Animation
8000 Zeichnungen für einen Film: Dietiker veröffentlicht Langzeitwerk

Nach 13 Jahren veröffentlicht Rolf Brönnimann wieder einen Animationsfilm – gleichzeitig plant er in Dietikon zusammen mit Rita Bachofen eine grosse Trickfilmausstellung für den nächsten Frühling.

Florian Schmitz
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Rita Bachofen und Rolf Brönnimann spannen nach 2005 wieder für eine Trickfilmausstellung zusammen.
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Erstmals hat Rolf Brönnimann für seinen neuen Film einen Kampf animiert.
Animationsfilm Rolf Brönnimann
Rund 8000 Zeichnungen fertigte Rolf Brönnimann für den Film an.
Das Stellwerkhaus und die Landschaft kamen bereits in der Ursprungsidee vor.

Rita Bachofen und Rolf Brönnimann spannen nach 2005 wieder für eine Trickfilmausstellung zusammen.

Florian Schmitz

Manchmal spielt das Timing im Leben so perfekt mit, dass man sich in einem Film wähnt. Bereits knapp elf Jahre arbeitete der Dietiker Rolf Brönnimann an seinem Animationsfilm «Bolero Station», als er Ende 2017 realisierte, dass die Fertigstellung endlich nahte. Da sagte sich der Filmemacher, der hauptberuflich als Grafiker mit seinem Büro seit 2012 das Dietiker Neujahrsblatt entwirft und dieses Jahr 60 Jahre alt wurde: «Jetzt mache ich mir ein Geburtstagsgeschenk.» Und setzte sich eine Deadline. Auch der vor 50 Jahren gegründete Schweizer Trickfilmverband, der Groupement Suisse du Film d’Animation, feiert 2018 ein Jubiläum. Das langjährige Verbandsmitglied Brönnimann wollte zu seinem Film eine kleine Ausstellung über Zeichentrickfilme organisieren, auch der Trickfilmverband wollte zum Jubiläum etwas auf die Beine stellen.

Mit Unterstützung der Dietikerin Rita Bachofen, mit der er bereits 2005 zu seinem letzten Film «Hang Over» gemeinsam eine Ausstellung organisierte, arbeitete er ein Konzept für die Ausstellung aus. Das Resultat: Statt einer kleinen Ausstellung in Dietikon entwarfen beide ein Kernkonzept für eine Wanderausstellung, die während eines Jahres an insgesamt sieben Standorten einen Einblick in das Schaffen Schweizer Animationsfilmemacher ermöglicht. Für beide ist es das erste Mal, dass sie eine solche Wanderausstellung organisieren. «Wir wussten gar nicht recht, was man dafür alles genau machen muss und erfanden das alles unterwegs. Es ist wie eine Skulptur, die organisch entsteht», sagt Brönnimann. Viele Vorstellungen wurden im Laufe des Entstehungsprozesses plötzlich real. Bereits am 30. August ist der Start in Baden im Rahmen des Animationsfilmfestivals Fantoche.

Höhepunkt in der Heimatstadt

Vom 26. April bis zum 17. Mai 2019 gastiert die Wanderausstellung im «Gleis 21» beim Bahnhof Dietikon. Dann wird es für Bachofen und Brönnimann besonders interessant. Bei den anderen Standorten sind sie zwar auch aktiv involviert, aber in Dietikon übernehmen sie zusätzlich die komplette Rahmenorganisation und wollen mit grossem Einsatz im Bezirkshauptort die Begeisterung für animierte Filme schüren. Dafür planen sie, eine lebendige und visuell geprägte Ausstellung zu kreieren, welche die Besucher nicht nur im Kopf sondern auch im Herz anspricht. Dabei erhalten Laien einen Eindruck, was es von der Ursprungsidee bis zum fertigen Film alles braucht: «Wir wollen einen Blick in die Werkstatt der Filmschaffenden ermöglichen», sagt Brönnimann. Wortwörtlich, denn neben geplanten Talks und Kursen sollen während der Ausstellung Animatoren ihren Arbeitsplatz für einige Tage ins «Gleis 21» verlegen und bei ihrer Tätigkeit beobachtet werden können.

