Knapp zwei Drittel der Schlieremerinnen und Schlieremer legten ein Ja zum 6,5-Millionen-Kredit für den Ausbau der Goldschlägistrasse in die Urne. 1824 von 3024 Abstimmenden waren dafür, dass die Stadt eine neue Verbindungsachse zwischen der Badener- und der Bernstrasse baut. Heute ist sie erst für Fussgänger und Velofahrer durchgängig nutzbar. Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) kommentierte das Resultat gestern zurückhaltend: «Es freut mich, dass wir mit der Verkehrsführung weiterfahren können, wie vorgesehen. Die Abstimmung zeigt aber, dass über ein Drittel der Bevölkerung gegenüber einer neuen Strasse skeptisch eingestellt ist.» Er müsse auch dieses Votum ernstnehmen, sagte Bärtschiger.
Um den Ausbau der Goldschlägistrasse zu ermöglichen, musste der Stadtrat drei Grundstücke erwerben. Sie kosteten 3,8 Millionen Franken, die im Gesamtkredit enthalten sind. Bis im Herbst 2015 will die Stadt nun die Goldschlägistrasse in nördlicher Richtung verlängern und zur Bernstrasse hin öffnen. Dann nämlich beginnt der Kanton Zürich damit, die Hallerkreuzung an der Bern-/Überlandstrasse auszubauen und die Schönenwerdbrücke von Grund auf neu zu erstellen. Die Goldschlägistrasse soll bis dahin zur Verlagerung der Verkehrsströme bereitstehen. Der Zeitplan zur Umsetzung der kantonalen Projekte wird wiederum vom Bau der Limmattalbahn und dem neuen Verkehrskreisel im Schlieremer Zentrum diktiert. 2017 wird dort voraussichtlich der Baustart erfolgen. Dann müssen die zwei flankierenden Massnahmen realisiert sein.

Eine Strasse, drei Vorteile

In der Verkehrsplanung der Stadt spielt die Goldschlägistrasse eine dreifache Rolle: Zum einen dient sie der besseren Erschliessung des Rietbachquartiers. Zum anderen bietet sie eine neue Möglichkeit, um den Verkehr während der Sanierung der Bernstrasse und des Baus des Verkehrskreisels um das Zentrum herumzuleiten. Und schliesslich soll die Verbindungsachse langfristig die Stadtmitte, die Kreuzung Brand-/Engstringerstrasse und damit auch die Engstringerkreuzung als Umfahrungsspange von einem Teil des Verkehrs entlasten.

Bis auf den Quartierverein sprachen sich im Vorfeld der Abstimmung alle Schlieremer Parteien für das Strassenprojekt aus. Die Gegner monierten, dass es während der Bautätigkeit des Kantons an der Schönenwerdbrücke und der Hallerkreuzung zu massivem Mehrverkehr auf der Badenerstrasse komme, wenn der Verkehr dann wie vorgesehen über die Goldschlägistrasse zur Bernstrasse fährt. Dass der Volksentscheid von gestern in Schlieren Südwest dort zu erhöhten Frequenzen führen wird, ist laut Bauvorstand Bärtschiger nicht zu verhindern: «Wir müssen diese vorübergehende Entwicklung akzeptieren.» Die Stadt wolle aber die motorisierten Verkehrsmittel mittels Ampelanlagen und einer Aufklärungskampagne so lenken, dass die Folgen für die Bevölkerung im erträglichen Rahmen blieben. «Solange unsere Gesellschaft so stark auf das Auto setzt, wird es immer schwieriger, den Verkehr flüssig zu halten», erklärte Bärtschiger. Es sei daher wichtig, den öffentlichen Verkehr – etwa mit der Limmattalbahn – konsequent auszubauen.

Linke will weitere Massnahmen

SP und Grüne sprachen sich vor der Abstimmung zwar für den Ausbau der Goldschlägistrasse aus. Sie forderten aber, dass darauf zwingend Massnahmen folgen müssten, um den motorisierten Individualverkehr im Zentrum einzuschränken. Ein erstes konkretes Projekt, das mitunter die Verkehrsströme im Zentrum reduzieren soll, besteht in der Verlegung der Badenerstrasse und dem Bau des einspurigen Kreisels durch den Kanton. «Das wird das Auto-Aufkommen senken. Wir stehen aber vor der Herausforderung, zu verhindern, dass künftig stattdessen die Quartiere darunter leiden», sagt Bärtschiger. Schlieren sei zwar in der glücklichen Lage, dass in den Wohnzonen fast flächendeckend ein Tempo-30-Regime herrsche, was Autofahrer davon abschrecke, diese Strassen zu benutzen. «Aber Verkehrsströme sind immer sehr schwierig zu lenken», erklärt der Bauvorstand.