Im Bezirk Dietikon gibt es noch zahlreiche Ausbildungsplätze mit Lehrbeginn diesen Sommer zu vergeben. Dies zeigt ein Blick in den kantonalen Lehrstellennachweis. Zwar ist es durchaus möglich, dass noch nicht alle Unternehmen ihre besetzten Stellen aktualisiert haben, dennoch ist die Zahl der freien Lehrstellen hoch. Von den rund 450 in der Region gemeldeten Lehrstellen warten gut 50 – also rund 11 Prozent – noch auf die Richtigen. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr waren in der Region noch ähnlich viele Lehrstellen zu vergeben. Im ganzen Kanton sind noch rund 1400 Lehrstellen unbesetzt. Ende Juni waren es noch über 2000.

Die Zahl der offenen Lehrstellen verdeutlicht, es gibt mehr Ausbildungsplätze als Lehrstellensuchende. Auffällig sind dabei die branchenbezogenen Unterschiede. Kaum offene Lehrstellen gibt es im kaufmännischen Bereich. Aktuell sind im Bezirk Dietikon noch zwei der rund 100 gemeldeten KV-Stellen von letztem Schuljahr frei. «Die kaufmännische Ausbildung ist bei den Schülern nach wie vor gefragt. Hier scheinen Angebot und Nachfrage zu stimmen», sagt Christine Viljehr, Leiterin des Berufsbildungszentrums Urdorf. Hingegen würden besonders gewerbliche Betriebe Mühe bekunden mit der Suche nach Lernenden.

«Jugendlichen fehlt die Weitsicht»

Sorgenkind ist die Baubranche, die seit Jahren um die Gunst der Schulabgänger kämpft. «Es ist schwierig, jemanden zu finden, der anpackt und noch was im Köpfchen hat», sagt Roman Bosshard, Geschäftsführer der Bosshard AG in Dietikon. Dies, obwohl er seine Ansprüche gesenkt habe. Aktuell sind bei der Firma zwei Lehrstellen als Dachdecker und Abdichter ausgeschrieben. Bewerbungen nehme man noch entgegen. Den Jugendlichen fehle die Weitsicht, ist Bosshard überzeugt. «Auf dem Bau winkt für Lehrlinge ein vergleichsweise hoher Lohn. Und nach der Ausbildung stehen viele Türen offen.» Bosshard vermutet, Eltern und Berufsberater würden den Jugendlichen von der Branche abraten. Zu gefährlich, zu mühsam wäre der Job auf dem Bau.

Viljehr betont dagegen, dass es der Berufsberatung sehr wohl ein wichtiges Anliegen sei, mit den Jugendlichen ein breites Berufsspektrum auszuloten und zu definieren. Die handwerklichen Berufe habe man stets vor Augen.

Fakt ist dennoch: Im Bezirk Dietikon sind bis dato in den Berufen Spengler, Elektroinstallateur und Maurer noch am meisten Ausbildungsplätze zu haben. Bei allen sei das Angebot an Lehrstellen gross, daher sei es wahrscheinlich, dass nicht alle besetzt werden könnten, so Viljehr. Bei den Elektroinstallateuren seien die hohen schulischen Anforderungen ein zusätzlicher Hemmfaktor.

Die Elektro Christoffel AG mit Sitz in Uitikon unterschrieb dieses Jahr beide gemeldeten Lehrverträge – den einen sehr früh, den anderen kurz vor den Sommerferien. Geschäftsleiter Lukas Geistlich hat eine Erklärung für die noch verwaisten Stellen in der Elektro-Branche: «Nebst fehlendem Interesse am handwerklichen Beruf, lässt sich auch beobachten, dass sich Schüler eine Lehrstelle auf Vorrat buchen, und dann die Resultate der Aufnahmeprüfung an eine weiterführende Schule abwarten.» Um ein breiteres Schülerspektrum anzusprechen, gebe es seit einigen Jahren die zweistufige Lehre: die dreijährige Lehre als Montage-Elektriker und die anspruchsvollere vierjährige als Elektroinstallateur.

Schnuppern empfohlen

Tendenziell werden Lehrverträge kurzfristiger abgeschlossen, beobachtet Viljehr – vereinzelt noch bis zu den Herbstferien. Danach sei es kaum noch möglich, dass der Lernende in die Berufsfachschule einsteigen könne. Auch das umgekehrte Szenario komme vor: «Es gibt immer noch Branchen, die ihre Lehrlinge zu früh mit einem Vertrag binden – insbesondere im kaufmännischen Bereich.» Dies zum Teil über ein Jahr vor Beendigung der Volksschule. Ein Risiko für den Betrieb und für den Lernenden: «Die Jugendlichen haben noch weniger Zeit, ihre Wahl zu überdenken», so Viljehr. Die Gelegenheit zu schnuppern gehe verloren.
Das nächste Rennen um die offenen Stellen mit Lehrbeginn 2018 im Kanton Zürich beginnt demnächst. Am 21. August werden sie auf berufsberatung.ch aufgeschaltet.