Seit der Bruno-Weber-Park so nahe am Abgrund steht wie seit 40 Jahren nicht mehr, geniesst die Wunderwelt des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers so viele Sympathien wie noch nie. Der Schliessungsentscheid, den die kommissarische Stiftungsrätin Brigitte Bitterli vor drei Wochen verkündete, besorgte dem Park Besucherrekorde, die seit dem Wochenende nach der Hiobsbotschaft nicht abreissen.

Martin Christen will die Schliessung des Parks mit allen Mitteln verhindern.

Martin Christen will die Schliessung des Parks mit allen Mitteln verhindern.

Der Spreitenbacher SP-Grossrat Martin Christen, dem Webers Reich nicht erst am Herzen liegt, seit er dessen Töchter als Bezirkslehrer in Deutsch unterrichtete, will diese Sympathiebekundungen nun in ein politisches Druckmittel umwandeln. Am Tag nach Bitterlis Pressemitteilung stand er im Park bereit — ausgerüstet mit Petitionsbögen und Ausführungen, wieso um jeden Preis verhindert werden muss, dass die Schliessung vollzogen wird.

Über 5000 Leuten hat das bisher eingeleuchtet, zählt man die rund 1800 physischen Unterschriften mit denen einer unabhängig lancierten Online-Petition zusammen; ein stattliches Resultat für 20 Tage Sammelzeit. Auch 40 Grossräte unterstützen sein Anliegen. Auf mindestens 3000 physische Unterschriften — so viel, wie man im Aargau für eine Volksinitiative benötigt — will Christen noch kommen. Dann will er die Originale beim Kanton Aargau und Kopien davon beim Kanton Zürich und dem Bund einreichen. Auch die Gemeinden Spreitenbach und Dietikon sollen in Kenntnis gesetzt werden.

Druck auf die Behörden

Doch die Petition ist nicht Christens einziger Rettungsversuch: Gerade hat er die Statuten für ein «Komitee zur Rettung des Bruno-Weber-Parks» aufgesetzt, und mit Schriftsteller Franz Hohler kann man bereits einen ersten prominenten Namen zu den Mitgliedern zählen. Zahlreiche Anfragen in Künstler- und Politikerkreisen sind gestellt, nun hoffen Christen und Bruno Webers Witwe Maria Anna auf möglichst viele Zusagen.

Bruno Webers Witwe Maria Anna hofft auf möglichst viele Zusagen für das «Komitee zur Rettung des Bruno-Weber-Parks».

Bruno Webers Witwe Maria Anna hofft auf möglichst viele Zusagen für das «Komitee zur Rettung des Bruno-Weber-Parks».

Mit den Aktionen will Christen Druck bei den verschiedenen Behörden machen und gleichezeitig so viele Menschen wie möglich auf die prekäre Lage aufmerksam machen. Er hofft, dass die Petition wie auch ein Komitee mit namhaften Persönlichkeiten das Image des Parks wieder etwas aufbessern können. Denn das dringendste Problem — die massiven finanziellen Schwierigkeiten — könne nicht gelöst werden, solange potenzielle Sponsoren und Gönner sich in Ungewissheit wähnen müssten, ob ihr Geld am rechten Ort investiert ist. «Wenn man nach aussen vermitteln kann, wie wichtig der Park der Bevölkerung ist und wie intensiv man nach sinnvollen Lösungen sucht, könnten sich auch Investoren eher wieder für die Sache erwärmen», ist er überzeugt.

Mit all dem verfolgt Christen vor allem ein Ziel: zu verhindern, dass der Park am 20. Oktober tatsächlich seine Pforten schliesst. «Das würde das definitive Ende des Parks bedeuten», befürchtet er. Denn mit einer Stilllegung würden nicht nur die bitter benötigten Eintrittseinnahmen wegfallen; der Park würde ohne Unterhalt und Personal «innert kürzester Zeit verwahrlosen, wenn nicht gar Vandalen zum Opfer fallen», so Christen.

Seine Vorschläge, wie eine Schliessung des Parks zu verhindern wäre, hat Christen mittlerweile in Form eines Massnahmekatalogs auch der kommissarischen Stiftungsrätin mitgeteilt. Darin listet er auf, was seines Erachtens am dringendsten geschehen müsse: Mit dem langfristigen Ziel, den Park bis Ende 2015 in einer öffentlich-rechtlichen Stiftung unterzubringen, müsste ein reduzierter Betrieb weiter möglich sein, während ein Übergangsstiftungsrat dafür sorgt, dass sich der Park so lange über Wasser halten kann, bis neue Strukturen geschaffen worden sind.

Die Behörden ins Boot holen

Stiftungsrätin Brigitte Bitterli hat nichts dagegen, dass neben ihr nun weitere Kreise aktiv werden. «Alles, das nützt, ist willkommen», sagte sie gestern auf Anfrage. Sie bezweifelt aber, dass Christens Aktionen wirklich die gewünschte Wirkung erzielen. «Ich befürchte, dass das Ausmass der Probleme im Park vielerorts unterschätzt wird: Wir sind dort oben mit groben juristischen, betriebswirtschaftlichen und fachlichen Problemen konfrontiert.» Zwar schliesst sie nicht ganz aus, dass die Imagewirkung der Petition auch ihr helfen könne, «die Behörden ins Boot zu holen, damit sie sich finanziell und personell an den Sanierungsbemühungen beteiligen.»

Sie gibt aber auch zu bedenken, dass dem Kanton die Lage bereits zur Genüge bekannt ist. Der Kanton habe zwar offene Ohren für das Anliegen und nehme es ernst. «Ich denke aber nicht, dass er in absehbarer Zeit seine bereits geäusserte Meinung ändern wird, dass er keine finanziellen Beiträge leistet, solange klaren Strukturen fehlen.» Christens Vorschläge hat Bitterli zur Kenntnis genommen, will sich aber nicht zu deren Inhalt äussern.

Derweil ist die kommissarische Stiftungsrätin auch mit dem Kanton Zürich in Verhandlungen. Dort sehe es betreffend Unterstützung eher schlecht aus, vor allem, weil der Park auf Aargauer Boden liegt. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen: «Die Gespräche werden weitergeführt», so Bitterli.