Dietikon
50-Jahre-Jubiläum: Der lange Weg vom Schuppen zum Park

Vor 50 Jahren nahm Bruno Webers Lebenswerk, der Skulpturenpark, seinen Anfang. Damals begann Weber mit einem Atelier, 10 mal 15 Meter gross, nach Pariser Vorbild.

Sophie Rüesch
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Stiftungspräsident Hanspeter Paoli und Witwe Maria Anna Weber-Gordon im Bruno Weber Skulpturenpark
16 Bilder
Einweihungsfeier des neuen Wassergartens im Bruno Weber Skulpturenpark
50-Jahr-Jubiläum des Bruno Weber Skulpturenparks
Hier nahm alles seinen Anfang: Im Schuppen, der Webers Atelier wurde.
Die Flügelhunde, die heute den Wassergarten säumen, im Bau.
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Der Aufbau des Bruno Weber Skulpturenparks
Bruno Weber Skulpturenpark
Bruno Weber an seinem 76sten Geburtstag im Baumhaus des Skulpturenparks
Bild von der Einweihungsfeier des neuen Wassergartens
Bild von der Einweihungsfeier des neuen Wassergartens
Blick vom Sockelgeschoss hinaus in den zukünftigen Wassergarten im Skulpturenpark von Bruno Weber

Stiftungspräsident Hanspeter Paoli und Witwe Maria Anna Weber-Gordon im Bruno Weber Skulpturenpark

Limmattaler Zeitung

Die bewegte Geschichte des Skulpturenparks

1952: Bruno Webers Familie erwirbt das Land, auf dem heute der Skulpturenpark steht
1962-1963: Bau des neuen Ateliers
1965: Erste Erweiterungen
1976: Die Gemeinde Spreitenbach erlässt eine Abbruchverfügung mit einem Strafverfahren «wegen des Verstosses gegen das Baugesetz». Ein Baustopp folgt.
1977: Der Verein «Gesellschaft Rebenpark» wird gegründet (heute: «Freunde des Bruno Weber Skulpturenparks»)
1988: Die Aargauer Behörden erteilen eine generelle Baubewilligung für die ganze Anlage
1990: Gründung der Stiftung Weinrebenpark (heute: Bruno-Weber-Stiftung)
2003: Die Spreitenbacher Gemeindeversammlung stimmt einer Umzonung des Landes zur Spezialzone für künstlerische Nutzung zu
2005: Der Kanton Aargau genehmigt die Umzonung
2006: Der Spatenstich zum Wassergarten erfolgt
24. Oktober 2011: Bruno Weber verstirbt 80-jährig
2012: Der Wassergarten wird eingeweiht

Still und heimlich begeht er zwei Jahre nach dem Tod seines Schöpfers seinen 50. Geburtstag: der Bruno Weber Skulpturenpark, dieser Gegenpunkt zum geschäftigen Treiben im Limmattal, auf das der Flecken Land ob Dietikon tagein, tagaus aus der Distanz herniederblickt. Und wie das Limmattal selbst blickt der Skulpturenpark auf eine Geschichte unbremsbaren Wachstums zurück, auf eine Geschichte des Aus-allen-Nähten-Platzens, des Ringens um Grenzlinien und Zonenverordnungen und auch der Frage: Wie viel Beton verträgt die Natur - und vor allem: der Mensch?

Irgendwie ging sie dieses Jahr vergessen, die Feier des ersten Meilensteins in der Geschichte des Skulpturenparks. Zu viele Aufgaben standen an, zu viel Zeit nahm die Ausstellung von Bruno Webers und Max Gublers Gemälden in Anspruch. Irgendwie passt das auch zum Vater des Parks, dem Künstler, der sich in seinem unerschöpflichen kreativen Unterfangen noch nie von Zahlen und Regeln ablenken liess. Und sowieso: Meilensteine gab es in der bewegten Geschichte des Fabelreichs fast so viele wie die Mosaiksteinchen, die seine überlebensgrossen Skulpturen zieren. Verpasst man einen, kann man im Jahr darauf den nächsten feiern.

Eigenes Reich auf engstem Raum

Dazu kommt: Ganz so genau ist das Datum, an dem der Weinrebenpark zum Skulpturenpark wurde, gar nicht benennbar. Bereits 1952 schlug der junge Künstler auf dem Stückchen Land, auf dem heute das imposante Schloss und der Wassergarten stehen, seine Wurzeln. Auf Ermunterung des Sohnes kaufte sein Vater damals den Bauernhof am Waldrand und das umliegende Land.

