Wer regelmässig Blut spendet, kennt den Vorgang: Bevor einem Spender rund ein halber Liter Blut entnommen wird, muss er einen Fragebogen ausfüllen. Er soll unter anderem über den Gesundheitszustand, Operationen oder Medikamenteneinnahme Auskunft geben.

Zudem wird jeder Spender auf seine gesundheitliche Tauglichkeit untersucht. Danach wird mit der eigentlichen Blutentnahme begonnen. Sie dauert im Idealfall rund zehn bis zwölf Minuten. Für den Spender ist die «Arbeit» damit getan.

Bis das Blut jedoch bei seinen Empfängern, den Patienten in den Spitälern ist, bedarf es weit mehr, als der blossen Entnahme. Nun muss es verarbeitet, getestet, konfektioniert, und schliesslich gelagert werden. In der Region Zürich (siehe Box) zeichnet die Stiftung Zürcher Blutspendedienst SRK für diese Arbeit verantwortlich. Ihr Herzstück ist das Dienstleistungszentrum in Schlieren.

Gemeinden spielen wichtige Rolle

«Aus rund 75 000 Spenden stellen wir jährlich gegen 90 000 Blutprodukte her. Im Jahr 2011 konnten so erstmals in der Geschichte unseres Unternehmens sämtliche Spitäler der Region Zürich zu 100 Prozent durch Blutspenden aus der Region versorgt werden konnten», sagt Beat M. Frey, Direktor und Chefarzt von Blutspende Zürich.

Die 100-prozentige Selbstversorgung habe man unter anderem dadurch erreicht, dass der Region Zürich zusätzliche Gebiete zur Blutbeschaffung zugewiesen worden seien. «Wir konnten im Kanton Aargau gewisse Gemeinden übernehmen, die zuvor vom regionalen Blutspendedienst Bern betreut worden sind», so Frey.

Wie wichtig die Gemeinden für die Blutversorgung sind, zeigen die Zahlen. «Etwa zwei Drittel des Blutes stammt von den mobilen Equipen, die zusammen mit lokalen Samaritervereinen Spendenaktionen organisieren.

Der andere Teil kommt von den Blutspendezentren in Zürich und jenen in den Spitälern Limmattal, Winterthur, Wetzikon, Uster und Lachen», erklärt Frey. Koordiniert werden die Einsätze der mobilen Equipen ebenfalls an der Rütistrasse 17 und 19 in Schlieren.

Darüber hinaus bestehen mit den Spitälern in Bülach, Schaffhausen, Einsiedeln und Männedorf Leistungsvereinbarungen. «Diese Spendezentren werden nicht von uns geführt. Wir übernehmen aber die umfangreichen Bluttests», sagt Frey.

So würden die Spenden unter anderem auf HIV oder Hepatitis getestet. Mittlerweile seien auch neuere Verfahren entwickelt worden, um das Blut beispielsweise auf Dengue-Fieber zu untersuchen. «Diese Krankheit kommt vor allem in tropischen Gebieten vor. Es gab aber schon Fälle in Europa», so Frey.

24 Stunden braucht es für die Tests

Die Kontrolle und die Dokumentation jedes einzelnen Schrittes bei der Verarbeitung des Blutes sind von grösster Wichtigkeit. Einerseits darf ein Blutprodukt erst freigegeben, also an die Spitäler ausgeliefert werden, wenn sämtliche Tests negativ ausgefallen sind.

«Andererseits müssen wir genau belegen können, wer was, wann und wie mit dem Blut gemacht hat, sollte es bei einem Patienten zu Komplikationen kommen», so Frey.

Zu den Blutprodukten, die in Schlieren produziert werden, gehören Thrombozytenkonzentrate, Erythrozytenkonzentrate und Plasma. «Thrombozytenkonzentrate werden vor allem bei grossen Operationen gebraucht. Es ist für Patienten gedacht, die zu wenig Blutplättchen haben.

Sie sind wichtig für die Blutgerinnung», hält Frey fest. Erythrozytenkonzentrate bestehen aus roten Blutkörperchen und werden bei Bluttransfusionen eingesetzt. Das aus den Spenden gewonnene Blutplasma wird im Labor zu Transfusionsplasma aufgearbeitet.

«Es braucht rund 24 Stunden, bis alle Tests durchgeführt sind. Auch die Herstellung der Blutprodukte dauert einen Tag», so Frey. Die schnelle Verarbeitung sei wichtig, weil Blutplättchen nur fünf Tage lagerbar seien. Rote Blutkörperchen könne man sechs Wochen und Blutplasma bis zu zwei Jahre lagern. Letzteres müsse sofort nach der Gewinnung tiefgefroren werden.

Für das Blutplasma wird bald ein mit flüssigem Stickstoff gekühltes Lager zur Verfügung stehen. Angesichts des gestiegenen Aufwandes hat Blutspende Zürich an der Rütistrasse 17 einen neuen Labortrakt erstellt. Dort befindet sich auch das neue Lager.

Dadurch kann das bisherige Blutplasmalager in Urdorf aufgelöst werden. Im neuen Labortrakt wird auch geforscht. So kommt dort ein neuartiges Verfahren zur Genotypisierung von Blutgruppen zur Anwendung. Dadurch sollen unter anderem Spender mit seltenen Blutgruppen gefunden werden. «Gleichzeitig versuchen wir durch gezieltes Spendenmanagement Personen mit seltenen Blutgruppen zu erreichen», hält Frey fest.