Antworten lassen schon mal auf sich warten. Der Schlieremer Stadtrat zum Beispiel brauchte dafür neun Jahre!

Doch worum gehts? Am 19. September 2005 hatten einzelne Mitglieder des Parlaments den Stadtrat in einem Postulat aufgefordert, sein Möglichstes zu unternehmen, um den Bau des Containerterminals Gateway Limmattal zu verhindern. Das Gesamtparlament hatte sich nur zwei Wochen später deren Haltung angeschlossen und das Postulat am 3. Oktober 2005 an die Stadtregierung überwiesen. Damals vor knapp zehn Jahren war die grosse Zeit des lokalen Widerstands gegen das Multimillionen-Vorhaben von SBB-Cargo, das in Dietikon und Spreitenbach einen Umladebahnhof für Container bauen wollte. Wollte, denn im April 2014 wurde das Projekt von den SBB aufgegeben. Es wir jetzt nur noch ein Terminal geben und dies in Basel.

Damit wäre im Frühjahr 2014 die Zeit für eine Antwort wohl reif gewesen – nachdem der Schlieremer Stadtrat im August 2006 dem Parlament noch mitgeteilt hatte, für eine solche sei es zu früh. Doch der Stadtrat liess nochmals 7 Monate verstreichen, um nach seiner Sitzung vom 1. Dezember zu vermelden: «Das Plangenehmigungsverfahren für den Gateway Limmattal wurde definitiv eingestellt und das Postulat kann als erledigt abgeschrieben werden.» Für den Schlieremer Stadtrat hat sich das Problem somit – von alleine – erledigt.

Aber wohl nicht ganz, denn im Frühling hatten sich bereits einmal Schlieremer Gemeinderäte darüber beklagt, dass der Stadtrat sich für so manche Antwort sehr viel Zeit lasse. Sollte das Postulat an der Parlamentssitzung vom 15. Dezember zur Sprache kommen (es ist das letzte Traktandum des Abends), dürfte er mit weiterer Schelte rechnen müssen.

Das Scheitern der Gatewaypläne geht weniger auf den Einsatz des Schlieremer Stadtrats zurück, denn auf den Umstand, dass sich plötzlich die privatwirtschaftliche Logistikbranche gegen das SBB-Projekt gestellt hatte.

Widerstand führte zum Scheitern

Doch, um fair zu bleiben: Die Limmattaler Gemeinden hatten ihren Anteil am Scheitern, aber unter Führung der direktbetroffenen Dietikon, Spreitenbach und Oetwil. Die Bezirksgemeinden leisteten organisierten Widerstand, unter anderem in der Gemeindeallianz Lebensqualität Limmattal. Damit sorgten sie dafür, dass schweizweit zur Kenntnis genommen werden musste: Das Limmattal will den Gateway nicht, weil er mehr Verkehr und Lärm in die ohnehin stark belastete Region bringt. Und im Kantonsrat wurde festgelegt, dass – sollte der Gateway trotzdem gebaut werden – 80 Prozent der Container per Bahn weitertransportiert werden müssten. Auch dies engte den Handlungsspielraum eines Gateway ein und trug zum Scheitern bei.

Doch die Gefahr ist mit dem Scheitern des Gateway nicht gebannt. Der Sieg könnte sich als Pyrrhussieg entpuppen. Denn nun wollen die SBB die bestehende Ortsgüteranlage in Dietikon um- und ausbauen, und dieser würde nach heutigem Kenntnisstand im Endausbau mehr Strassenverkehr bringen als der Gateway. Transparenz wird kommendes Jahr das Plangenehmigungsgesuch der SBB bringen.

Auch in Dietikon gabs übrigens ein Postulat zum Thema Gateway. Der Dietiker Stadtrat brauchte für seine Antwort nicht mal ein Jahr.