Wochenkommentar

A1-Überdeckung: Wir haben uns die Zusage aus Bern gemerkt!

Soll auf 100 Metern einen Deckel kriegen: Autobahn-Abschnitt vor dem Gubrist Tunnel.

Soll auf 100 Metern einen Deckel kriegen: Autobahn-Abschnitt vor dem Gubrist Tunnel.

Weiningen begnügt sich mit 100 Metern Lärmschutz statt der Variante 270 Meter - dies ist ein Kompromisvorschlag, zu dem der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker vom Bundesamt für Strassen eine mündliche Zusage erhalten haben will.

Sollen die Weiningerinnen und Weininger geschützt werden? Zum Beispiel vor dem Lärm der Autobahn? Anders gefragt: Wäre es nicht sinnvoll, im Zuge des Ausbaus des Gubristtunnels um eine dritte Röhre, mit einer Überdeckung der A1 vor dem Südportal mehr Ruhe für das Weindorf zu erhalten? Lärm, das ist bekannt, verursacht Stress und beeinträchtigt die Gesundheit.

Bevor wir uns der Antwort widmen, wollen wir uns zwei Dinge vor Augen halten. Erstens: Den Gubrist durchfahren Tag für Tag 110 000 Fahrzeuge. Zum Vergleich: Den berühmtesten Schweizer Strassentunnel am Gotthard nutzen täglich 18 000 Fahrzeuge. Das sind sechsmal weniger. Der Gubrist ist der meistfrequentierte Strassenabschnitt der Schweiz.

Zweitens: Fährt man auf der A1 ein paar Kilometer Richtung Norden, so passiert man die Naturschutzgebiete «Hänsiried» und «Allmend» entlang dem Katzensee. Es ist eine schöne Gegend mit seltenen Pflanzen- und Tierarten. Menschenleer. Idyllisch. Eine Überdeckung von 580 Metern soll dieses Bijou vor dem Autobahnlärm schützen und die Landschaft vernetzen. Diese gute Idee wird 114 Millionen Franken kosten.

Kehren wir ins Limmattal zurück. Es gibt hier ebenfalls Naturschutzgebiete. Hier leben aber auch Menschen. Es sind nicht mal wenige. Über 80 000 - Tendenz steigend. Eine Autobahnüberdeckung sucht man hier allerdings vergebens.

Dafür findet man mit der A1 und der Westumfahrung zwei Autobahnen. Der grösste Rangierbahnhof der Schweiz quietscht ebenfalls im Limmattal. Und ja, auch die SBB rattern im Minutentakt durch die Gegend.

Nun, diese Infrastruktur hat auch ihre Vorteile für das Limmattal, zweifelsohne, aber hier trägt eine lokale Bevölkerung Lasten, von denen die ganze Schweiz profitiert. Just im Limmattal soll es aber keine Autobahnüberdeckung geben, wenn es nach dem Bundesamt für Strassen gehen würde. Keinen Lärmschutz wie für die seltenen Pflanzen am Katzensee.

Ob Pflanzen hören können, ist wissenschaftlich umstritten, nicht so bei den Tieren. Die Limmattaler, und in diesem Falle die Weininger, so viel ist klar, hören sehr gut. Dafür scheint Bern taub. Nur so ist zu erklären, dass der Weininger Gemeinderat sich zehn Jahre lang lautstark in Szene setzen musste, bis der Ruf nach einer Überdeckung beim Empfänger angekommen ist. Es brauchte allerdings Anfang 2014 die Schallverstärkung des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Überdeckung wird vom Bundesamt für Strassen nun im Rahmen des Gubristausbaus projektiert.

Und nun das: Die Weiningerinnen und Weininger stimmten am Donnerstagabend zu, sich mit 100 Meter Lärmschutz, statt mit 270 Metern zu begnügen. Ist ihr Widerstand gebrochen? Nein. Nüchtern betrachtet, ist es eine politische Leistung des Gemeinderats unter Leitung von Hanspeter Haug, sich überhaupt eine Überdeckung erkämpft zu haben. Dieser Kompromissvorschlag - vom Gemeinderat mit Unterstützung der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion ausgehandelt mit dem Bundesamt für Strassen - kann aus Limmattaler Sicht akzeptiert werden. Die Überdeckung bringt ein gutes Stück Lebensqualität in diese vom Wandel erfasste Region zurück.

Auf der Maximalvariante von 270 Metern zu beharren ist, hingegen riskant. Was, wenn das Bundesgericht den Kompromissvorschlag für unangebracht hielte? Zudem muss wegen technischer Schwierigkeiten an der Realisierbarkeit der Maximalvariante gezweifelt werden.

Klar ist: Mit dem Ja der Weininger Gemeindeversammlung zum Kompromiss braucht das Bundesgericht sich um diese Frage nicht mehr zu kümmern. Gleichwohl wird es sich mit Weiningen beschäftigen müssen. Die Verschiebung des Halbanschlusses ist noch offen und die Weininger wollen diesen zu Recht vom Tunnelportal weg verschieben, zum Dorf hinaus, dorthin wo die wuchtige Verkehrsanlage das Siedlungs- und Landschaftsbild weniger stört.

Ob dies überhaupt möglich ist, darüber sind das Bundesamt für Strassen und die Gemeinde unterschiedlicher Ansicht. Mit der Machbarkeit wird sich deshalb das Bundesgericht befassen. Und alle Beteiligten hoffen, dass sich der Tunnelbau nicht noch weiter verzögert. Doch in der Sache ist der Weg frei für den A1-Deckel.

Auch wenn dies noch nicht schriftlich bestätigt ist, der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker will die mündliche Zusage vom Bundesamt für Strassen entgegengenommen haben, wie, dass die Überdeckung nicht nur geplant, sondern auch realisiert und vom Bund finanziert wird.

Wir Limmattaler haben gute Ohren und diese Zusage vernommen. Sie gilt.

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