Wenn immer Familie Ringger aus Urdorf die Eisanlage Weihermatt besuchte, konnte Leonie ihren Geschwistern nur von der Besuchertribüne aus zusehen. Umso grösser die Freude des Mädchens im Rollstuhl, als sie erfährt, dass nun auch sie am Vergnügen auf dem Eis teilhaben kann. Ein sogenannter Eisgleiter soll es ihr ermöglichen, samt Rollstuhl über das Feld zu fahren. Die 9-Jährige ist dementsprechend aufgeregt, als sie am Mittwochnachmittag in der Eishalle eintrifft.

Leonie ist die Erste, die das neue Gerät auf der Eisbahn in Urdorf austesten darf. «Sie hat ihrer ganzen Klasse davon erzählt», sagt ihre Mutter Ria Liem Ringger. Schlittschuhfahren sei bereits die zweite Wintersportart, die Leonie erlerne. Letztes Jahr habe sie mit Mono-Skifahren begonnen.

Innert Sekunden befestigt

Leonies Augen leuchten, als Michael Harr, Geschäftsleiter der Stiftung Cerebral, sie samt Rollstuhl auf dem Eisgleiter fixiert. Die Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind unterstützt seit über 50 Jahren in der ganzen Schweiz mittlerweile 9000 Familien. Bis Ende Jahr sollen 20 Eisbahnen in der ganzen Schweiz mit Eisgleitern ausgerüstet werden, die vor Ort gratis ausgeliehen werden können. Die Plattformen wurden mit Spendengeldern finanziert.

Innert weniger Sekunden ist Leonies Rollstuhl auf dem Eisgleiter befestigt und Laurin, Sohn des Präsidenten des Eislaufclubs Urdorf Luk de Crom, schiebt an. Als Eishockeyspieler weiss er die Plattform gut zu steuern und erhöht schon nach ein paar Metern die Geschwindigkeit. Sogar rückwärts flitzen die beiden über die Eisfläche. Die anderen Kinder auf dem Feld beoachten das Geschehen neugierig.

Für Menschen im Rollstuhl fühle sich das Gleiten auf dem Eis so ähnlich an wie fliegen, erklärt Harr. «Die Seitwärtsbewegung ist für sie ungewohnt, da der Rollstuhl stets in einer fixen Bahn rollt.» Eisgleiter habe es zuvor noch nicht gegeben, obwohl die Idee dahinter ganz simpel sei. Mit ihm würde wieder eine Sportart mehr hinzukommen, die auch cerebral Gelähmte ausführen können. Die Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft sei enorm wichtig. Vor allem Familien sollen vom Angebot des Eisgleiters profitieren können.

Luk De Crom, Präsident des Eislaufclubs Urdorf, freut sich über den Eisgleiter: «Es wurde Zeit, dass auch Menschen mit Behinderung etwas von der Halle haben.» Bereits vor der Einweihung seien einige Anfragen von Familien mit cerebral gelähmten Kindern eingegangen, die ihr Interesse am Eisgleiter bekundeten.

Leonie interessieren die Gespräche, die die Erwachsenen hinter der Bande führen, nicht. Lange genug hat sie von dort aus das Geschehen auf dem Eisfeld mitverfolgen müssen. Nun selbst ein Teil davon zu sein, macht sie glücklich. Runde für Runde dreht sie mit Laurin auf der Bahn. «Schlittschuhfahren ist wie Skifahren, nur eben ohne Lift», sagt sie auf die Frage, wie sich das Gleiten über das Eis für sie anfühle. Sie wolle diesen Winter auf jeden Fall noch ganz viel Zeit in der Halle in Urdorf verbringen und ein paar Tricks mit dem Eisgleiter üben.