Bergdietikon

Aargau schafft Schulpflegen ganz ab: Niemand ist von dieser Reform so überzeugt wie das Bergdietiker Volk

Gemeindehaus Bergdietikon

Gemeindehaus

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Der bildungspolitische Graben zwischen Zürich und dem Aargau wird immer grösser – im Limmattal zeigt er sich besonders krass.

Wer braucht denn heutzutage noch Schulpflegen? Der Aargau nicht, befand das Aargauer Volk am Sonntag: Es stimmte der kantonsweiten Abschaffung der Schulpflegen zu. In Bergdietikon fand die entsprechende Verfassungsreform die höchste Zustimmung. 71,6 Prozent betrug der Ja-Stimmen­anteil unter den Berglerinnen und Berglern. In keiner anderen der total 210 Aargauer Gemeinden lag der Ja-Stimmenanteil bei über 70 Prozent. Auch bei der Änderung des Schulgesetzes, die für diese Reform ebenfalls nötig war, resultierte ein deutliches Ja: In Bergdietikon waren es 70,8 Prozent.

Diese Abstimmungsresultate sorgen für eine interessante Grenzsituation. Während es in Bergdietikon bald keine Schulpflege mehr gibt, existiert in Urdorf – wie in anderen Gemeinden des Zürcher Limmattals – nach wie vor noch eine separate Schulgemeinde, die von der politischen Gemeinde unabhängig ist und über einen eigenen Steuerfuss et cetera verfügt. Die Gemeindegrenze markiert damit neu einen sehr grossen bildungspolitischen Unterschied.

Schulpfleger: «Die Schule wird genau gleich funktionieren»

Bergdietikon steht als Speerspitze der Schulpflege-Abschaffer stellvertretend für den ganzen Bezirk Baden. Mit 61,9 Prozent wies dieser von allen zehn Aargauer Bezirken die höchste Zustimmungsrate zur Verfassungsreform auf. Im ganzen Aargau lag diese nur noch bei 56,5 Prozent.

Aus Sicht des höchsten Aargauer Schulpflegers ist die nun beschlossene Reform kein Weltuntergang. «Wir sind enttäuscht. Es ist der falsche Schritt. Aber die Enttäuschung hält sich in Grenzen, denn die Schule wird weiterhin genau gleich funktionieren», sagte Franco Corsiglia (FDP), der Präsident des Verbands der Aargauer Schulpräsidenten und selber Präsident der Schulpflege Wohlen, gestern gegenüber dem Aargauer Fernsehsender Tele M1.

Erste Reaktionen: Schulpflege im Aargau wird abgeschafft

So reagieren CVP-Grossrätin Maya Bally, Grüne Grossrätin Ruth Müri und Franco Corsiglia, Präsident Verband Aargauer Schulpflegepräsidenten, auf die Abschaffung der Schulpflege.

«14 Jahre nach Einführung der geleiteten Schulen haben wir gesehen, dass es die Schulpflegen eigentlich nicht mehr braucht. Die Schulleitungen haben ganz viele Aufgaben der Schulpflegen übernommen und mit den neuen Führungsstrukturen können wir eine effiziente Führung der Schule umsetzen», sagte zudem die Aargauer Kantonsparlamentarierin Ruth Müri (Grüne) gestern Mittag, als aus den Aargauer Gemeinden ein Ja-Resultat nach dem anderen vermeldet wurde.

Die Bergdietiker Schulpflege umfasst fünf Personen. Neben Präsident Andreas Luchsinger und Vizepräsidentin Nadine Hagenstein sitzen Melanie Holdener, Aline Giovanoli und Patrick Schafflützel in diesem Gremium, das es nun bald nicht mehr geben wird.

Die neue Führungsstruktur der ­Aargauer Schulen soll per 1. Januar 2022 umgesetzt werden. Dann übernimmt der Gemeinderat die Gesamtverantwortung für die Schule. Alle Kompetenzen und Aufgaben der Schulpflegen werden an ihn über­tragen.

Das neue Aargauer Energiegesetz lehnte das Volk gestern ab. (deg)

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