Urdorf

50 Jahre Wasserwerfer: so knallt es beim bedienen des Joysticks

Beliebte Jubiläumsattraktion: Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) durfte gestern den Wasserwerfer ausprobieren.

Beliebte Jubiläumsattraktion: Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) durfte gestern den Wasserwerfer ausprobieren.

In Urdorf blickte die Kantonspolizei Zürich am Freitag zurück auf ihre drei Wasserwerfer-Generationen. Die vierte wird bald beschafft.

Es knallt, es zischt, es schiesst: Alles wird nass und die orange-weissen Pylone auf dem Asphalt erliegen sofort der Wucht des Wassers, rutschen weg oder fallen um – je nachdem, wie präzis man den kleinen Joystick des Wasserwerfers «Wawe 2 ZH 2162» zu bedienen weiss. Geladene Gäste kamen am Freitag auf dem Verkehrsstützpunkt Urdorf der Kantonspolizei Zürich in den Genuss, dieses Kraftpaket des Ordnungsdiensts auszuprobieren – unter kundiger Anleitung der erfahrenen Polizeikräfte. Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) nutzte die Gelegenheit, den ganzen Stolz des Wasserwerfertrupps auszuprobieren.

Insgesamt hat die Kantonspolizei Zürich – wie auch die Stadtpolizei Zürich – zwei solche Wasserwerfer. Diese haben ein Fassungsvermögen von je 9000 Litern und kosteten je 1,1 Millionen Franken. Das Geld dürfte schon amortisiert sein, wurden die beiden blauen Wasserwerfer doch bereits im Jahr 1999 beschafft.

Die beiden Wasserwerfer der Kantonspolizei Zürcher sind bereits 20 Jahre alt. 2020 soll die Evaluation neuer Wasserwerfer beginnen, die bis 2025 beschafft werden.

Die beiden Wasserwerfer der Kantonspolizei Zürcher sind bereits 20 Jahre alt. 2020 soll die Evaluation neuer Wasserwerfer beginnen, die bis 2025 beschafft werden.

«Dankbar, dass wir in Urdorf so willkommen sind»

Die Geschichte der Wasserwerfer der Kantonspolizei Zürich geht aber weiter zurück. 1968 entschied der Zürcher Regierungsrat, dass die Kantonspolizei ihre ersten Wasserwerfer erhalten soll. 1969 wurden dann die ersten beiden Modelle – in grauer Farbe – geliefert. Sie hatten noch ein Fassungsvermögen von 4000 Litern und schlugen mit je 143 000 Franken zu Buche. Weil dies nun 50 Jahre her ist, fanden sich gestern aktuelle und ehemalige beziehungsweise pensionierte Mitglieder der Zürcher Wasserwerfertruppe sowie Gäste aus anderen Kantonen – zum Beispiel von der Kantonspolizei Bern, die ebenfalls über zwei Wasserwerfer verfügt – sich im Verkehrsstützpunkt Urdorf für eine Jubiläumsfeier ein. Der Verkehrsstützpunkt beim Autobahnanschluss Urdorf-Süd ist nämlich das Zuhause der beiden Wasserwerfer, wenn sie nicht gerade im Einsatz sind. «Wir sind dankbar, dass wir in Urdorf so willkommen sind», hielt Regierungsrat Fehr fest. Die Gemeinde Urdorf war denn an der Feier auch mit Gemeinderat Urs Rimensberger (parteilos) und Gemeindeschreiber Urs Keller vertreten.

1980 erhielt die Kantonspolizei die zweite Generation Wasserwerfer. In grüner Farbe, mit 6000 Litern Fassungsvermögen und zu einem Preis von 444 000 Franken pro Stück.

«2020 beginnen wir, neue Modelle zu evaluieren»

Und heute also die dritte Generation. Diese wird in absehbarer Zeit ersetzt. «2020 beginnen wir, neue Wasserwerfermodelle zu evaluieren. Die heutigen sind bis längstens 2025 im Einsatz», sagte Bruno Keller, Chef der Sicherheitspolizei der Kantonspolizei, der in seiner Rede auch auf die Geschichte der Wasserwerfer zurückblickte.

Das Ende der 1960er-Jahre bezeichnete er als «Aufbruch der Gesellschaft». Ein Aufbruch, auf den die Polizei weder taktisch noch ausrüstungstechnisch vorbereitet war. «Man denke an die Globus-Krawalle 1968. Die Polizei stand da mit Krawatte, Hut und Gummiknüppel. Das war eine ganz andere Zeit», hielt Keller fest. Gleiches gilt für das Konzert von Jimi Hendrix, ebenfalls 1968, und das Konzert der Rolling Stones anno 1967. Auch hier galt es, sich mit unruhigen Massen auseinanderzusetzen, auf die man aufgrund der suboptimalen Ausrüstung nur mit roher Gewalt oder gar nicht reagieren konnte. Kaum hatten die Kantonspolizei und die Stadtpolizei Zürich dann Wasserwerfer in ihren Arsenals, zeigte sich, wie unverzichtbar diese sind, um den Rechtsstaat mit dem nötigen Mass an Verhältnismässigkeit durchzusetzen, damit Demonstranten und Polizisten möglichst unversehrt bleiben. Abgesehen davon haben Wasserwerfer zuweilen auch eine präventive Wirkung. Sie kommen bei weitem nicht jedes Mal zum Einsatz, wenn sie auffahren. Um die Verhältnismässigkeit zu wahren, können die Wasserwerfertrupps auf verschiedene Eskalationsstufen zurückgreifen, was sich zum Beispiel in verschiedenen Wasserdruckstufen äussert. Im Extremfall kann zudem statt Wasser auch Tränengas zur Anwendung kommen. Heute braucht man allerdings weniger toxische Stoffe als früher – zum Wohl der Demonstranten und der Ordnungshüter. «Ihr seid häufig die Lebensversicherung für die anderen Einsatzkräfte des Ordnungsdiensts», sagte Bruno Keller zur Wasserwerfer-Truppe. Das habe sich auch bei der «Tanz-dich-frei»-Demo in Winterthur anno 2013 gezeigt, als die Wasserwerfer die Massen von der Altstadt fernhalten konnten.
Was viele nicht wissen: Die Wasserwerfer sorgen nicht nur für Recht und Ordnung. Sie können in Dürrezeiten auch die Wasserversorgung in ausgetrockneten Gebieten sicherstellen. Dies war beispielsweise in den 1970er-Jahren der Fall. Auch kann die Kantonspolizei die Feuerwehr unterstützen oder wenn nötig kleinere Brände selber löschen.

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