Kommentar von Michael Rüegg Ein nötiger Luxus  Sogar aus dem Weltall gesehen, ist Bruno Webers Park irgendwie spektakulär. Mancher Ausserirdische, so er denn existiert, fragt sich wohl beim Blick von oben, was denn da Seltsames in der Landschaft steht. Man muss allerdings kein Marsmensch sein, um dieses Privileg auszuüben. Ein paar Klicks auf Google Earth reichen heutzutage aus. Kunst ist so allgegenwärtig, dass wir sie häufig erst dann wahrnehmen, wenn sie fehlt. Menschen haben seit jeher das Bedürfnis, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Umwelt zu schmücken. Die Palette reicht von kleinen Verzierungen bis zu gigantischen Projekten. Dass ein Künstler, wie Bruno Weber es getan hat, einen ganzen Acker in eine Wunderwelt verwandelt, ist eher die Ausnahme. Das Wort «Kunst» hängt für mich in zweierlei Hinsicht mit «Können» zusammen. Einerseits ist Kunst Ausdruck des Talents und Geistes, des Könnens, ihres Schöpfers. Andererseits leisten wir uns Kunst, weil wir es eben können. Kunst geht immer über das absolut Notwendige hinaus. Sie ist der ultimative Ausdruck von Kultur, jener Grenze, die den Mensch vom Tier trennt. (Eine Grenze, die übrigens Bruno Weber mit seinen Fabelwesen interessanterweise immer wieder aufgeweicht hat.) Kunst ist ein Luxus, den die Gesellschaft sich leistet. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass es Menschen gibt, die ihrer schöpferischen Kraft Ausdruck verleihen. Auch dann, wenn das Resultat vielleicht nicht unseren persönlichen Geschmack trifft. Kunst darf aufrütteln, provozieren, Gefühle auslösen. Nicht selten provozieren auch die Künstlerinnen und Künstler selber. Bruno Weber zum Beispiel foutierte sich um Bauvorschriften. Er werkelte lieber an seiner Traumwelt, als sich um den nötigen Papierkram zu kümmern. Das trug ihm nicht nur Sympathien ein. Fast wäre es gar zum Abbruch seiner Gebäude gekommen. Dass Webers Skulpturenpark im Nirgendwo am Rand der Agglomeration steht, macht ihn umso reizvoller. Barcelona hat den Gaudí-Park, Wien das Hundertwasserhaus. Das Limmattal hat Bruno Weber. michael.rueegg@azmedien.ch

Kommentar von Michael Rüegg Ein nötiger Luxus Sogar aus dem Weltall gesehen, ist Bruno Webers Park irgendwie spektakulär. Mancher Ausserirdische, so er denn existiert, fragt sich wohl beim Blick von oben, was denn da Seltsames in der Landschaft steht. Man muss allerdings kein Marsmensch sein, um dieses Privileg auszuüben. Ein paar Klicks auf Google Earth reichen heutzutage aus. Kunst ist so allgegenwärtig, dass wir sie häufig erst dann wahrnehmen, wenn sie fehlt. Menschen haben seit jeher das Bedürfnis, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Umwelt zu schmücken. Die Palette reicht von kleinen Verzierungen bis zu gigantischen Projekten. Dass ein Künstler, wie Bruno Weber es getan hat, einen ganzen Acker in eine Wunderwelt verwandelt, ist eher die Ausnahme. Das Wort «Kunst» hängt für mich in zweierlei Hinsicht mit «Können» zusammen. Einerseits ist Kunst Ausdruck des Talents und Geistes, des Könnens, ihres Schöpfers. Andererseits leisten wir uns Kunst, weil wir es eben können. Kunst geht immer über das absolut Notwendige hinaus. Sie ist der ultimative Ausdruck von Kultur, jener Grenze, die den Mensch vom Tier trennt. (Eine Grenze, die übrigens Bruno Weber mit seinen Fabelwesen interessanterweise immer wieder aufgeweicht hat.) Kunst ist ein Luxus, den die Gesellschaft sich leistet. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass es Menschen gibt, die ihrer schöpferischen Kraft Ausdruck verleihen. Auch dann, wenn das Resultat vielleicht nicht unseren persönlichen Geschmack trifft. Kunst darf aufrütteln, provozieren, Gefühle auslösen. Nicht selten provozieren auch die Künstlerinnen und Künstler selber. Bruno Weber zum Beispiel foutierte sich um Bauvorschriften. Er werkelte lieber an seiner Traumwelt, als sich um den nötigen Papierkram zu kümmern. Das trug ihm nicht nur Sympathien ein. Fast wäre es gar zum Abbruch seiner Gebäude gekommen. Dass Webers Skulpturenpark im Nirgendwo am Rand der Agglomeration steht, macht ihn umso reizvoller. Barcelona hat den Gaudí-Park, Wien das Hundertwasserhaus. Das Limmattal hat Bruno Weber. michael.rueegg@azmedien.ch

Limmattaler Zeitung

Zuvor hatte Bruno Weber im Obergeschoss seines Elternhauses an der Oberen Reppischstrasse gewirkt - nachdem die Grossmutter dem Jüngling mit dem ungezügelten Schaffensdrang ein Zimmer überlassen hatte, das er zum Atelier umgestalten durfte. So musste sich Weber nicht mehr in die Waschküche oder in den Estrich stehlen, um seine Ideen zu Papier zu bringen.

