Urdorf
62 Steuerprozent für die Schule, 56 für die Gemeinde: Budget-Kompromiss ist bereit

Die Schulgemeinde erhält drei Steuerprozent mehr, die Politische Gemeinde drei Prozent weniger. Dieser Budgetplan nimmt Rücksicht auf die Steuerzahler. Zudem stimmt die Gemeindeversammlung über Hunderte neue Geräte für die Schule ab.

David Egger
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Alles über 118 Steuerprozent ist unerwünscht: Das hat das Urdorfer Volk gesagt. Jetzt gibt es eine Alternative. Im Bild: ein Drohnenfoto von Oberurdorf.

Alles über 118 Steuerprozent ist unerwünscht: Das hat das Urdorfer Volk gesagt. Jetzt gibt es eine Alternative. Im Bild: ein Drohnenfoto von Oberurdorf.

Sandra Ardizzone

2016 hatte die Urdorfer Schulpflege eine Erhöhung ihres Steuerfusses von 59 auf 62 Prozent beantragt. Aber die Gemeindeversammlung erteilte dem Ansinnen eine Absage. Schliesslich hätten die Steuerzahler darunter gelitten, da die Politische Gemeinde gleichzeitig ihren Steuerfuss (ebenfalls 59 Prozent) behalten wollte.

Doch das Eigenkapital der Schule schmilzt und schmilzt weiter: Ende 2014 betrug es noch 7,45 Millionen Franken, per Ende 2017 wird es voraussichtlich nur noch 2,28 Millionen Franken betragen. Es besteht Handlungsbedarf wie noch nie.

Gestern, an einer Pressekonferenz im Urdorfer Gemeindehaus, haben die Schulpflege und der Gemeinderat nun einen neuen, mehrheitsfähigeren Vorschlag für gesunde Schulfinanzen präsentiert: Vorgesehen ist ein Steuerfussabtausch. Die Schulgemeinde soll neu einen Steuerfuss von 62 statt 59 Prozent erhalten, während die Politische Gemeinde ihren Steuerfuss von 59 auf 56 Prozent senkt. Der grosse Vorteil: Diese Lösung beschert den Steuerzahlern keine höhere Rechnung. Oder wie es Irmgard Struchen (CVP), Finanzvorsteherin der Schulgemeinde sagt: «Wichtig ist, dass der Gesamtsteuerfuss bei 118 Prozent bleibt.» Man hat also die Lehren aus der Gemeindeversammlung 2016 gezogen. «Es ist Zeit für einen Ausgleich. Dass die Schule finanziell am Limit ist, weiss man auch im Volk», führt Struchen aus.

Zehnder, Agustoni, Trottmann

Der Steuerfussabtausch, über den die Gemeindeversammlung am 22. November abstimmt, kommt nicht unerwartet. Das zeigen drei Beispiele: Als im Herbst 2016 die Einheitsgemeinde abgelehnt wurde, forderte Schulpräsident Stefan Zehnder (parteilos) umgehend einen Abtausch. Emanuele Agustoni (FDP), Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), stellte ihm die Unterstützung der RPK dafür in Aussicht. Und namens seiner Partei forderte CVP-Vorstandsmitglied Walter Trottmann an der Gemeindeversammlung im Juni 2017 einen Abtausch. Nun ist es so weit.

Das gestern vorgestellte Schul-Budget zeigt, dass das Eigenkapital 2018 noch einmal sinken wird: auf 2,03 Millionen Franken. Klappt der Steuerfussabtausch, setze dann 2019 die finanzielle Erholung der Schule ein, erklärt Irmgard Struchen.

2018 ist bei der Schulgemeinde ein Aufwand von 21,18 Millionen und ein Ertrag von 20,42 Millionen Franken budgetiert. Das gibt ein Defizit von 750 000 Franken. Mit dem höheren Steuerertrag beträgt die Neuverschuldung 2018 gerade mal 25 000 Franken. Der Spardisziplin in der Schule tut dies aber keinen Abbruch, versichert Struchen.

Die Politische Gemeinde kann mit dem Steuerfussabtausch leben. «Im Gemeinderat sind wir überzeugt, dass der Steuerfussabtausch die richtige Lösung ist», sagte gestern Thomas Hächler (FDP), der Finanzvorsteher der Politischen Gemeinde. Im Rat sei die Diskussion darüber ruhig verlaufen.