In Dietikon wird nicht nur das nationale Programm der Wanderausstellung zu sehen sein. Kleine Making-ofs geben Einblicke hinter die Kulisse. Als besonderes Detail hat Brönnimann zudem eine Kurzfilmsammlung mit Studentenwerken der Rhode Island School of Design organisiert, an der er selbst Anfang der 80er Jahre das Handwerk lernte. Auch Filme von Studenten der Hochschule Luzern wollen sie zeigen, um das Talent der hiesigen Animationsfilmszene zu demonstrieren. Zudem werden lokale Kurzfilme präsentiert, die im Rahmen von selbst organisierten Laien-Kursen entstehen.

«Wir wollen Dietikon miteinbeziehen», sagt Bachofen. Von möglichen Kooperationen mit dem Ortsmuseum oder dem Theater Potztuusig bis zu gemeinsamen Aktionen mit dem lokalen Gewerbe haben beide viele Ideen, wie der Zeichentrickfilm im Frühjahr in der ganzen Stadt präsent sein soll. «Egal mit wem wir in Dietikon reden, wir erhalten nur positive Rückmeldungen», sagt Brönnimann. Nach dem Stadtfest am ersten Septemberwochenende beginnen er und Bachofen, mit den verschiedenen Anlaufstellen in Dietikon Kontakt aufzunehmen und auch die Finanzierung des Projekts auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Als Träger für das Projekt riefen beide den Verein Trickfilmausstellung 2019 ins Leben, der zurzeit auf Mitgliedersuche ist. Nach seinem namensgebenden Zweck soll er dann wieder aufgelöst werden.

Sein persönlichster Film

Doch zunächst feiert Brönnimanns neuer Kurzfilm «Bolero Station» am Montagabend im Cinéma Capitol in Dietikon Premiere. Über 8000 Zeichnungen fertigte er für sein bisher persönlichstes Werk von Hand an. Denn während an «Hang Over» vor 13 Jahren noch ein Team von rund zehn Menschen arbeitete, ist er für jedes Detail des 9,5-minütigen «Bolero Station» selbst verantwortlich. Über die Jahre hat er sich in Kursen die nötigen Computerfähigkeiten angeeignet, um die mit Marker und Farbstiften gemalten Einzelbilder zu digitalisieren und mit Effekten zu verfeinern.

Dank des Erfolgs von «Hang Over», der 2005 in Solothurn mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, standen Brönnimann für sein nächstes Projekt bereits 9000 Franken zur Verfügung, die allerdings projektgebunden und bis Frühjahr 2007 befristet waren. «Ich hätte sonst nie so früh wieder mit einem neuen Film angefangen.» Am letzten Tag vor der Deadline reichte er erfolgreich ein Drehbuch ein, das er anschliessend überarbeitete. Dennoch wurde eine weitere Finanzierung abgelehnt.

In der Folge begann er, am nun erscheinenden Film zu arbeiten. Doch auch dort blieb die Finanzierung aus und 2010 sprang der Produzent ab. Da wurde ihm klar, dass er alles selber erledigen muss und es ein langfristiges Projekt wird. «Ich hätte manchmal etwas abkürzen können. Aber ohne Termindruck entschied ich mich bewusst dafür, alles so lange zu zeichnen, bis ich mir sage, ich kanns nicht besser.» Das merkt man den liebevoll gezeichneten und mit Details gespickten Bildern an. Interessant: Bei aller Feinarbeit ist das Grundgerüst seit Beginn unverändert geblieben: «Drei Sachen waren mir klar: Die Landschaft, das Stellwerkhaus in dieser Landschaft – und ich wollte schon immer eine Kampfszene animieren», sagt er und lacht.

Dass der Film in Dietikon Weltpremiere feiert, ist kein Zufall. Für Brönnimann war sofort klar, dass er sein Werk in seiner Heimatstadt erstmals mit der Öffentlichkeit teilen will und nicht etwa am Fantoche, wo der Film Anfang September im Schweizer Wettbewerb zu sehen sein wird.

«Bolero Station»

20. August, Tür: 19:00, Film: 20:00, Cinéma Capitol, Dietikon

Trickfilmausstellung 2019

26. April bis 17. Mai, «Gleis 21», Dietikon