Mit dem Kauf des Landes ob seiner Heimatstadt bekam Bruno Weber nun einen Raum, der ihm ganz allein gehörte. Hier konnte er sich künstlerisch austoben, wenn auch auf sehr engem Raum: Ein winziger Schuppen, der den benachbarten Bauern als Werkzeuglager diente, wurde sein Atelier. Das Häuschen - die Grundfesten stehen heute noch neben dem Weberschen Wohnhaus - mass gerade mal knapp zwei auf drei Meter. Das wurde Weber schnell zu klein. Oder wie seine Frau Maria Anna Weber-Godon sagt: «Seine Bilder wurden schnell zu gross.»

1962 begann er deshalb mit dem Bau eines richtigen Ateliers, 10 mal 15 Meter gross, nach Pariser Vorbild, mit einer nordwärts gerichteten Fensterfront für möglichst guten Lichteinfall. Wo immer er konnte, legte Weber beim Bau selbst Hand an. Auch seine Brüder und manch ein Künstlerfreund haben damals für ihn Karren geschoben und Leisten verlegt. Dieser Bau, betont Weber-Godon, sei noch hochoffiziell von der Gemeinde Spreitenbach, auf deren Boden der Park steht, bewilligt worden. Es sollte für lange Zeit die einzige Bewilligung bleiben, die ganz ohne Probleme über die Bühne ging.

1963 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Doch lange genügte dem ewigen Schaffer diese Stätte nicht. 1965 begann Weber, Ergänzungen am Bau vorzunehmen. Das moderne Atelier mit seinen strengen rechten Winkeln entsprach seiner Ästhetik nicht mehr. Dazu hatte er bei den Bauarbeiten ein neues Material kennen und lieben gelernt: den Beton.

Jeder Mensch ein Königskind

Diese Entdeckung fiel zusammen mit Webers zunehmender Sorge um sein geliebtes Limmattal, das für ihn immer mehr zum Moloch wurde. Die Landschaften, die er damals noch so gerne malte, fielen der unaufhaltsamen Bautätigkeit nach und nach zum Opfer. «Da dachte er sich: Ich will zeigen, dass man aus Beton auch schöne Dinge machen kann», erinnert sich seine Witwe. Das Pochen auf das Recht, sich mit Schönem zu umgeben - auch das war einer der Grundpfeiler Webers Schaffen. «Er sagte immer: Jeder Mensch ist ein Königskind», so Weber-Godon.

Mit Bewilligungsverfahren hingegen hatte es der eigenwillige Künstler nicht so. «Bruno hat einfach gebaut», sagt Weber-Godon heute. Lange ging das nicht gut: 1976 erliess Spreitenbach eine Abbruchverfügung für nicht bewilligte Anbauten. Es folgte ein Baustopp, den Weber einhielt, aber nur schwer ertrug. Vom Abbruch blieb der Park verschont, dank des jahrzehntelangen Einsatzes seines Anwalts Peter Conrad und, wie Weber-Godon betont, letztlich auch viel Goodwill der Gemeinde.

Seit acht Jahren geht das Schaffen im Skulpturenpark nun ganz legal vonstatten: Das Land wurde, nachdem die Gemeindeversammlung dem Antrag mit überwältigender Mehrheit zustimmte, zur Spezialzone für künstlerische Nutzung umdefiniert. Am Ende seines Lebens war Weber versöhnt mit den Behörden, die ihm damals Steine in den Weg gelegt hatten. «Sein Credo war: Man muss die Dinge ruhen lassen und in allem das Gute sehen.» Und das Gute, das ist ziemlich offensichtlich: Der Skulpturenpark blieb unbeschadet erhalten und steht heute unbestrittener denn je am Fuss des Juchholzes.

Während all diesen Jahren hat ihm seine Frau Maria Anna den Rücken freigehalten. Der Skulpturenpark ist seit 1969 auch ihre Heimat. Unzählige Steine, die sich heute in Bruno Webers Gesamtkunstwerk einfügen, hat sie gesetzt. Heute sagt sie: «Viele der Böden im Park habe ich gelegt. Vielleicht hat das symbolische Bedeutung.»