2018: Einwohnerzuwachs auf 9900

Hächlers Budget sieht für 2018 ein Defizit von 1,49 Millionen Franken vor. «Ohne den Steuerfussabtausch würde das Defizit rund 700 000 Franken betragen», sagt er. Der Aufwand wird bei 50 Millionen Franken veranschlagt, der Ertrag bei 48,5 Millionen Franken. Das sind nochmals 650 000 Franken weniger als im Budget 2017 und hat unter anderem damit zu tun, dass 2018 eine finanzkräftige – und für die Urdorfer Steuerrechnung wichtige – Firma im Rahmen einer Fusion aus Urdorf wegzieht. «Der Abgang dieses Unternehmens hat also nichts mit fehlender Standortattraktivität oder dergleichen zu tun», stellt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde, klar.

Da für die nächsten Jahre ein Wirtschaftswachstum prognostiziert ist, geht die Politische Gemeinde davon aus, dass der Ertrag, insbesondere der Steuerertrag, ab 2019 wieder steigt. Weiter wird damit gerechnet, dass die Einwohnerzahl von jetzt 9735 im Jahr 2018 auf 9900 zunimmt und 2019 die 10 000er-Grenze knackt. So wird etwa die neue Siedlung Heidenkeller mit 61 Wohnungen fertig.

Da die Wasser-Kasse Ende 2018 mit 1,56 Millionen Franken voraussichtlich erneut etwas mehr Geld enthalten wird, sagt Thomas Hächler, dass eine Senkung der Wassergebühren, zum Beispiel per 2019, zum Thema werden könnte.

Schule will 414 Tablets und 125 Laptops kaufen: Die weiteren Themen der Urdorfer Gemeindeversammlung am 22. November

Neben dem Budget stimmt die Versammlung der Politischen Gemeinde am 22. November über die neue Gebührenverordnung ab. Denn Zürcher Gemeinden sind ab 2018 verpflichtet, nicht nur ihre Tarife, sondern auch die juristische Grundlage dafür selber festzulegen. Aber keine Panik: «Über die Tarife werden wir nicht diskutieren, diese ändern wir nicht», sagt Gemeinderat Thomas Hächler (FDP).

Tablets kosten rund 200'000 Franken

Die Schulgemeindeversammlung hat ausser dem Budget einen Kredit von knapp 500 000 Franken traktandiert: Die Schulinformatik soll modernisiert werden. Dabei geht es insbesondere um den Kauf von 414 Tablets (72 für die Unterstufe, 167 für die Mittelstufe, 115 für die Oberstufe, 60 für die Klassen- und Fachzimmer). Tablets für den Kindergarten will die Schulpflege explizit nicht. Die Tablets mit Zubehör kosten total rund 200 000 Franken. Hinzu kommen 125 Laptops (vor allem für Lehrpersonen), 94 Monitore und 60 Schwarzweissdrucker und weitere Geräte. Das ist kein Luxus, wie Schulpräsident Stefan Zehnder (parteilos) stellvertretend für die Ressortverantwortliche Theres Seiler (EVP) sagt: «Wir hinken der Zeit hinterher, 80 Prozent unserer Hardware ist fünf bis zehn Jahre alt.» Vor allem aus Spargründen liess man sie so alt werden. Jetzt verursachen sie hohe Supportkosten.

Schulhaus Moosmatt: Die Abrechnung ist fertig

Zudem stimmt die Schulgemeinde über die Abrechnung für den Einbau von sechs Gruppenräumen im Schulhaus Moosmatt ab. Der 2012 genehmigte Kredit von 950 000 Franken wurde um knapp 47 000 Franken überschritten. Aber die Investitionsrechnung wird nur mit 790 000 Franken belastet. Grund: Das 1973 erstellte Hauptgebäude wurde auf freiwilliger Basis feuerpolizeilich saniert, die Zürcher Gebäudeversicherung (GVZ) zahlt 210 000 Franken Subventionen. Die Verantwortung für dieses Geschäft trägt Liegenschaftenvorsteher René Eberle (SVP). (deg)