Kulinarik
5000 Baklavas gehen in Dietikon über die Theke

Es gibt sie in allen möglichen Variationen: Das süsse und kalorienreiche Blätterteiggebäck gehört zum «Bayram-Fest» wie Guetzli zu Weihnachten.

Senada Haralcic
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Baklava-Spezialitäten in Dietikon
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Diese Baklava ist grünlich, weil es viele Pistazien drin hat.
Dilek Celik serviert in aller Ruhe ihren Kunden feine Baklava. An Bayram wird es für die Inhaberin ein bisschen hektischer sein.
Die kitschige Version der Baklava: Mit knallig grünen Pistazienstreusel übersäht - so schmeckt es vor allem den Menschen aus dem orientalischen Raum.
Die Baklava gibt es in vielen verschiedenen Formen und Kreationen.
Die Bäckerei auf dem Kirchplatz bietet orientalische Leckereien.
Die Inhaberin der Bäckerei «Sila», Dilek Celik, zeigt stolz ihre Lieblingsbaklava mit viel Pistazien.
So wird es heute auf vielen Tischen muslimischer Haushalte aussehen. An Bayram wird traditionell Baklava gegessen.
In der Bäckerei Sila wird drei Mal täglich frisches, orientalisches Brot offeriert.
Auch Guetzli sind eine Spezialität der Bäckerei Sila. Die Geschäftsführerin Dilek Celik freut sich auch auf die Weihnachtsszeit.

Baklava-Spezialitäten in Dietikon

Senada Haralcic

Klassisch und eher schlicht in goldbraun, oder etwas kitschig mit Pistazienstreuseln verziert. Rund, oval, viereckig oder in Rauteform. Die Rede ist vom orientalischen Blätterteiggebäck Baklava, dass dieses Wochenende zuhauf in muslimischen Haushalten verspeist wird. Denn heute – und an den folgenden drei Tagen – wird der Kurban-Bayram zelebriert, das muslimische Opferfest, das als das höchste aller Feste gilt (siehe Infobox). Dabei feiern in der Schweiz lebende Muslime dieses Fest unterschiedlich – wie es auch im Christentum je nach Kultur unterschiedliche Bräuche an Weihnachten gibt. Trotzdem landet bei den meisten traditionellerweise die Baklava als sehr süsses Dessert nach einem Festmahl auf dem Tisch.

«Einen Bayram ohne Baklava? Das kann ich mir gar nicht vorstellen», sagt Dilek Celik, die mit ihrem ihrem Mann Ziya Celik die Bäckerei Sila auf den Kirchplatz in Dietikon führt. Auch ein Kunde in ihrer Bäckerei sagt: «Bayram ohne Baklava wäre wie Weihnachten ohne Guetzli». Seit vier Jahren verkauft das Ehepaar orientalische Leckereien und ist mittlerweile der grösste Baklava–Anbieter in der Region. «Das Geschäft mit den Baklava hat sich so gut entwickelt, dass wir das Sortiment bereits nach kurzer Zeit erweitern mussten», so Celik. Anfangs standen in ihrem Regal nur Baklava mit Pistazienfüllung. In der Türkei und im arabischen Raum sind Pistazien oder auch Mandeln als Füllung der Renner. «Unsere albanische und bosnische Kundschaft bevorzugt jedoch die Baumnuss-Baklava», sagt Celik und zeigt die Version ohne grüne Streusel, die neu ebenfalls im Regal steht.

Der höchste Bayram

Am Samstag feiern die Muslime das Opferfest, das vier Tage dauert. Es ist für alle Muslime das höchste islamische Fest und wird auf den zehnten Tag des Pilgermonats gesetzt, der sich im Islam am Mondkalender orientert. Dieser Bayram bildet den Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka. Auf türkisch wird dieses Fest Kurban-Bayram genannt, auf arabisch Idu-l-Adha. An diesem Fest opfern Muslime, die es sich finanziell leisten können, ein Tier (Kurban) um es anschliessend auch an Arme und Hungrige zu verteilen.
Der erste Bayram, der im Juli stattfand, wurde als Ende der Fastenzeit von den Muslimen begangen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Gemeinsam haben diese beiden Bayram-Feste, dass am Morgen bei Sonnenaufgang die Moschee besucht wird. Danach versammeln sich die Familien und geniessen ein ausgiebiges Festessen sowie das Beisammensein.

Naher Osten oder Griechenland?

Die Baklava gehört seit jeher zur orientalischen Kulinarik. Über die Herkunft des Blätterteiggebäcks ist man sich uneinig. So gehen manche davon aus, dass sie aus Zentralasien stammt. Andere wiederum vermuten die Wiege der Baklava etwa im Nahen Osten, der Türkei oder in Griechenland. Die Zubereitung variiert denn auch je nach Region, weshalb es nicht «das» Baklava-Rezept gibt. Trotzdem haben alle Variationen eines gemeinsam: Baklavas sind sehr, sehr süss und mastig. Ein Stück von 50 Gramm hat fast 300 Kalorien. Denn mit Zucker, Öl oder Butter wird bei der Zubereitung nicht gekleckert – sondern geklotzt. «Je nach Sorte wird für ein Backblech etwa eineinhalb Kilogramm Zucker verwendet», so Celik. Und Muslime dürften Festtagsspeck nach dem Bayram-Fest zu bekämpfen haben. «Bis zu 50 Bleche à 100 Stück werden am ersten Tag über die Theke gehen», weiss Celik aus Erfahrung. Bei jedem Besuch würden die Küchlein serviert werden. «An einem Bayram verschlinge auch ich an die vier Stück pro Tag», sagt sie.

Ihre Baklava sei ausserdem besonders beliebt, da sie mit Butter statt mit Öl zubereitet wird. «Das ist besser für den Geschmack – aber auch etwas exklusiver und teurer, wenn man es so sehen will», sagt die Inhaberin mit einem Augenzwinkern. Dann will sie über die Zubereitung nicht mehr viel verraten. «Unsere Baklava wird in einer grossen Bäckerei ausserhalb des Limmattals produziert.» Wo genau, behalte sie lieber für sich.

Immer mit Tee oder Mokka

Für den Festtag hat sich die Bäckerei jedenfalls gerüstet. Sie wird ausserdem am heutigen Tag allen Kunden – egal ob sie Bayram feiern oder nicht – auch Schokolade offerieren. Es ist dem Ehepaar wichtig, dass die türkische Kultur in ihrem Laden mitten in Dietikon spürbar ist: «Bei und ist es üblich, dass wir den Gästen immer ein bisschen mehr anbieten als erwartet.» Ausserdem könne man in ihrer Bäckerei auch feinen türkischen Schwarztee und Kaffee geniessen. Denn die bitteren Heissgetränke neutralisieren die Süsse der Baklava und werden traditionsgemäss immer dazu serviert. Orientalischer Tee und Mokka sind denn auch mindestens genauso umstritten, wenn es um ihre Herkunft und Zubereitung geht.