Das namhafte Velo-Geschäft in Zürich war bis zum Bersten gefüllt, als Urs Junger, Sänger und Gitarrist der Pink-Floyd-Coverband Crazy Diamonds, einen Vortrag über seine Promo-Tour durch Nordamerika hielt. Das Projekt war von Beginn an faszinierend: Der Geroldswiler, mit seinem Album «Heaven Calls» erstmals auf Solopfaden wandelnd, wollte seine Musik bewerben. «Aber einfach die Medien zu kontaktieren, war mir schlicht zu langweilig», wie er sagte. Da ihm neben der Musik auch das Radfahren im Blut liegt, nahm sich der ehemalige Lehrer vor, durch die Staaten zu radeln und sein Album jeder Radiostation auf dem Weg persönlich vorbeizubringen. 

Bald war die Reise für Urs, genannt Üse, oder auch Younger, beschlossene Sache. Von Los Angeles bis New York City sollte sie führen, insgesamt 5220 Kilometer. Am 30. März dieses Jahres startete er nach einer ausgiebigen Trainingsphase die Tour. Begleitet wurde er auf der ersten Etappe bis Colorado Springs von Schüre, seinem besten Freund. Was beide erwartete, waren die Weiten Amerikas, eingefangen in kraftvollen Bildern, die das Fernweh geradezu schürten. Zwangsläufig auf den Interstate-Highways unterwegs, war der Lärm oft «zermürbend», doch die Landschaft entschädigte für so einiges.

Nach der heissen Wüste Kaliforniens lockte der Grand Canyon, gefolgt vom Monument Valley und später dem kühlen Schnee der Rocky Mountains. Nebenbei schaffte es Üse, sich bei einigen lokalen Radiostationen einzuladen, Interviews zu geben oder seine CD zu hinterlassen. Dies war schliesslich die ursprüngliche Mission, doch steile Pässe hatten für ihn ebenso eine anziehende Wirkung. Sein Publikum im Zürcher Velo-Geschäft reagiert jedenfalls begeistert, schmunzelt ob der Schilderung seiner Tour mit einigen Witzeleien, die genauso brav blieben wie der englische Akzent von Üse, der niemals einen gequälten Slang nachahmen würde.

Auf der zweiten Etappe bis Kansas City hiess es Abgang Schüre und Auftritt Janine – die Freundin von Üse begleitete ihn fortan durch die Great Plains. Dort mussten beide gegen den Wind radeln, was sich als schwierig herausstellte, da sie gleichzeitig wildgewordenen Hunden davonrasen mussten. Dabei immer der Sonne entgegen, immer früh aufstehen und meist Pasta zum Abendessen – Üse und Janine sind überzeugte Veganer. Ab Kansas City dann die letzte Etappe bis New York, diesmal alleine. Öfters traf Üse auf amüsiertes Unverständnis seitens der Bevölkerung. Und so wurde aus der Mission gegen Ende eher ein Alibi – bis er einen Seelenverwandten traf, der ihm neuen Mut gab.

Spätestens als Üse nach 45 Tagen auf der Zielgeraden den Big Apple anpeilte, wurde klar, dass für den radelnden Helden doch eher «Roll» als «Rock» zählte. Younger hinterliess auf seiner Tour weder zerstörte Hotelzimmer noch gebrochene Frauenherzen, sondern durchstreifte die Neue Welt mit schnittigem Drahtesel, setzte auf Ausdauer und schien danach so glücklich wie die Raupe im Salat. Auf die Frage eines Zuschauers, ob die Reise seiner Musik kommerziell etwas brachte, gestand er freimütig, dass dem nicht so sei. Aber für ihn persönlich habe die Tour viel gebracht. Man darf deshalb gespannt sein auf sein nächstes musikalisches Projekt, und natürlich auch auf die darauffolgende Promo-Tour.