelingt dies nicht, übernimmt Arni gemäss der Vereinbarung die Hotelleriekosten der leer stehenden Betten.

Im Unterschied zu den Gemeinden Aesch und Birmensdorf soll die Gemeinde Arni nicht Trägerin der Genossenschaft werden. Der Genossenschaftsvorstand und die Gemeinderäte von Aesch und Birmensdorf haben die Eckpunkte der Vereinbarung bereits abgesegnet. Das letzte Wort werden im Sommer die Stimmbürger von Arni an der Gemeindeversammlung haben.

Überkapazität abgebaut

Dass die Genossenschaft mit Arni eine Leistungsvereinbarung eingehen soll, hat laut Präsident Karl Traub betriebswirtschaftliche Gründe. Man habe sich dazu entschlossen, die Anzahl Betreuungsplätze im Alterszentrum durch eine Umnutzung von Reserveräumen und durch die Schaffung einzelner Zweierzimmer aufzustocken: von ursprünglich geplanten 50 auf 61 Betten. Die Einnahmen bei nur 50 Betten stünden in einem Missverhältnis zu den Fixkosten für die benötigte Infrastruktur und für das Personal, so Traub. «Mit 61 Betten können wir bei vergleichbaren Fixkosten rund 15 Prozent mehr Einnahmen erzielen», ergänzt Vizepräsident Bruno Letsch.

Durch die Aufstockung werde das Alterszentrum am Bach allerdings – voraussichtlich auch längerfristig – eine Nummer zu gross sein für einen Alleingang von Birmensdorf und Aesch. «Die 50 Betten, von denen wir vorerst ausgingen, waren nicht aus den Fingern gesaugt», so Letsch. Man habe sich bei der Planung an der demografischen Entwicklung in Birmensdorf und Aesch orientiert.

Mit einer Unterkapazität hatte hingegen die Gemeinde Arni zu kämpfen: Ihr fehlten elf Pflege- und Betreuungsplätze für Betagte, um die Auflagen des Kantons Aargau zu erfüllen. «Man hätte es nicht besser planen können. Die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg würde die Anliegen beider Seiten erfüllen», sagt Letsch. Genossenschaftspräsident Traub zeigt sich überzeugt, dass auch die Senioren aus Arni von der Lösung profitieren würden – selbst wenn sie ihren Lebensabend in einem anderen Kanton verbrächten: «Die Einwohner von Arni sind stärker nach Birmensdorf ausgerichtet als nach Aargauer Gemeinden.» Das Alterszentrum am Bach sei für Angehörige aus Arni mit dem Bus gut erreichbar.

Grünes Licht aus dem Aargau

Die kantonal unterschiedlichen Verrechnungspraktiken für Pflege- und Betreuungsleistungen sollten laut Vizepräsident Letsch kein Hindernis für eine Kooperation mit Arni sein: «Wir werden ein einheitliches System anwenden. Der Kanton Aargau hat der Gemeinde Arni grünes Licht gegeben, dass dies grundsätzlich möglich ist», so Letsch.

Die vorausgesehene Laufzeit des Vertrages mit Arni beträgt 20 Jahre – mit Option auf eine zweifache Verlängerung. Und was, wenn die Birmensdorfer und Aescher Senioren bald keinen Platz mehr im «eigenen» Alterszentrum finden? «Davon gehen wir nicht aus», sagt Traub: «Nicht alle Betagten aus Birmensdorf und Aesch werden einen Betreuungsplatz in unserem Alterszentrum wählen. Zudem senken alternative Angebote wie die Spitex die Nachfrage, die Menschen bleiben im Alter länger selbstständig.»