Schlieren
78 Prozent sagen Ja zu Schulhaus West für 75,5 Millionen Franken

Das Schlieremer Stimmvolk stimmt mit 78,14 Prozent Ja-Stimmen für den Schulhausneubau West. Nach zwei gescheiterten Projekten in den Jahren 1983 und 1994 genehmigen die Schlieremer den Kredit für das Projekt von Graber Pulver Architekten.

Florian Niedermann
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Das Schulhaus Schlieren West soll eine Quartierszentrums-Funktion im wachsenden Stadtteil wahrnehmen.

Das Schulhaus Schlieren West soll eine Quartierszentrums-Funktion im wachsenden Stadtteil wahrnehmen.

Kommentar von Florian Niedermann

Schlieren kan sich dies leisten

Das war deutlich: 78 Prozent der Schlieremer Stimmbevölkerung sagen Ja zum 75,5-Millionen-Kredit für das Schulhaus West. Das deutliche Resultat ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil in Dietikon eine Schulhausvorlage vor einem Jahr kläglich scheiterte.

Die zuständige Schlieremer Stadträtin Manuela Stiefel sieht den Grund für das deutliche Abstimmungsergebnis im «klaren Zeichen», das Parlament und Kommissionen mit ihrer Zustimmung gesetzt hätten. Tatsächlich war die Vorlage unbestritten.

Während man in Dietikon auf ein Mietschulhaus setzte, plante man in Schlieren von langer Hand einen eigenen Neubau. Und das deutliche Ja zeigt: Die Bevölkerung erkennt den Wert der Bildung und scheut auch hohe Investitionskosten nicht, wenn sie dafür ein eigenes Schulhaus erhält.

Eine bessere Ausgangslage bot sich Schlieren gegenüber Dietikon aber auch in finanzieller Hinsicht - der Stadtrat will den Steuerfuss gleich um fünf Prozent senken. Bildungsausgaben haben es an der Urne zwar immer etwas leichter. Dennoch dürfte die Bevölkerung den finanzpolitischen Entscheid als klares Zeichen dafür verstanden haben, dass man sich ein neues Schulhaus auch leisten kann.

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florian.niedermann@azmedien.ch

Dass der Entscheid so klar ausfallen würde, sei nicht abzusehen gewesen, sagte die sichtlich erleichterte Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) nach Bekanntgabe des Abstimmungsresultats: «Das deutliche Ergebnis zeigt, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung in das Projekt im Vorfeld gewinnen konnten.»

Eine wichtige Rolle habe dabei gespielt, dass das Projekt von beiden parlamentarischen Kommissionen vertieft geprüft und von allen Parteien des Stadtparlaments unterstützt worden sei. «Damit setzten alle beteiligten Instanzen der Bevölkerung ein klares Zeichen. Es wurde klar, dass das Schulhaus zwar eine teure, aber dringend notwendige Investition ist», so Stiefel. Schlieren sei diejenige Stadt, die in den vergangenen vier Jahren schweizweit das grösste Bevölkerungswachstum zu verzeichnen gehabt habe. Die überaus deutliche Zustimmung zum Schulhausneubau zeige, dass die Bereitschaft der Bevölkerung vorhanden sei, für die Bildung gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schlieren West wächst und wächst

Im Gebiet Schlieren West sind in den letzten Jahren mehr als 800 neue Wohnungen entstanden. Weiter erwartet die Stadt einen Wohnungszuwachs von 400 bis 800 Einheiten. Seit dem Bau der Schulanlage Kalktarren im Jahr 1972 wurden - abgesehen von einzelnen Schulraumerweiterungen - keine grösseren Massnahmen getroffen, um die Infrastruktur der Schule an die wachsenden Schülerzahlen anzupassen. Nachdem in den Jahren 1983 und 1994 zwei Kreditvorlagen für ein Schulhaus im Färberhüsli an der Urne scheiterten, musste die Schulpflege mit Bauprovisorien und Einmietungen im Spital sowie der International School Zurich West (ISZW) Ausweichmöglichkeiten schaffen.

Das gestern von der Stimmbevölkerung deutlich angenommene Projekt «Lernfabrik» der Graber Pulver Architekten bietet Platz für drei Kindergärten, neun Primarklassen und elf Sekundarklassen. Es kommt auf dem heutigen Werkhofareal der Firma Züblin AG an der Badenerstrasse zu stehen und umfasst neben den Schulzimmern eine Dreifach-Sporthalle, einen Doppel-Hort, eine Lokalität für die Mittagsbetreuung, ein Psychomotorik-Therapieraum sowie weitere Fach- und Nebenräume.

Die Anlage soll auch eine Quartierzentrums-Funktion einnehmen: Diverse Räume und die Aussenbereiche stehen dem Quartier auch ausserhalb der ordentlichen Schulzeit zur Verfügung. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf rund 75,5 Millionen Franken. Darin enthalten sind 11,3 Millionen für den Landerwerb und den Abbruch der bestehenden Gebäude.

Mit dem Schulraum, der mit der Umsetzung des Schulhauses West entsteht, seien die Bedürfnisse der Schule in Schlieren vorläufig gedeckt, sagte Stiefel: «Es ist klar, dass es für lange Zeit das letzte Schulhaus sein wird, das wir bauen.»

Ende 2014 beginnt die Bauphase

Nachdem das Volk der Stadt gestern das Ja für den Bau erteilte, kann diese umgehend mit der Umsetzung beginnen: Im Dezember wird sie das Baugesuch einreichen. Im Januar 2014 wird die Eigentumsübertragung für das Bauland stattfinden. Noch im ersten Semester sollten auch die ersten Submissionen für Einzelleistungsaufträge erteilt werden. Ende 2014 erfolgt der Baubeginn, sodass das Schulhaus auf das Schuljahr 2016/17 bezugsbereit ist.